Weiß - so weit das Auge reicht: Die Veltins-Arena in Gelsenkirchen wurde am 16. Juli Schauplatz des "World's leading Dance Event". Bei dieser Deutschlandpremiere der einmaligen Partyreihe aus den Niederlanden mussten sich die Besucher nicht nur komplett in Weiß ausstaffieren, sie durften sich auch auf ein DJ-Line-Up freuen, das seinesgleichen suchte. Neben internationalen TOP-DJs gab es eine berauschende Inszenierung aus Licht und Sound.
[ruhr-guide] "Ganz in weiß…" sang Roy Black 1965. Doch damit hatte der Mega-Event in der Veltins-Arena nichts zu tun. Es war auch keine Werbeveranstaltung für das neueste
Zahnpflegemittel. Pünktlich zum Einlass um 20 Uhr strömten die Menschenmassen zu den Toren der Arena. Und dieser Anblick war schon ein wenig ungewöhnlich, waren die Partypeople tatsächlich alle in Weiß erschienen. So wurde die Verabredung zum Glücksspiel und den Spruch "Du findest mich ganz leicht, ich habe weiße Klamotten an!" hörte man öfter. Von der soeben noch in einer skandinavischen Kette erstandenen Leinenhose über das selbst genähte Outfit bis zum edlen Zwirn waren alle Facetten weißer Kleidung und Accessoires vertreten. Nach einer strengen Eingangskontrolle ging es schnell ins Innere des Tanztempels, und hier verschlug es selbst dem erfahrenen Raver die Sprache. Organische Gebilde schwebten wie Quallen inmitten der Arena, darunter Podeste mit Lichtsäulen, Discokugeln und hohen Boxen. In der Mitte stieg ein riesiges pilzartiges Objekt in den Himmel: das DJ-Pult. Noch schien das Sonnenlicht durch das bereits
geschlossene Dach und strahlte die verschiedenen natürlich in Weiß verkleideten Bereiche an. Schon hier wurde der Größenwahn der Sensation White erkennbar. Schnell füllte sich die Halle und ungeduldig wartete man auf den Beginn des Spektakels, das zum ersten Mal in Deutschland stattfand. Zeit sich umzuschauen: Am Fuße der Tribünen waren verschiedene Bars aufgebaut, die alle Wünsche der Tanzmeute erfüllen konnten. Ein großer Merchandise-Stand mit den Devotionalien wie T-Shirts oder Jacken war schnell belagert. Auf den Tribünen waren kleine Tanzpodeste errichtet worden, die nur über provisorische Leitern erreicht werden konnten. In der privilegierten Deluxe Area hoch über dem Geschehen machte man es sich gemütlich. Und dann kam der Sound.
Wie aus dem Nichts standen The Disco Boys aus Hamburg auf dem sich permanent drehenden DJ-Pult und eröffneten die Sensation White in Gelsenkirchen. Stilecht mit gewagten Seitenscheiteln und weißen Anzügen heizten die beiden DJs den Gästen ein. Als Opener waren sie die beste Besetzung mit ihrem erprobten Mix aus Disco Sound und aktueller
Housemusik. Wer sich jetzt schon auf dem Main Floor befand, tanzte bereits zu dem wunderbaren Sound, der aus 10.000 Lautsprechern für ein wahres Klangerlebnis jenseits von Fußballgesängen in der Arena sorgte. Mit ihrer Version des U2 Songs "City of Blinding Lights" ernteten die Disco Boys ersten tosenden Applaus. Und die Begeisterung hielt an, denn die ersten Lichteffekte zeigten eine Vorschau auf das, was noch zu erwarten war. Blaues Scheinwerferlicht glitt durch die Menge und helles Blitzlicht erhellte wiederum den riesigen Innenraum der Arena. Alles strahlte hell und kühl. