Nach nun mehrjähriger Bauzeit eröffnete das neue Museum Folkwang in Essen endlich seine Tore. Auf einer deutlich größeren Ausstellungsfläche als zuvor präsentiert Essens Vorzeigemuseum seine umfassende Sammlung moderner Kunst in den Bereichen Malerei und Skulpturen, Grafik, Fotografie und deutschen Plakaten. Auch finden die Besucher neben einer gut ausgestatteten Buchhandlung eine in das Museum integrierte Gastronomie. Was Karl Ernst Osthaus Anfang des letzten Jahrhunderts in Hagen begann, erstrahlt nun in einem neuen Glanz, mit dem es wenige Museen in der Welt aufnehmen können.
[ruhr-guide] Am 30. Januar 2010 eröffnete in
Essen das Museum Folkwang seine neuen Ausstellungsräume. Nach dem Umbau steht an der Bismarkstraße im Essener Stadtteil Rüttenscheid nun ein imposantes Gebäude, welches durch seine Glasfassade einen nach außen offenen Eindruck macht. Das Museum Folkwang ist seit seiner Gründung 1902 immer wieder in aller Munde gewesen: als erstes europäisches Museum, welches sich intensiv mit der Kunst der Moderne beschäftigte oder als "schönstes Museum der Welt" vor dem 2. Weltkrieg. Aber auch durch die gute Einkaufspolitik, welche es möglich machte, nach Ende des Nationalsozialismus in kürzester Zeit die Ganzheitlichkeit der Sammlung wieder zu erlangen, machte das Museum von sich reden. Dass der Neubau des Museum Folkwang ausgerechnet im Jahr 2010 seine Eröffnung feiern kann, ist eine gelungene Abrundung des Konzeptes der Kulturhauptstadt Ruhr.2010. War es doch der Gründer des Museums, Karl Ernst Osthaus, welcher sein Leben der Idee "Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel" widmete, die zum Leitthema des Kulturhauptstadtjahres wurde.
Die Geschichte des Museum Folkwang
Der Name Folkwang geht auf die altnordische Mythologie zurück. Folkvangar ist die Halle für das Volk und Palast der Göttin Freya. Ganz in diesem Sinne entwickelte Karl Ernst Osthaus (1874-1921) um 1898 die Folkwang Idee, in der es grob darum ging, einen Zugang zur Kunst und Kultur für einfache Bürger zu forcieren. Mit Hilfe eines großen Erbes seines Großvaters gelang es dem jungen Hagener ein eigenes Museum in seiner Heimatstadt zu eröffnen, durch das er "zu einer Verbesserung des öffentlichen Geschmacks beizutragen" suchte. Das damalige Museum Folkwang in Hagen war eines der ersten
europäischen Museen, welches sich mit der Kunst der Moderne und dem Kunsthandwerk beschäftigte. Nach dem Tod Osthaus' 1921 wurde die Ausstellung von kunstbegeisterten Essener Bürgern mit dem bestehenden Städtischen Kunstmuseum zum heutigen Museum Folkwang in Essen vereint. In nur wenigen Jahrzehnten erlangte das Museum für moderne Kunst bereits Weltruf.Zur Zeit des zweiten Weltkriegs wurde das Folkwang Museum Ziel nationalsozialistischer Hetzkampagnen. Infolge dessen sind mehr als 1400 Werke als "entartet" gebrandmarkt, konfisziert und zum Teil in alle Welt verkauft worden. Auch wurden große Teile des Museums während eines Bombenhagels auf Essen zerstört. Erst in den 1950er und 1960er Jahren gelang es der Stiftung, viele Werke zurück zu erlangen und das Museum Stück für Stück wieder in seine ursprüngliche Verfassung zu bringen. Bereits in den 1970er Jahren war die Sammlung umfangreicher als je zuvor.
Das Museum Folkwang vor dem Neubau
Aus dem Museum Folkwang entwickelte sich seit den 1970er Jahren eines der renommiertesten deutschen Kunstmuseen. Die Sammlungen der Malerei und Skulpturen des 19. Jahrhunderts und der Moderne wurden 1979 um eine eigene Abteilung für Fotografie erweitert. Nach mehrmaligen An- und Umbauten wurde 2006 bekannt gegeben, dass ein Neubau des Museums angedacht ist. Im März 2007 gingen aus einem Architekturwettbewerb David Chipperfield Architects als Sieger und zukünftige Architekten des neuen Museum Folkwang hervor.
Der Neubau des Museum Folkwang
Ergänzend zum denkmalgeschützten Altbau
des Museum Folkwang entstand in nur 23 Monaten ein Neubau mit einer Nutzfläche von 19.350 m² nach einem Konzept von David Chipperfield Archictects. Dieser bietet nicht nur mehr Platz für die umfangreichen Sammlungen des Museum Folkwang und Raum für mannigfaltige Wechselausstellungen, Diskussionsrunden und Vorträge, sondern wird auch ein mit Café, Restaurant und Buchhandlung ausgestattetes Zentrum der Begegnung mit der Kunst darstellen. Dieses Gebäude besticht in erster Linie durch seine Offenheit. Durch ein ausgeklügeltes, für ein Museum nahezu revolutionäres System, wird das gesamte Gebäude in erster Linie durch Tageslicht erhellt. Durch die zahlreiche Glasfassaden und Innenhöfe wirkt das ganze Museum Folkwang nahezu transparent. Seit der Eröffnung am 30.01.2010 ist der Neubau nun für alle Besucher zugäglich. Derzeit werden ausgewählte Arbeiten aus der Museums-Sammlung gezeigt.Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Öffnungszeiten Sammlung
Di bis So 10 bis 18 Uhr
Fr bis 22.30 Uhr
Mo geschlossen
Öffnungszeiten Sonderausstellungen
Di bis So 10 bis 20 Uhr
Fr bis 24.00 Uhr
Mo geschlossen
Eintrittspreise
Standard 5 €
ermäßigt 3,50 €
Familienkarte Folkwang 1* 10,50 €
Familienkarte Folkwang 2* 5,50 €
Kinder unter 6 Jahren, Mitglieder des Folkwang Museumsvereins, des Deutschen Plakat Forums und des Kunstring Folkwang frei.
*Familienkarte Folkwang 1: Zwei Erwachsene mit max. 4 Kindern von 6-18 Jahren
*Familienkarte Folkwang 2: Ein Erwachsener mit max. 4 Kindern von 6-18 Jahren
Inhaber der "Essener Familienkarte" erhalten weitere 0,50 € Rabatt auf die Familienkarten Folkwang 1 und 2 und erhalten an jedem 2. Sonntag im Monat freien Eintritt in die Wechselausstellungen.
Jeden 1. Sonntag im Monat für alle Besucher freier Eintritt in die Wechselausstellungen.
(Stand: Jan 10, Angaben ohne Gewähr)
Fotos: Folkwang Museum, Wolf Haug

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