"Wer die Arbeit kennt und sich nicht drückt, ist verrückt." Rechte Randalebrüder jedenfalls, die den "Tag der Arbeit" für eine Erfindung der Nationalsozialisten halten, hatten am ersten Mai kein Problem mit einer Klopperei. Nur die Polizei war mal wieder völlig konsterniert, hier in Dortmund, sie tat so, als seien die alljährlichen Demonstrationen der Neonazis ein unkalkulierbares Phänomen.
[ruhr-guide] Dabei kann
der 1.Mai auf über 100 Jahre Tradition blicken: 1889 trafen sich 400 Delegierte sozialistischer Parteien und Gewerkschaften aus zahlreichen Ländern zu einem Kongress in Paris. "Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große internationale Manifestation zu organisieren, (...) dass gleichzeitig in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderung zu richten, den Arbeitstag auf acht(!) Stunden festzusetzen ..."
Heute geht man eher zum Erhalt des Arbeitsplatzes auf die Straße, oder überhaupt für Lohn und Brot.Was hat uns der Mai 2009 sonst noch hinterlassen? 60 Jahre Grundgesetz. Ich kenne nur den ersten Artikel: "Die Bürde des Menschen ist unfassbar." Am 12. Mai vor 60 Jahren beendeten die Sowjets die Wirtschaftsblockade um West-Berlin. Zwei Tage früher und 10 Jahre später wurde ich geboren, aber das war nicht meine Schuld. Im Mai wurde der neue (und alte) Bundespräsident gewählt. Und weil Frau Gesine Schwan nicht "schwarz" ist und auch kein Tretboot als Hausfreund hat, bzw. weil sie sich diskussions- und denkfreudiger darstellte als gewollt, verweigerten ihr 11 Abweichler von SPD und Grünen die Stimme. Also nehmen wir weiterhin mit Horst Köhler vorlieb, der hat uns 5 Jahre als "Super-Horst" repräsentiert und war öfter in der BILD als Boris Becker, ich meine, seit unser Ex-Tennisprofi nicht mehr Kinder in Besenkammern produziert.
Dazu diese verdammte Rezession, sie schleicht einher wie dereinst die Pest: man sieht sie nicht, man kann sie weder riechen noch schmecken, doch kaum einer bleibt von ihr verschont, und schon gar nicht die Medien. Gott sei Dank! Würde man uns nicht täglich darauf hinweisen, wir hätten die Sache längst vergessen und weniger Gesprächsstoff. Wie nebenan, im Kluseneck, da wird bei Bier und Korn eigentlich immer gejammert und gelacht, wobei sich Niveau und dummes Geschwätz, nach genügend Bier und Korn, gegenseitig die Kante geben. Die Kassiererin bei ALDI ist gewohnt freundlich, ein Kasten Bier im mittleren Preissegment kostet weiterhin 10 Euro und wenn ich auf einer Kreuzung eine Straße überqueren will, muss ich immer noch bei Rot warten.
"Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus." So dachten Hooligans, die den Aufstieg der Fortuna Düsseldorf in die zweite Liga als Anlass für Krawalle nahmen. Beim BVB ging es gesitteter zu. Folglich bin ich bereits mitten im Haupt-Event des Monats: Bundesliga. Besser: Deutscher Meister. Noch zwei Wochen vor der Entscheidung wurde der Konjunktiv derart geschädigt, und sogar am letzten Spieltag hypothetisch/mathematisch gerechnet, dass dem VFL Wolfsburg gar nichts anderes übrig blieb als nach der Meisterschale zu greifen. "Diese Bierduschen mag ich nicht ...", sagte Trainer Felix Magath der BILD. Ist die Frage erlaubt, ob er sie nächstes Jahr in/auf Schalke bekommen wird?
Eigentlich soll nun ein Übergang von "Schalke 05" zum BVB folgen. Ein schwieriges Unterfangen. Reklameanzeige Evonik: "BVB, wir stehen hinter euch. Und hinter Schalke." Torwart Manuel Neuer (S04) sagte: "Ich bin froh, dass dieser Mist endlich vorbei ist." Die Borussen - Spieler wie Trainer und Vorstand, gaben sich im Westfalenpark publikumsnah: Sebastian Kehl zum anfassen, Klopp zum gucken, Watzke zum staunen. (Franchise und Merchandising) Die Sonne lachte, der Himmel strahlte und der Rubel rollte. Alle sind mit der Saison 2008/2009 zufrieden. Alle?
Schön wär`s. Der BVB erhöht die Eintrittspreise "ihres" Stadions komplett, nämlich vom ersten Gitterplatz nahe am Spielfeldrand bis zum letzten unterm Dach. Kostete eine Stehplatz-Dauerkarte bislang 179,50 Euro, sind es nun 196 Euro. Tageskarten werden, je nach Lage, 3 bis 4,50 Euro teurer. Und wer sich angewärmte Sitzplätze leisten will, muss ebenfalls tiefer in die Tasche greifen.
Aber lassen wir das Schlusswort einem Fan. "Dojens" schreibt im Forum der Emsdetter Volkszeitung: "60,98% Steigerung in den letzten 10 Jahren. Solch eine Gehaltssteigerung hätte ich mir gewünscht! (...) Wie kann man so etwas, nach eigener Aussage, den besten Fans der Liga antun? Aber wir sind ja so blöd und kaufen wieder unsere Karte, wie schon seit vielen Jahren, egal wie schwer es fällt den Kartenpreis aufzubringen!"
Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.
Foto: Roberto Tarallo

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