Im Essener Norden gehört die Zeche Zollverein mit seiner Schachtanlage XII, der Kokerei und den Schachtanlagen 1/2/8 zu den bedeutendsten Industriedenkmälern Europas. Im Dezember 2001 wurde die Zeche Zollverein von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklariert. Seither ist der weitläufige Industriekomplex Publikumsmagnet und Heimat für Kunst und Kultur im Ruhrgebiet.
[ruhr-guide] Das 55 Meter hohe Doppelbockfördergerüst gilt als Symbol für das gesamte Areal der Zeche Zollverein und stellt den optischen Mittelpunkt der imposanten Anlage dar. Er wird auch "Eiffelturm des Ruhrgebiets" genannt und ist damit zu einem Markenzeichen für das gesamte Ruhrgebiet geworden.
FILM DER ANTWORTEN
Peggy und Thomas Henke zeigen vom 20. April bis 26. Juni 2012 auf der Kokerei Zollverein eine filmische Installation, die sich mit den Antworten von Ordensschwestern auf existenzielle Fragen unseres Lebens auseinandersetzt.
Der „Film der Antworten“ basiert auf persönlichen Gesprächen, die Thomas Henke zwischen 2004 und 2009 mit zwölf Schwestern der Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk am Niederrhein geführt hat. Der vierstündige und als Endlosschleife montierte Film, der in der Bunkerebene der Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein eindrucksvoll inszeniert wird, betrachtet das Lebenskonzept der Ordensschwestern. Diese begreifen sich selbst und ihr Leben als Antwort in einem permanenten Dialog mit Gott. Das filmische Dokument reflektiert die komplexe Wahrnehmung seelischer Prozesse sowie innerer Anfragen und Ausrichtungen. Die Schwestern, deren Leben durch die Auseinandersetzung mit diesen existenziellen Fragen geprägt ist, bieten den Besuchern ihre im Laufe des Klosterlebens erhaltenen Antworten an. Diese Antworten beruhen jedoch nicht auf mystifizierten und romantisierten Ansichten oder dogmatischen Grundhaltungen, sondern auf der Unmittelbarkeit der individuellen Anfrage.
21. April bis zum 26. Juni 2012, 11.00 - 17.00 Uhr, Zugang über den Infopunkt Kokerei Zollverein
Eintritt: frei
Funktionalität und Ästhetik
Mitte des 19. Jahrhunderts begannen im Essener Norden im damaligen Dorf Katernberg die ersten Abteufarbeiten auf dem Gelände des Schachtes 1/2. Es befand sich in der Nähe der
Köln-Mindener Bahnstrecke, wodurch der An- und Abtransport von Materialien zur Zeche gesichert war. Die ursprüngliche Doppel-Malakow-Anlage wurde um 1930 durch die Architekten Schupp und Kremmer zusammen mit den Werksingenieuren umstrukturiert und in einer Neubaumaßnahme entstand die Schachtanlage XII. Bemerkenswert ist die technische und architektonische Komposition der hinzugefügten Gebäude, die sowohl in den bestehenden Produktionsablauf als auch von der optischen Gestaltung in den bestehenden Raum integriert wurden. So weisen die einzelnen Arbeitshallen einen schlichten kubischen Stil auf, der sich in harmonischer Verbindung von Funktionalität und Ästhetik zu einem nach den Prinzipien der Symmetrie und Geometrie stimmigen Gesamtkonzept zusammenfügen. 1932 wurde die Schachtanlage XII eröffnet. Fortan wurden hier täglich bis zu 13.000 Tonnen verwertbarer Kohle gefördert und in wirtschaftlichen Spitzenzeiten arbeiteten hier über 5.000 Bergleute.
Das Doppelfördergerüst thront über dem bis zu 1.040 Meter tiefen Schacht und weist auf die Zentralisierung aller Arbeitsabläufe hin. Neben der reinen Förderung wurde hier auch die Trennung von Kohle und Berge, die Kohlewäsche und die zum Abbau benötigte Drucklufterzeugung abgewickelt. Um das Fördergerüst gliedern sich die dafür erforderlichen Gebäude in axialer Ausrichtung.
Neue 3D-Animation im Denkmalpfad Zollverein
Das 3D-Fieber hat nun auch den Denkmalpfad der Zeche Zollverein erreicht. Erstmalig gibt es multimediale Führungen, dessen Film die bauliche Entwicklungsgeschichte von der Gründung bis zur Stilllegung vor 25 Jahren zeigt. Somit wird der Weg der Kohle von der Förderung bis zur Verladung für jeden anschaulich gezeigt. Projektionen auf die stillstehenden Maschinen verdeutlichen die Abläufe genau und wirken durch Geräusche von Siebtrommeln, Becherwerken und Setzmaschinen beseoners authentisch.
Schwarze Seite, weiße Seite
Von 1959 bis 1961 entstand die Kokerei Zollverein, die mit ihrer 600 Meter langen Koksofenbatterie und mit ihren 304 Öfen zu den modernsten Anlagen Europas zählte. Auf der sogenannten "Schwarzen Seite" produzierten täglich bis zu 1.000 Arbeiter aus 10.000 Tonnen Kohle 7500 Tonnen Koks für die Stahlindustrie. Auf der "Weißen Seite" wurden die Nebenprodukte wie Rohbenzol, Teer und Ammoniak weiterverarbeitet.
