So, jetzt haben wir auch die Bundestagswahl geschafft. Endlich. Jetzt haben wir Ruhe und können uns getrost den versprochenen Steuersenkungen, dem Winter und anderen sozialen Einschnitten widmen. Nun kriegt jeder das, was er gewählt hat. Und die Nichtwähler dürfen wieder vier Jahre lang wettern und gegen alles sein.
[ruhr-guide] Nun, ich brauchte am Sonntag
nur um die Ecke, ins Kluseneck, ich orderte ein Bier und einen Wahlzettel. Da die Rechnung immer der Gast zahlt, hatte ich, im Zuge der "Pflicht" die Volksvertreter meines Vertrauens zu bestimmen, wenig Hoffnung auf eine Spesenrückerstattung, denn die ist den Parteien vorbehalten. Die gehen, salopp gesagt, mit dem Volk einen trinken und kriegen sogar was raus.Hier am Rande von Hörde, also in der Peripherie, wo das Wahllokal noch seinem Namen gerecht wird, steht die Tür der Kneipe sperrangelweit offen. Der letzte Sonntag im September zeigt sich freundlich, die Sonne scheint und lässt einem das Gefühl, der Oktober könnte golden werden. Man flaniert. Sehen und gesehen werden wie man zur Urne schreitet. Zwei Schwarze mit Anzug und Krawatte treten ein. Nein, sie wollen weder die hausgemachten Kartoffelpuffer, noch das Dortmunder Bier probieren. Kommentar von rechts: "Dürfen die überhaupt wählen?" Antwort von links: "Die Zeiten haben sich geändert." Vieles hat sich geändert, aber es ist im Bewusstsein mancher Bürger/Innen noch nicht angekommen.
"Mit unseren Zielen von effektivem Datenschutz, mehr Bürgerrechten, Transparenz und einem fairen Urheberrecht konnten wir bundesweit das tolle Ergebnis von 2 Prozent erreichen." So dankt die Piratenpartei seinen 850 000 Wähler/Innen. Folglich sind die anderen gut 61 Millionen stimmberechtigten Personen wenig bis gar nicht an diesen Themen interessiert. Der "große Lauschangriff" ist seit 11 Jahren Realität und ins Grundgesetz (Art. 13) übernommen worden. Unser amerikanische Freund "Google" hebelt gerade das Urheberrecht aus und Transparenz ist etwas, was die etablierten Politiker gerne als Tarnkappe verwenden.
Aber nun lächelt sie wieder, die Frau Bundeskanzlerin :-) was sie in den letzten Monaten selten tat, denn jede wirtschaftliche Hiobsbotschaft erhöhte die Bleigewichte, die an ihren Mundwinkeln hingen - eine ähnliche Mimik war schon Michael Schumacher beschert, wenn er seinen Bolid nicht ins Ziel, sondern in die Leitplanken fuhr :-( Internetbenutzer verwenden so genannte Smileys, da reicht schon ein Zeichen, um die veränderte Stimmungslage zu definieren. Auf die geniale Idee in E-Mails Zeichen statt Worte zu benutzen, kam im Jahre 1979 ein gewisser Kevin MacKenzie. Er setzte einfach die Fähigkeit voraus, seinen Kopf um 90 Grad nach links drehen zu können, und schon sieht dies :-) wie ein lächelndes Gesicht aus.
Allerdings ist Kevin MacKenzies Methode kein Novum, denn als wir noch gar nicht schreiben konnten, verwendeten wir bereits Symbole, vorwiegend zur Legitimation, nämlich zwei Kreuze statt Unterschrift. Und das hat sich bis heute gehalten, zumindest bei einer Wahl, da reichen ebenfalls zwei Kreuze (Erst- und Zweitstimme). Doch manchmal vertippt man sich, da wird beim Lotto aus einem Sechser ein schmaler Fünfer, oder wie bei dieser Bundestagswahl aus dem kleineren Übel das größere.
Sie wissen ja, wenn das Bier ausgetrunken ist, wird es Zeit zu gehen. Vier Pils, 4,80 Euro. Mein 5-Euro-Schein wechselt den Besitzer. Stimmt so. Ich hatte insgeheim gehofft, einer der Wahlhelfer würde die Rechnung übernehmen. Doch dann hätte ich antworten müssen: “Aber schreiben Sie das Bier bitte weder auf den Deckel der SPD, der Linke, CDU/CSU oder der FDP. Denn die einen sind in der Insolvenz, die anderen traumatisch, die Schwarzen zahlen nur aus der Portokasse und die Liberalen brauchen einen leeren Deckel - um ihre Steuerreform zu verfassen.”
Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.
Foto: Roberto Tarallo

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