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Kolumne Juni 2009

Gott schuf Himmel und Erde, er setzte eine Sonne ins Firmament und wurschtelte solange rum, bis alles leben und gedeihen, kreuchen und fleuchen konnte. Daran arbeitete er fünf Tage. Am sechsten Tag formte er Adam aus Lehm und Eva aus einem Rippchen. Den Sonntag nahm er sich frei, deshalb spielt die erste Bundesliga am Samstag.


[ruhr-guide] Sie Hartmuth Malorny glauben nicht an diese Art der Entstehungsgeschichte? Dann sind Sie entweder Islamist, Hindu, Buddhist oder Jude - um nur vier weitere der fünf größten Religionsverbände zu nennen, oder Sie sind Atheist. Wenn Sie gottlos durch die Welt wandeln, gehören Sie vermutlich zu den geschätzten 35 % Atheisten Deutschlands. Glauben bedeutet: Nicht wissen. Im Umkehrschluss wäre ein Atheist, also ein Ungläubiger, jemand, der weiß - und nicht glaubt.

Wie dem auch sei, die Debatte ist längst nicht vorbei. Als ein rot-weißer Doppeldeckerbus durchs Ruhrgebiet tourte, stand die Presse Spalier: "Gottlose im Atheisten-Bus". Der Slogan dieser Kampagne lautete: "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott." Seit wann lassen wir uns eigentlich von Werbung beeinflussen? Tja, seit sie existiert. Meist nehmen wir sie unbewusst, doch entsprechend provokant formuliert, auch sehr bewusst wahr. Die Werbeindustrie macht weltweit mehr Umsatz als alle Religionen zusammen, sie ist nicht auf Almosen, sprich Kirchensteuer und Kollekte angewiesen, außerdem ist sie in allen Lebensbereichen ein gern gesehener Geschäftspartner und suggeriert dem Konsumenten was er unbedingt kaufen muss.

Warum sich sämtliche Verkehrsunternehmen Deutschlands dagegen sperren den "Gottlosen" auf ihren Fahrzeugen eine Werbeplattform zu bieten, mag im Bedenken eines möglichen Image-Verlustes liegen. Gottlos? Nein, Danke. Man sollte schon was im Kopf haben. Ein U-Bahn-Wagen der Dortmunder Stadtwerke ist mit einer Werbefolie der Mast-Jägermeister-AG beklebt, Gott sei Dank! Obwohl ich lieber Rum mit Ananassaft trinke.

Sagt ihnen Lars von Triers Film "Antichrist" etwas? Mir nicht. Jedenfalls bis neulich, da fand ich einen Artikel auf dem Portal der WAZ-Mediengruppe "Der Westen" und es erstaunte mich, wie gering die öffentliche Resonanz ausfiel. Denn, das Werk war in Cannes höchst umstritten, es zeigt extrem sexuelle und gewalthaltige Inhalte. Nun soll es als Vorlage für ein neues Videospiel dienen und den sinnigen Namen "Eden" tragen. Game-Direktor Morten Iversen drückt sich so aus: "Der Film geht gegen alle Sitten, wie man Spiele macht und was man in ihnen tun kann. Tote Kinder, Nacktheit und visualisierte Gewalt. Es wird ein sehr kontroverses Spiel und es wird ein Spiel, das man nicht wirklich mit anderen vergleichen kann."

Gott schuf nicht nur Himmel und Erde, er gab uns auch Wein und Weib, das Handy und die Glotze, Internet und die Playstation Drei. Ein bisschen Dankbarkeit wäre angebracht! Oder treten Sie gleich aus der Partei aus, wenn ihnen diese vor einer Wahl verspricht, die Steuern nicht zu erhöhen und es nachher doch tut? Der Glaube lebt schließlich von den Gläubigen - und der Gerichtsvollzieher von den Gläubigern. Bei einem Besuch auf dem Frankfurter Börsenparkett letztes Jahr, wo ein Bulle und ein Bär vor den finanzheiligen Pforten stehen, sah ich aalglatte Spekulanten mit Tränen der Fassungslosigkeit in den Augen, während sich der DAX langsam im Schlamm der Betrügerei verbuddelte. Man hoffte auf ein Wunder. Nun denn, Wunder fallen ins Ressort des Übermächtigen, man kann sie nicht mit einer physikalischen Logik erklären.

Das englische Stonehenge liegt eine halbe Autostunde von Salisbury entfernt. Dort feiern neue Heiden, alte Hippies, erlebnishungrige Städter, Touristen sowie Jugendliche aus den nahe liegenden Dörfern am 21. Juni Mittsommernacht. Der Ursprung dieser Fete rings um die 13 Sandsteinfelsen liegt allerdings gut 5000 Jahre zurück, damals sollten böse Geister, Dämonen und Krankheiten vertrieben werden. Ein paar tausend Jahre später wurde das heidnische Volksfest von der christlichen Religion adaptiert - man verlegte es kurzerhand drei Tage nach hinten, um somit an die Geburt von Johannes dem Täufer zu erinnern. Und heute wird einfach nur Party gemacht. Wie profan.

Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.

Foto: Roberto Tarallo





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