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Kolumne September 2008

Das Finanzierungsdefizit des Klinikums, die Affäre "Portokasse" sowie die Prestigeobjekte U-Turm und Phoenixsee - spätestens jetzt wird ihnen klar, wer mit diesen Schlagwörtern unzertrennbar in Verbindung steht: Oberhaupt Dr. Langemeyer. Sein politischer Stern sinkt und die SPD demontiert sich mal wieder selbst.


[ruhr-guide] Hartmuth MalornyAls hätte die SPD auf Bundesebene nicht schon genug Sorgen über den Winter und in den Wahlkampf 2009 zu kommen, nein, auch im kommunalen Planschbecken wird heftig gebalgt, schließlich möchte keiner auf dem Stöpsel sitzen bleiben. Es ist nicht lange her, da tönte Langemeyer vollmundig: "Ich will es noch mal wissen." War er bis dato der Meinung eine weitere Amtsperiode bestreiten zu können, ging es innerhalb von einer Woche ratz-fatz: Zuerst brachten die Genossen Kulturdezernent Stüdemann ins Spiel, dann legte Landesvorsitzende Hannelore Kraft einen drauf, nämlich Stadtdirektor Sierau. Plötzlich sind es drei.

Inwieweit die Sozialdemokraten damit ihre Zerrissenheit demonstrieren, ist bislang nicht absehbar, man macht Wind für die Wahlen im nächsten Jahr. Der "grüne" Bündnispartner hält den jetzigen Amtsinhaber für nicht tragbar und schickt sein eigenes Pferd ins Rennen, vermutlich Mario Krüger. Das wären dann vier mögliche Potentaten. Auch die Linken lassen sich bei diesem Match nicht lumpen: "Und wenn wir damit die SPD stürzen, ist das auch egal. Gerhard Langemeyer ist schon längst nicht mehr das kleinere Übel gegenüber der CDU."

Nun, so funktioniert Demokratie. Theoretisch kann jeder Oberbürgermeister werden. Vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld und ein paar Wählerstimmen zur Nominierung in der Tasche. Natürlich sind die Chancen eines parteilosen Gabelstaplerfahrers ohne Schulabschluss weitaus schlechter als die der Nomenklatura, und Show gehört ebenfalls zum Geschäft, aber eine spezielle Ausbildung, wie Sie zum Beispiel vom Bäcker ihres Vertrauens erwarten, ist nicht nötig. Eine genaue Regelung finden Sie im Kommunalwahlgesetz NRW.

Blicken wir zurück: 2004 erreichte kein Kandidat die absolute Mehrheit, erst in der Stichwahl setzte sich Gerhard Langemeyer gegen Frank Hengstenberg (CDU) durch. Schauen wir noch ein bisschen in die Vergangenheit: 1999, nach der "Ära Samtlebe" und der jahrzehntelangen sozialdemokratischen Dominanz, hatte Langemeyer bereits ein Problem bei der neuen Direktwahl, hier brachte ihn Volker Geers (CDU) zum Schwitzen.

Die CDU hält sich bedeckt. Wohl aus taktischen Gründen. Flugs wurde die Meldung vom 08. September dementiert, in der es hieß, dass Rechtsanwältin Beate Puplick heißeste Kandidatin sei. "Das ist völliger Quatsch," sagte der Kreisvorsitzende Erich G. Fritz, "während es die Aufregung über diese Zeitungsente gegeben hat, habe ich ein zweistündiges Gespräch mit dem richtigen OB-Kandidaten geführt. Und das war nicht Frau Puplick." Ich hoffe, Sie können mir folgen. Die Politik unterliegt weder der Transparenz, noch dem Reinheitsgebot. Na ja, theoretisch schon. Aber ohne Seilschaften ist es schwer. Politik bedeutet, zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu sagen, wobei der Wahrheitsgehalt unerheblich ist. Hauptsache, man lässt sich beim Lügen nicht erwischen.

Apropos Finanzkrise, dem großen Thema der letzten Tage, wer ist eigentlich für die städtischen Gelder zuständig? Nach Guntram Pehlke, der zu DSW 21 wechselte, ist Frau Uthermann "Portemonnaie-Verwalterin" und hat das globale (und riskante) Finanzspiel der Städte schon 2007 erkannt - und die Notbremse gezogen. Doch da waren bereits 6,2 Millionen Euro den Bach runter. Mehr als 700 Kommunen und Unternehmen zockten auf dem U.S.-Markt, Dortmund vermietete sogar seinen Personennahverkehr - und hat trotzdem nichts gelernt. Heute sitzt die Stadt auf 23 Millionen Euro Verbindlichkeiten der U.S. Investmentbank Lehman Brothers.

Und wer 2009 neuer OB wird liegt an ihnen, aber zuerst schauen wir auf Weihnachten, denn pünktlich zu den Herbstferien gibt es Printen und Marzipan im Supermarkt.

(Hartmuth Malorny) Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.

Foto: Roberto Tarallo





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