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Kolumne März 2009

Über den März sagte Konfuzius mal: "Er liegt hinter dem Februar, aber vor dem April." So ungefähr würde ich derzeit die Ab- und Aufbruchstimmung im Lande interpretieren. Es geht mal hoch, mal runter, der DAX hält noch Winterschlaf, doch der "Remis-König" BVB hat in der zwölften Kalenderwoche seinen ersten Sieg eingefahren.


[ruhr-guide] In Zeiten, wo derHartmuth Malorny Ballsport längst kommerziell gehandelt wird, darf jeder zu Wort kommen - ob Spieler, Trainer oder Manager. Sie erinnern sich an Uli Hoeneß` laut gedachten Gedanken eine Art Soli für die Bundesliga einzuführen. Ich weiß nicht, ob die HoWe-Wurstwaren KG kurz vor der Insolvenz steht oder ob Herr Hoeneß unter Sauerstoffmangel leidet; meine Steuerschuldstundung lehnt das Finanzamt jedenfalls ab. Obwohl die Bank meines Vertrauens kürzlich den Dispo-Zinssatz auf sagenhafte 12,06 Prozentpunkte senkte. Wow! Wohlgemerkt, seit der letzten Zinssenkung der EZB vom 11. März kriegen die Banken dort ihr Geld für 1,5 bis 2,5 %.

Wenn Jürgen Klopp, alter und neuer Trainer des BVB, nur einen Teil seiner Gage gewinnbringend anlegt (Herr Klopp, bitte nicht in Liechtenstein und bleiben Sie auch den Lehman-Brothers fern), anschließend eine schöpferische Pause von Nöten hält, sagen wir ein, zwei Jahre, um über das Maß der nötigen Seilschaften zu verfügen, ist ihm ein Manager- oder Aufsichtsratsposten sicher. Schalke steht gerade zur Disposition. Oder die Deutsche Bahn. Oder General-Motors. Oder ...

Zwei Schlagwörter rennen sich in der Presse gegenseitig über den Haufen: "Soli" und "Boni". Nicht nur die phonetische Ähnlichkeit dieser Substantive ist offensichtlich, auch ihre Zusammengehörigkeit, was jedes Unternehmen gerne unterstreicht: Ohne Solidarität keine Bonität. Umgekehrt funktioniert die Sache genauso, nur aus einem anderen Blickwinkel, nämlich von oben nach unten, und in den Chefetagen ist derjenige solidarisch, der gewinnoptimiert handelt. Wer also Arbeitskräfte entlässt, Standorte wechselt, Zuschläge streicht und Löhne kürzt, bekommt eine Sonderzahlung. Das ist sein Job. Warum regt uns das eigentlich so auf? Weil wir am Fließband stehen und der restriktiven Unternehmenspolitik nichts entgegenzusetzen haben außer unserer Wut?

Nun, eine einmalige Zahlung von zwei Euro an die angeblich vor der Pleite stehende Bundesliga würde ich ohne Gewissensbisse leisten, aber gleich monatlich? Und wie war das damals mit dem "Kohlepfennig"? Wo ist denn die "Kohle" hin, bzw. wo kommt sie nun her? "Soli" sind, einmal eingeführt, ein Fass ohne Boden. Ohne "Soli" keine "Boni", ohne Knete keine Aufsichtsratsfete. Selbstverständlich haben noch niemandem außergewöhnliche Belohnungen für hervorragende Leistungen geschadet, doch aus dem Belohnungsprinzip wurde eine Mitnahmementalität, und einen Verzicht, wie ihn das Proletariat erbringt, kann man in der Führungsebene kaum erwarten. Sind wir vielleicht neidisch?

Mittlerweile wird beinahe jeder Banker wie ein Rottweiler behandelt. Apropos "Rottweiler": Die Arbeitslosenzahl ist im März in NRW von 8,9 % auf 9 % gestiegen. Und es wäre nicht so weit gekommen, wenn der jetzt arbeitslose Torwart aus München einen Ledersessel “Auf Schalke” angenommen hätte. Nein, ich möchte nicht in der Haut eines Bankiers stecken, jedenfalls nicht so lange, wie man diesen Berufsstand mit Raffgier verbindet. Dabei ist ein Geschäft ein Geschäft, wohlwissentlich, dass Konfuzius etwas ganz anderes meinte. Was allerdings Frau Dr. Merkel meinte, besser bekannt als Bundeskanzlerin, als sie am 28. März bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Dortmund auftrat, möchte ich ihnen in Auszügen wiedergeben: "... 428 Meister aus 21 verschiedenen Handwerken – das zeigt, wie vielfältig das Handwerk in Deutschland ist.” (Sie meint natürlich die Dortmunder Bilanz!) Und die Dame bleibt national: “Nun ist das deutsche Handwerk seit jeher auf die Zukunft ausgerichtet ...” Wäre das Gegenteil der Fall, würden wir uns wieder Höhlen in der Nähe von Erkrath und Mettmann graben, oder in Köln, wo sie ganz von alleine entstehen. “Die Zeiten entwickeln sich eher wieder in Ihre Richtung, als dass sie sich von Ihrer Richtung wegentwickeln. Sie können stolz darauf sein, manchmal Kurs gehalten zu haben, wenn die ganze Welt in eine andere Richtung zu gehen schien." Hm, wohin geht die Welt, in welche Richtung? Ist der Kurs nur scheinbar oder tatsächlich? Da diese Rede vom Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung verfasst wurde, kann ich ihnen den Gag-Schreiber nicht nennen. Es könnte einer von Harald Schmidt sein. Auf jeden Fall nicht von Jürgen Klopp, Uli Hoeneß oder dem Chinesen Konfuzius.

Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.

Foto: Roberto Tarallo





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