Wenn man drei Gläser Bier in einer Waagerechten überlappt nebeneinander stellt, sie austrinkt und dann noch Durst auf zwei weitere Biere hat und sie in gleicher Form darunter platziert und wartet bis sich der Schaum gesetzt hat und sie ebenfalls trinkt, erkennt man anschließend am Tresen - vorausgesetzt der Barmann hat nicht poliert - fünf ineinander gefasste Ringe, drei oben, zwei unten, und sie sehen aus wie die olympischen Ringe.
Nun,
das Symbol der Ringe wurde weder am Tresen noch in der Antike geschaffen, sondern erst 1913 kreiert: 5 Ringe für die 5 Kontinente dieser Erde, was man damals, 776 v. Chr., vermutlich noch gar nicht wusste. Als die olympische Idee 1896 wiedergeboren wurde, holte der griechische Schriftsteller ohne Schulabschluss Demetrius Vikelas die Spiele in seine Heimatstadt Athen und avancierte zum ersten IOC-Präsident. Sein Landsmann Spiridon Louis gewann den Marathonlauf - und ging nicht nur als Sieger, sondern auch als neuzeitlicher Doping-Sünder in die Geschichte ein, denn Louis` Schwager versorgte ihn auf der Strecke mit Wein und rohem Ei. Mit wie viel Promille Alkohol im Blut Louis schließlich das Ziel erreichte ist nicht überliefert, aber er wurde fürstlich entlohnt: Das IOC schenkte ihm eine Ziege, der König legte einen Eselskarren drauf. Der Staat vergab eine kleine Pension und sein Dorf überließ ihm Ackerland.
1896 machte auch ein Deutscher von sich reden. Friedrich Traun war eigentlich Läufer, die 800 Meter seine Disziplin, doch als er bereits im Vorlauf ausschied, wechselte Traun kurzerhand zum Tennis, er kaufte sich einen Schläger und siegte mit dem Iren Boland im Doppel.
Beijing, die verbotene Stadt. China, das geschlossene Land. Olympia 2008. Manche Menschen reduzieren die olympischen Spiele auf den Medaillenspiegel, manche auf das Land, in dem sie ausgetragen werden. Ob man Sport und Politik so trennen sollte wie Politik und Religion, oder ob Sport längst Politik ist, sei dahingestellt. Ich befürchte sogar, dass sich der Begriff "Menschenrechte" durch die weltweite mediale Verbreitung eher abgenutzt hat, nach dem Motto: Gut, das Thema wurde angesprochen. Und jetzt wollen wir nichts mehr davon hören. Sie wissen schon, ob in China ein Sack Reis umfällt ...
Das waren doch hübsche Bilder und Töne die um die Welt gingen. Perfektionismus im Kalkül. Alles für die Show. Na ja, hier und da ein Fake das durch die Geheimhaltung flutschte, wie beim Blue-Screen, dem Feuerwerk und dem Mädchen mit dickem Gesicht und schiefen Zähnen, das seine Stimme verleihen musste. Aber vergessen Sie nicht, zeitversetzte Live-Übertragungen sind in den USA gang und gäbe, das Playback-Verfahren erfreut sich internationaler Beliebtheit und ist selbst im Reich der Mitte nicht verpönt, wie es die chinesischen Back Dorm Boys erfolgreich und pro Kommerz praktizieren. Ob es der Ehrgeiz ist, wie Pistolenschütze Hans-Jörg Meyer nach seinen Vorkampf-Aus sagte, der bessere Resultate verhindere?
In der Antike gab es aus Kostengründen nur zwei Sieger fürs Podest, der erste bekam eine Silbermedaille, der zweite einen Olivenkranz. Warum heute die Goldmedaille immer noch ein Silberling ist - sie enthält nur 6 Gramm Gold - bleibt der Welt ein Rätsel, an millionenschweren Sponsoren fehlt es jedenfalls nicht. Anno 65 n. Chr. beteiligte sich ein Mann an den Wettkämpfen, der eigentlich längst alles hatte: Ruhm, Ehre, Geld, Frauen. Es war kein Geringerer als Kaiser Nero, dem die Geschichtsschreiber den Brand von Rom in die Sandalen schoben. Nero wollte noch ein bisschen mehr Ruhm. Darum stellte er sich kurzerhand als Olympionike im Wagenrennen zur Verfügung. Selbstverständlich hatte Nero bei dieser Disziplin keine Gegner, weil kein anderer neben ihm starten durfte. Nero soll sogar vom Wagen gefallen sein, aber er hat gewonnen.
Wie es Chinas Staatsführung eigen ist, überließ sie kaum etwas dem Zufall: Internet-Zensur, Drill, Disziplin. Selbst dem Wetter wurde der Faktor Unbeständigkeit genommen. Zwar war an der Dunstglocke über Beijing nichts zu ändern, aber den Regen hatte man im Griff. Damit bloß kein einziger Tropfen die Zeremonie stören durfte, feuerten Wetterspezialisten 1104 Raketen mit Silberjodid in die bedrohlichen Wolken und brachten sie außerhalb der Stadt zum Abregnen.
Und in Sachen Doping waren die Sportler/Innen kaum schlauer als vorher: 5000 Kontrollen, 10 positive Tests. Der berühmte Doping-Jäger Werner Franke brachte es auf den Punkt: "Die Tests sind nichts wert. Erwischt werden nur die Idioten. Es wird gedopt wie immer - nur auf einem höheren Niveau."
(Hartmuth Malorny)
Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.
Foto: Roberto Tarallo

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