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Kolumne Juli 2008

"Ein Rauchverbot untersagt, Tabak an bestimmten Orten abbrennen zu lassen." Diesen kuriosen Satz fand ich bei Wikipedia. Weiter: "Rauchverbote können beispielsweise von Inhabern eines Hausrechtes, vom Gesetzgeber oder anderen erlassen werden." Seit dem 1. Juli waren alle Bundesländer, mit allen Konsequenzen, vom Nichtraucherschutzgesetz befallen.


Ein Haufen Politiker und Experten feilten lange an einem Gesetz rum, das nun durch Hartmuth Malornyhöchstrichterliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wieder auf der Kippe steht, wiewohl einige Bundesländer die Fragwürdigkeit des Rauchverbots in Einraumgaststätten längst dezentral entschieden haben. Aber das kennen wir ja von der Politik: Entweder Hast und Eile oder langatmige Inkonsequenz sind das Resultat einer gehörigen Flickschusterei.

Mich wundert, warum nicht die Tabakkonzerne als erste vors BVerfG gezogen sind, sondern zwei Kneipen- und ein Diskothekenbesitzer? Denn, ein anderes Beispiel: In Singapur hatte die Regierung 1992 den Verkauf, den Import und das Kauen von Kaugummi verboten. Jetzt wurde den Singapuresen das Bubble-Gum wieder erlaubt, allerdings nach Intervention der U.S. amerikanischen Firma Wrigleys und unter strengen Auflagen.
Würde man es tatsächlich schaffen, rein hypothetisch gesehen, alle durch Aktiv- und Passivrauchen verursachten Krankheiten aus der Welt zu schaffen, wäre ein wirtschaftlicher Kollaps die Folge: Nicht ausgelastete Krankenhäuser, die ja längst wie rentable Fabriken geführt werden, Steuerausfälle in Milliardenhöhe, ein paar Millionen Arbeitslose mehr - um die größten Faktoren zu nennen. Das wollen unsere Volksvertreter natürlich nicht, darum lassen sie manche Gesetze labbrig wie ein altes Weißbrot und löchrig wie ein Käse durch den Bundesrat marschieren. Der gute Wille alleine reicht.
Die Betreiber von Flughäfen, U-Bahnhöfen, Kaufhäusern oder Frisiersalons verbannen den blauen Dunst seit vielen Jahren aus ihrer Atmosphäre, wie ich auch selbst entscheiden kann, ob in meiner Wohnung geraucht werden darf.
Nein, ich bin als Raucher kein Verfechter der Fluppe, aber Steuern zahlende Bürger/Innen arbeiten bis zum 08. Juli eines Jahres für den Staat, soll heißen, 50% ihres und meines Verdienstes fließt in jene Kassen, die unsere Volksvertreter verwalten. Und nehmen uns, ganz nebenbei, eine Menge Entscheidungen ab, im Grunde fast alle. Wo bleibt da die Selbstverwirklichung?
Doch ein mündiger Bürger stellt unbequeme Fragen die ehrliche Antworten erfordern, und das will sich kein Politiker zumuten.
Allein schon das Wort "Nichtraucherschutzgesetz". Es erinnert mich an die Verschmutzungsrechte, die der Industrie auferlegt, aber von ihr wie Aktien gehandelt werden dürfen. Wer unterhalb der Obergrenze bestimmter Emissionen liegt, innerhalb eines Gebietes und Zeitraumes, hat das Recht, seine unterlassene Verpestung anderen zu überlassen. Freilich gegen cash. Nach dem Gleichheitsprinzip könnte ich nun, sollte ich aufhören zu Rauchen, es einem anderen gestatten. (Wenn er mir die OP am offenen Herzen bezahlt.)

Am 19. Juli war die Hauptverkehrsader Dortmunds - die B1 - der Highway to Love. 1,6 Millionen Besucher/Innen. Rekord! Ein riesiges und friedliches Besäufnis unter den Klängen der Wum-Bum-Technomusik. Der zeitweise heftige Regen spielte keine Rolle, man wurde auch innerlich nass.
Und ebenfalls nein, ich bin weder Gegner des Alkohols noch irgendeiner musikalischen Richtung, aber ist Leberzirrhose besser als Lungenkrebs?

Ja ja, das große Sekundärthema waren die Wildpinkler. Wo sollten sie denn hin? Mit voller Bierblase 15 Minuten am Dixie-Klo anstehen? Hochziehen und Ausspucken - wie der Volksmund gerne skandiert? Nun, ich hätte um jeden Gullydeckel einen Sichtschutz drapiert. 1,6 Millionen meist junge Menschen tanzten, feierten beschwipst und beschwingt über die B1 und zur Westfalenhalle. Der chill-out lief bis zum frühen Morgen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste meldeten keine besonderen Vorkommnisse. Selbst der OB Dr. Langemeyer fiel nicht vom Wagen. Nur die Deutsche Bahn hatte mal wieder Schwierigkeiten.

Und dann, am letzten Samstag des Monats, kam das große Wasser. Ich hatte es in der Kolumne gar nicht eingeplant. Besonders die Stadtteile Dorstfeld und Marten soffen teilweise ab. Heiliger Bimbam, immer diese Ungerechtigkeit, denn wo Wasser nötig ist, bleibt es oftmals aus. Was war denn nun los mit den beiden defekten Pumpen der Emschergenossenschaft? Der Chef der Dortmunder Feuerwehr Klaus Schäfer jedenfalls nimmt die Verantwortlichen in die Pflicht, er habe Blut und Wasser geschwitzt und sich auf die Evakuierung von 10 000 Menschen vorbereitet.

Ich hoffe, sein Büro hat sich nicht in einen Teich verwandelt.

(Hartmuth Malorny)

Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt. Foto: Roberto Tarallo





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