Während zwei gewichtige "Wahlkampf"-Themen bundesweit die Runde machten, nämlich Mindestlohn und Jugendkriminalität, während das nahende, bzw. intern längst beschlossene Desaster Nokia-Bochum an BenQ-Kamp-Lintfort erinnert, ist in Dortmund erst mal heile Welt. Zwar weht auch hier ein harter Wind, aber daran ist das Klima schuld. Januarsturm, Regen. Ekelwetter.
[ruhr-guide] Die Dortmunder Bürger/Innen lächeln.
Ich meine, sie lächeln über einen Schildbürgerstreich. Dieser Streich hat einen Namen und der Name ist Gesetz: Umweltzone. Sie wissen schon: Feinstaub. Weswegen die Autofahrer eine weitere Plakette an ihrem Mobil führen müssen - nach dem Ampelprinzip: Rot, Gelb, Grün.Wer nichts hat, ist dran. Zumindest innerhalb der kleinsten Umweltzone Deutschlands. 300 Meter Brackeler Straße. Weil genau dort der Messapparat steht. Bevor man die Ampelschaltung änderte standen die Autos im Stau, verpesteten die Luft. Jetzt fließt der Verkehr, aber ohne Plakette darf man den winzigen Bereich nicht passieren. Also, hätte ich ein "umweltschädliches" Auto, würde ich rechts links die Problemzone umfahren. Der Tipp dürfte sich längst rumgesprochen haben. Und die Luft sucht sich ihren Weg sowieso wie das Wasser. Ganz ehrlich, ist ihnen je so ein verrammeltes Projekt untergekommen? (Haben Sie noch schönere Beispiele? Dann schreiben Sie mir.)
Was zahlen Sie für einen nichtsnutzigen Aufkleber, der ihnen laut Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung die Sicht behindert? 5 bis 8 Euro? Was glauben Sie, wem diese Gebühren zugute kommen? Genau, weder dem südamerikanischen Regenwald im Allgemeinen, noch dem Dortmunder Nordpark im Speziellen, sondern der städtischen "Portokasse". Und der schwarze Aktienmontag hat auch nichts damit zu tun. Schließlich ist der Erfindungsreichtum der Politiker, hinsichtlich neuer Steuern und Gebühren, schier unerschöpflich.
Letztes Jahr der Wirbelsturm "Kyrill", diesmal, pünktlich zum Januar, respektive nach Silvester, ein Börsencrash der sich gefährlich anhörte, weil die Boulevardpresse kräftig nachhalf: "Dax fällt ins Bodenlose! Schwarzer Montag! Neue Depression?"
Mir hat der DAX nicht leid getan. Früher, ja, da wäre ich hysterisch und depressiv geworden, früher, als ich drei Telekom-, vier Post- und fünf BVB-Aktien besaß die gleich am Anfang wegen Überzeichnung in den Keller gegangen sind.
Und nun, was sonst noch von minder oder herausragender Bedeutung war, nämlich die Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen. Das "niedere Sachsen" bleibt, politisch gefärbt, schwarz. Seit sich Alt-Kanzler Gerhard Schröder Berlin zuwandte, und später Moskau, sind die Sozialdemokraten dort wie verschnittene Champignons minderer Qualität: einfach zweite Wahl.
Hessens Ministerpräsident Koch, einer der wie kein anderer Zweiter die Wahrheit gerne neu erfindet und sich nie verrennt, sondern höchstens ihm unbekannte Wege beschreitet, dieser Koch - man lässt ihn besser alleine, weil seinesgleichen in Vielzahl eher den Brei verderben - gibt eine herbe Schlappe im Ergebnis zu. Resümiert aber sonst, man habe die Wahlkampfthemen nicht richtig umgesetzt.
Meine lieben Dortmunder und Dortmunderinnen, hören Sie es heraus? Hier ist die Rede von medienwirksamen Wahlkampfthemen, also Themen, die nur im Wahlkampf interessieren und anschließend gut verpackt in der Schublade verschwinden.
Na ja, als Hesse würde ich mir keine großen Hoffnungen über einen Richtungswechsel machen, die Stühle im Landtag sind mit Pattex bestrichen, regieren um des Regierens Willen - was gleichwohl bundesweit Anwendung findet. Erst Selters, dann Sekt. Denn weil nach der Wahl nicht vor der Wahl ist, können sich Politiker jeglicher Couleur nun der schönen Periode des Nichtschaffens widmen und Phantasie an den Tag legen, die erst kurz vor Ablauf einer Amtszeit ungebremst auf die Wähler prasselt.
Während die einen zur Urne schritten, verfolgten andere die Handball-WM. Leider holten wir Deutsche nicht mal Blech. Trotzdem hat, seit der Männer-Fußball-WM 2006, die Begeisterung am Sport mit dem Ball enorm zugenommen. Plötzlich sollen, nicht nur sportiv gesehen, die Deutschen in allen Disziplinen Europa- oder Weltmeister werden, wir erwarten es förmlich. Trotzdem gönnen wir uns innerhalb der eigenen Stadtmauern eine rühmliche Ausnahme, den BVB. Was hat der Verein nicht schon "Fan-Prügel" und Medienschelte bezogen, aber im Vorstand wie auf dem Rasen agieren ebenfalls Stehaufmännchen, man analysiert das Problem, den Tabellenstand und was wäre wenn ... doch es kommt meistens anders. Hauptsache, man bleibt schwer beschäftigt.
Ich sage nur: 3:3.
(Hartmuth Malorny)
Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.
Foto: Roberto Tarallo

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