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Kolumne November 2009

Noch vor dem Freitod des Fußballspielers Robert Enke beherrschte ein Thema die Presse: Das 10jährige Jubiläum der deutschen Bandidos, die am 14. November mit ca. 1400 Mitgliedern in Schwerte/Westhofen zusammen kamen und im Vorfeld wie Banditen abgeurteilt wurden.


[ruhr-guide] Was für eine bombastische Inszenierung Hartmuth Malornyum einen "Motorradclub", der sein 10jähriges Jubiläum gefeiert hat, und zwar ganz entgegen jeder Prognose, nämlich friedlich. Sogar die Nachbarschaft wurde eingeladen - und die Presse nicht, weil, wie sich ein Rocker äußerte: "Ihr eh nur Scheiße über uns schreibt." Die einseitige Berichterstattung hat eine gewisse Erwartungshaltung vorgegaukelt und Angst geschürt: "SPD drängt auf Verbot der Rockerbanden. Rocker-Polizeischutz kostet schon eine Million Euro. Bandidos: Ermittlungen gehen weiter." Darum musste sich die Polizei mit dem Thema auseinandersetzen und gab der Journaillie weiteren Stoff: "Polizei stürmt Duisburger Bandidos-Quartier" etc, etc.

Nein, meine Damen und Herren der Boulevardpresse, das war kein schöner Zug. Sie wissen doch, dass Objektivität ziemlich weit oben stehen sollte. Ich kann mir Subjektivät erlauben, ich schreibe nur eine Kolumne. Und, wie erfolgreich waren denn die Razzien und Kontrollen der "staatlichen Gewalt"? Man beschlagnahmte Baseballschläger. So ein Ding hätte ich auch im Haus, wäre ich Batter bei den Boston Red Sox. Man fand Messer der verschiedensten Art. Muss ich nun bangen, dass man den Inhalt meiner Küchenschublade konfisziert, nur weil ich gerne koche? Reizgas. Hm. Hab ich in der Jackentasche, um mich vor eventuellen Angriffen von Hooligans, Neonazis oder durchgeknallten Jugendlichen zu schützen.

Nein, liebe Leser/Innen, ich verherrliche weder Gewalt noch Sensationslust und tatsächlich wurden auch einige Pistolen und Gewehre sichergestellt, doch aus Insiderkreisen war zu erfahren, dass es sich um nicht schussfähige sogenannte Dekowaffen handelte. Der Konflikt zwischen Bandidos und Hells Angles ist Fakt, wie es eine Tatsache ist, dass beide Gruppierungen keine harmlosen Kegelbrüder sind, aber wie blöd wäre man, bewahrte man sein Waffenarsenal im Vereinsheim auf?

Da Politiker gerne reden und wenig tun, ist der Ruf nach einem Verbot das probateste Mittel um das Volk zu beruhigen, bzw. zu verdummen. In der ARD-Sendung "Monitor" wurde Dortmund als Hochburg der Neonazis bezeichnet, hübsch spektakulär und teilweise aus dem Zusammenhang gerissen, um die Quote zu sichern, und ein Verbot der NPD steht seit Jahren zur Debatte und geschehen ist nichts. Ich vermute, die Lobbyisten dieser Partei sitzen tiefer im Sattel als die Bandidos auf ihren Harleys.

Lassen wir lieber die Kirche im Dorf, denn wie hoch stehen die Chancen als Unbeteiligter von Mitgliedern einer Rockergang verletzt oder umgebracht zu werden? Falls Ihnen bereits diese Ansicht Schwierigkeiten macht, sollten Sie mal das allgemeine Betroffenheitsgefühl überdenken wenn jemand, oder Robert Enke den Suizid aus freien Stücken wählt. Der Mann war nicht dumm, höchstens depressiv, er hat sich entschieden, er hat es getan. Spekulationen helfen seinen Angehörigen nicht weiter. Laut "Tagesspiegel" tötet sich alle 47 Minuten in Deutschland eine Person selbst. "Damit gibt es mehr Suizidfälle als Tote durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen, Aids und Gewalttaten zusammen."

Am 09.11. war die erste Probefahrt des Rhein-Ruhr-Express (RRX) von Köln zur Bahnmesse Rail2009 nach Dortmund. Und wie es sich für die Deutsche Bahn gehört, traf der "Superzug", wie ihn die BILD vollmundig nannte, mit einer 20minütigen Verspätung ein. Ab Dezember werden die ersten beiden Züge auf den Linien RE 3 und RE 13 unterwegs sein. Ein Anfang, denn so schön es sich anhört, die komplette Umgestaltung des "Premium-Nahverkehrssystems" mit dem RRX dürfte noch mindestens 10 Jahre dauern, und selbst das kommentierte Verkehrsminister Lienenkämper lapidar: "Mein Wunsch ist einfach, dass er so schnell wie möglich fertig ist."

Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.

Foto: Roberto Tarallo





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