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Vom Fruchtbarkeitstempel bis zum Teufelselixier

News-Archiv: News vom 28.8.2008 - Köln (nrw-tn). Manch einer meidet schwarze Katzen, geht an einem Freitag den 13. nicht aus dem Haus oder freut sich über eine Begegnung mit einem Schornsteinfeger. Während früher die christliche Kirche die Grenzen zwischen Glauben und Aberglauben definiert hat, wird heute als Humbug abgetan, was nicht wissenschaftlich belegbar ist. Aber vielleicht ist ja doch was dran an Hexenkunst, Kräuterzauber oder Teufelswerk? Aberglaube ist heute noch allgegenwärtig und auch im sagenumwobenen NRW gibt es zahlreiche Möglichkeiten, in die Welt des Unerklärlichen abzutauchen: Der Nordrhein-Westfalen Tourismus e.V. hat ein paar Tipps zusammengestellt: Vom Fruchtbarkeitstempel bis zum Teufelselixier.

"Ich habe Senf und Dill, mein Mann muss tun was ich will!" -legt sich eine Frau Senf- und Dillkörner in den Schuh und sagt bei der Trauung leise diesen Spruch, stellt sie sicher, dass sie nach der Hochzeit daheim das Sagen hat. So sagt es zumindest ein alter Aberglaube in Bad Driburg. In der Badestadt im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge gibt der "Bad Driburger Kräuterpfad" Einblicke in die Welt der Kräuterhexen und präsentiert an insgesamt 17 Stationen unterschiedlichste Kräuter. Interessierte erhalten etwa Tipps zur Zubereitung von Speisen mit Kräutern und Informationen zu mit Kräutern verbundenem Aberglauben. Führungen offenbaren einige dieser Kräuterhexen-Geheimnisse. Noch bis Ende September ist der Kräuterpfad in der Innenstadt geöffnet. Besonders gut lässt sich die Kräuterwelt mit der Pauschale "Kräuterzauber" vom 10. bis 12. Oktober erkunden. Zwei Übernachtungen mit Frühstück, eine fachkundige Wanderung mit Kräutersammlung, Kochen mit den gesammelten Kräutern und Besuch der Driburg Therme gibt es für 106 Euro pro Person (Bad Driburger Touristik GmbH, www.bad-driburg.com, Tel.: 05253/9894-0).

Sollten alle Kräuterkräfte nicht helfen, können Paare, die Kinder haben wollen, in der Eifel versuchen, der Natur auf die Sprünge zu helfen: Ein Besuch der Matronenheiligtümer "Görresburg" in Nettersheim und "Heidentempel" in Bad Münstereifel soll bei Frauen eine baldige Schwangerschaft zur Folge haben. In den beiden römischen Tempelanlagen wurden in der Antike Fruchtbarkeitsgöttinnen, die Matronen, verehrt. Davon zeugen noch heute original erhaltene steinerne Abbilder der Göttinnen, auf denen sie Obst im Schoß halten. Über das Leben in der Antike informiert eine archäologische Ausstellung im Naturzentrum Eifel in Nettersheim. Außerdem gibt es regelmäßig geführte Wanderungen zur Görresburg (www.nettersheim.de, Tel.: 02486/1246).

In Aachen sollten Männer nicht zu tief ins Glas schauen: Früher - so erzählt man sich - sprang den Angetrunkenen, die um Mitternacht aus der Gaststätte wankten, das "Bahkauv" (althochdeutsch Bachkalb) auf die Schultern, stahl ihnen die Geldbörse und ließ sich heimwärts tragen. Je inbrünstiger sie beteten, desto schwerer machte sich das Ungetüm. Fluchten die Zecher jedoch lautstark, so hatte das Bahkauv ein Einsehen und ließ sie ziehen. Heute erinnert ein Denkmal an das Ungeheuer, das in den Kanälen der Badehäuser lebte. Zwar hat es sich schon lange nicht mehr gezeigt, aber wer weiß, ob es nicht doch eines Tages wieder hervorkommt? Zumindest auf der Themenführung "Sagen, Legenden, Märchen" des aachen tourist service e.v. lebt die Geschichte regelmäßig wieder auf (www.aachen-tourist.de, Tel.: 0241/1802960).

Ein altbekannter Übertäter hat in Schermbeck am Niederrhein seine Spuren hinterlassen: Der Teufel hatte den Bau eines Klosters und einer Kirche verhindern wollen. Ohne Erfolg, denn der riesige Stein, den er vom Berg herab warf, verfehlte sein Ziel und liegt nun wie eine große Weihnachtstanne mitten in einer Wiese. Wer sich den "Teufelsstein" genau anschaut, wird an einer Seite die Löcher finden, wo sich die Teufelskrallen in blinder Wut in den Stein eingegraben haben. Auch andere Sagen werden mit dem Teufelsstein und dessen Umgebung in Zusammenhang gebracht. Aber verirrte Wanderer sollten sich lieber auf GPS verlassen, als auf das kopflose weiße Pferd zu warten, das der Sage nach rund um den Teufelstein Wanderern den rechten Weg weist (www.wir-sind-schermbeck.de).

Ein Zauberstab dagegen führt derzeit im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern auf den rechten Pfad. Noch bis zum 31. Dezember können die Besucher der Ausstellung "� und raus bist Du! - Hexen und Ausgegrenzte" der Geschichte und den Ursachen der Hexenverfolgung auf den Grund gehen, und erfahren, wo Menschen in der heutigen Gesellschaft auf Grund ihres Aussehens oder ihrer Fremdartigkeit ausgegrenzt werden. Begleitend zur Ausstellung findet ein Rahmenprogramm statt. So können Kinder am 6. September nach Voranmeldung "Mit Hexenbesen zu Waldgeistern und Baumriesen" aufbrechen (www.kommern.lvr.de; Tel.: 02234/9921555).

Auf die Spuren von Sagengestalten können sich Mutige im Münsterland machen. Bei einem schaurigen Spaziergang, der am 7. November und 12. Dezember in Emsdetten angeboten wird, stehen Begegnungen mit Hexen und Teufeln auf dem Programm und gruselige Tiergestalten werden vor dem geistigen Auge wieder lebendig. Doch keine Angst: Wer daran glaubt, der kann zum Abschluss ein "Elixier gegen Tod und Teufel" nehmen, um die schaurigen Gestalten nicht in die Träume eindringen zu lassen. Eine vorherige Anmeldung beim Verkehrsverein Emsdetten ist erforderlich (www.vvemsdetten.de, Tel.: 02572/93070).

Daneben gibt es noch eine Fülle weiterer Führungen: So erfahren die Teilnehmer der Tour "Das 3x3 der weis(s)en Frau" am 6. und 7. September im Wildwald Vosswinkel im Sauerland alles über Pflanzen und Symbole in der Weißen Magie und bereiten mit einheimischen Wildkräutern ein vegetarisches Menü, Likör und anderes Gutes und Nützliches zu. Eine Anmeldung ist bis 2. September telefonisch unter 02932/97230 erforderlich (www.wildwald.de). Eine Mach-mit-Führung für Kinder durch das mittelalterliche Köln des Vereins Regio Colonia erzählt "Von Aberglaube, Torschlusspanik und Zapfenstreich" (www.regiocolonia.de) und Gäste im münsterländischen Wettringen können eine "Wanderung mit der Kräuterhexe Rosenstengel" unternehmen (Verkehrsverein Wettringen, Tel.: 02557 /929676).





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