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Kolumne Mai 2010

Wer sich quält, der wählt. Nach diesem Motto schritten die NRW-Bürger/Innen am 09. Mai zur Urne, doch es war nicht Allerheiligen sondern Muttertag und das Wetter gar akzeptabel, darum blieben gut 40% der Wahlberechtigten der politischen Mitbestimmung fern, sie kauften schnell noch Blumen an der Tanke und Mutter sagte Danke.


[ruhr-guide] Und nun? Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund Patt, würde man beim Schach sagen und ein neues Spiel beginnen. Für CDU und FDP reicht es nicht, für SPD und die Grünen auch nicht. Folglich muss Michelangelo ans Werk und Farben sortieren, die im Jargon “Ampel” oder “Jamaica” heißen, denn “Rot-Rot-Grün” geht nicht, eine Farbe für zwei Parteien wäre wie zwei Klosetts in einem Single-Haushalt, oder anders ausgedrückt, wozu zwei Kaffeemaschinen wenn niemand zu Besuch kommt?

Natürlich könnten SPD und CDU eine WG gründen, zumindest farblich, und da würde mir der 1475 in Caprese/Italien geborene Künstler zustimmen, harmonisieren Schwarz und Rot, und der damalige Papst Julius mag sich Konkubinen und jünglingshafte Pendants gehalten haben, aber es waren eben andere Zeiten und niemand redete darüber, und die Freskomalerei der Sixtinischen Kapelle war kein Politikum. Früher entschieden Päpste, Könige und Kaiser über das Unwohlsein des Volkes, zur Urne gehen bedeutete das Jenseits, und nicht ein Wahllokal. Heute ist unser Recht auf Mitbestimmung so selbstverständlich, dass wir es kaum noch wahrnehmen, in beidem Sinn.

Wie mag das Spiel ausgehen? Erklären Sie mal einer apolitischen Person “Ampel” und “Jamaika”? Bei “Ampel” denkt man unwillkürlich an den Straßenverkehr: Rot gleich Stopp, Grün gleich freie Fahrt, Gelb, Achtung. Wie soll das funktionieren? Alleine im Dortmunder Stadtgebiet regeln ca. 650 Signalanlagen den Verkehr. Und mit “Jamaica” assoziiert man doch dauernd bekiffte Rastafari, die im “Hey-Man-Singsang” durch den Düsseldorfer Landtag schlurfen, und nicht wie in Berlin, wo koksende Bundestagsabgeordnete eine Linie vom Klodeckel ziehen. Zuerst hieß es, Gespräche mit allen in Frage kommenden Parteien zu führen. Weil das ja der Wählerauftrag sei. Neuwahlen wären ebenfalls keine schlechte Idee, die kann man solange durchführen, bis sich nur noch ein paar Rentner dazu bereit erklären und die Piratenpartei wählen, dann, also bei einer Wahlbeteiligung von 0,9 Prozentpunkten, wäre die Lage klar und übersichtlich.

Frau Hannelore Kraft, die übrigens nichts mit der “Ketchup-Corporation” zu tun hat, obwohl die SPD “rot” ist, sowie Herr Rütgers, der nie im Leben von Wirtschaftsbossen Geld für persönliche Sondierungsgespräche nahm, beanspruchen beide den Ministerposten, um das Land NRW “zukunftsorientiert” zu steuern. Knackpunkt ist die Bildungspolitik. Seit der ersten Pisa-Studie nichts neues. Warum diese Bildungsstudie den Namen “Pisa” trägt, ist mir ein Geheimnis, vielleicht wegen dem Piazza dei Miracoli (Platz der Wunder)? Auf jeden Fall möchte Frau Kraft das ändern und Herr Rüttgers arbeitet seit 16 Jahren daran - zuerst von 1994 bis 1998 als Bundesminister für Bildung etc., und seit 2005 als NRW-Landesvater.

Immerhin, so dumm sind die deutschen Politiker gar nicht, den diesjährigen Eurovision Song Contest gewann Lena. Während wir von den 60-ern bis in die 90-er Jahre unsere Schlagersterne ins Rennen schickten, die mittelmäßige Punkte machten, begann der musikalische Verfall mit Guildo Horn, dem “Frisör”, dem eine Frisur fehlte, und dem “Metzger” Stefan Raab, der dieses unaussprechliche Lied sang: "Wadde hadde dudde da". Als wir uns endlich wieder auf Qualität besannen, war unser Ruf längst ruiniert, da konnten Michelle (Platz 8), Corinna May (Platz 21) und Roger Cicero (Platz 19) nichts mehr rausreißen. Selbst die No Angels landeten beinahe im Keller. Doch mich dünkt, da ist ein Politikum im Spiel. Schließlich hat man in Berlin ein Gesetz im Eilverfahren abgeschlossen, das knapp 150 Milliarden Euro in der Eurozone verteilt, angeblich um ihn zu stützen. Durften wir dafür die Pay-back-Punkte einlösen?

Hartmuth Malorny, Buchautor aus Dortmund, schreibt regelmäßig auf ruhr-guide.de aus und über seine Heimatstadt.

Foto: Roberto Tarallo





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