Es mag sein, dass Fußball ein einfaches Spiel ist. Doch das Drumherum ist deutlich komplexer geworden. Glaubhafter Ausdruck davon sind die aktuellen Einlassungen der Verantwortlichen. Versuchte sich der Trainer des FC Schalke, Mirko Slomka, neulich als philosophierender Heimwerker, so gibt der Manager der Dortmunder Borussia nun den Gärtner kantischer Prägung.
Michael
Zorc äußerte sich zum augenblicklichen Zustand seines Vereins wie folgt: "Nehmen wir mal einen ziemlich in Unordnung geratenen Garten. Aber jetzt ist in diesem Garten das Unkraut gejätet, der Boden gedüngt und geebnet worden. Wir haben Blumen gepflanzt. Nur wachsen sie nicht so schnell, wie wir selbst es uns wünschen. In ein bis zwei Jahren allerdings werden wir in der Lage sein, direkt größere Pflanzen zu setzen." Machen wir uns doch mal die Mühe, die Quersumme dieser verbalen Gleichung zu bilden.Man könnte zunächst meinen, dass der managende Gärtner in dem bekanntermaßen nur selten wirklich grünen Grün des ehemaligen Westfalenstadions den unordentlichen Garten erkennt. Doch tatsächlich denkt er zurück an die Tage, als im Garten der große Baum stand. Der große Niebaum, Sommer wie Winter voller prächtiger Blüten. Es war magisches Märchengeld, das man mit vollen Händen unter die Leute bringen konnte, obwohl es gar nicht da war. Der süße Midfield-Terrier Susi tollte im Garten umher und fraß sein Chappi nur von silbernen Schalen und aus goldenen Pokalen.
Doch niemand konnte das ganze Geld ausgeben und so fielen die faulen Früchte zu Boden und verrotteten zu einem hochkontaminierten Bodenhorizont. Der große Niebaum musste mit Stumpf und Stiel entfernt werden und eigentlich hatte der einstmals schöne Garten abgezäunt und der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht werden müssen. Wenn nicht die Agraringenieure aus Frankfurt gewesen wären, die die großartige Idee hatten, den Garten mit einer dicken, dicken Schicht besten Lehms zu überkippen, so dass nichts und niemand mehr an der Altlast rühren konnte. Denn schließlich war es doch immer ein soo schöner Garten. So wurde aus dem Garten des Niebaums das Feld des Vergessens, auch wenn aus manchem Nachbargarten Stimmen drangen, die in der Vergangenheit ebenfalls gerne den schweigenden Boden aus Frankfurt bekommen hätten.
An diesem fruchtbaren Acker versuchen sich nun seit Jahren verschiedene Gärtnermeister, vom holländischen Tulpenknicker bis zum Mecklenburger Doldenzüchter. Keiner von Ihnen konnte jedoch Krüppelwuchs, Blindblüten und Totholz trotz tätiger Mithilfe von Herrn Zorc bisher vermeiden. Vermutlich deshalb träumt Michael Zorc immer noch von den wirklich großen Pflanzen, wie damals der große Niebaum.
(Lubi)

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