1986 wurde die Zeche stillgelegt. Die Schachtanlage XII wurde unter Denkmalschutz gestellt und vom Land NRW gekauft. Die LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW
und die Stadt Essen gründeten 1989 die Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII GmbH, die die Sanierung und neue Nutzung der Anlage plante und realisierte. Durch das Essener Architekturbüro Böll und Krabel wurde die Zeche denkmalgerecht restauriert. Der monumentale Maschinenpark blieb dabei im Originalzustand erhalten und stellt heute das "Museum Zollverein" dar.
1993 wurde auch die Kokerei Zollverein stillgelegt. Lokale Politiker und die RAG wünschten sich zunächst einen Abriss der Anlage, um sie an ein chinesisches Unternehmen zu verkaufen. Aber die 1995 gegründete Stiftung "Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur" sorgte für die Erhaltung der Kokerei als wichtiges Wahrzeichen und Zeugnis der Industriegeschichte im Ruhrgebiet.
Design- und Kulturstandort
In den 90er Jahren siedelten sich zahlreiche Institutionen, Büros und Unternehmen unterschiedlicher Größe aus den Bereichen Kunst, Kultur, Design und Neue Medien in den restaurierten Gebäuden an, so z.B. das Design Zentrum NRW in dem von Sir Norman Foster umgebauten Kesselhaus. Neben bahnbrechenden Ausstellungen von zeitgenössischem Design wird hier alljährlich der renommierte "Red Dot Award" verliehen. Zollverein wurde von 1989 bis 1999 das Leitprojekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park und beherbergte auf der Route der Industriekultur das Besucherzentrum. Das Nutzungskonzept folgt seither dem Leitbild "Kunst und Design auf Zollverein". Seit dem Sommer 2002 befindet sich im ehemaligen Salzlager auf der weißen Seite der Kokerei der "Palast der Projekte", der eine Dauerinstallation des Künstlers Ilya Kabakov zeigt. Ein weiteres Kunstprojekt ist die "Zeitgenössische Kunst und Kritik", wodurch saisonale Projekte auf der Kokerei initiiert und umgesetzt werden. Insgesamt soll die Zeche Zollverein zu einem integrierten Design- und Kulturstandort ausgebildet werden.Weiterhin hat sich auf Zollverein das Choreographische Zentrum "Pact" angesiedelt. Neben Tanzvorstellungen und Performances bietet Pact immer wieder Workshops an, wie z. B. den Hip Hop Workshop, bei dem Jugendliche in der ehemaligen Waschkaue die Grundtechniken, die Philosophie, sowie die Ursprünge unter Anleitung von Tänzern und Choreographen kennenlernen konnten. Die Zeche Zollverein bietet auch verschiedene Räume für Ihre Traumhochzeit an!
Von der Eisbahn ins Werksschwimmbad
Daneben steht beim Besuch der Zeche Zollverein aber auch der Spaß am Entdecken der weitläufigen Anlage im Vordergrund.
Ein ganz besonderes Highlight dreht im Sommer - vom 1. Mai bis zum 25. Oktober am Wochenende sowie an Feiertagen von 12-20 Uhr - seine Runden: das Sonnenrad! Erbaut zur Ausstellung "Sonne, Mond und Sterne" im Jahr 1999 ermöglicht es den Besuchern in kleinen Gondeln in die alten Öfen der Kokerei Zollverein abzutauchen. Im Winter lädt eine Eisbahn entlang der ehemaligen Kokerei zu sportlichen Aktivitäten ein. Bei einem Spaziergang durch die inzwischen romantisch zugewucherten Zeugnisse der vergangenen Industriekultur lässt sich auch das "Werksschwimmbad" auf der Kokerei Zollverein entdecken - im Sommer die wohl kultigste Badeanstalt des Ruhrgebiets! Ebenfalls ein Highlight auf dem atemberaubenden Gelände der Zeche Zollverein: das Casino Zollverein. Dieses lädt zwar nicht zum Glücksspiel ein, Geld sollte man viel mehr mitbringen, um dort in einmaligem Ambiente luxuriös zu speisen: Von der gemütlichen Kaffeepause bis zum (beinahe) Sterne-Mahl wird man hier mehr als verwöhnt.
Der Kostenbeitrag für die offenen Führungen beträgt 6 Euro pro Person, Kinder unter 12 Jahren nehmen kostenlos teil. Treffpunkt ist jeweils der Eingang der Mischanlage, Arendahls Wiese. Infos und Anmeldung unter Tel. 0231/ 93 11 22 - 33.
Besucherzentrum Zollverein
Zollverein Schacht XIIHalle 2
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
Öffnungszeiten:
01.04.-30.9. täglich 10-20 Uhr
01.10.-31.03. täglich 10-18 Uhr
Casino Zollverein
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
Tel.: 0201-830 240
info@casino-zollverein.de
Design Zentrum NRW
Red Dot Design MuseumZollverein Schacht XII
Halle 7/Kesselhaus
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
Öffnungszeiten:
Di.-So. und an Feiertagen 11.00-18.00 Uhr
(Stand: Januar 2012)

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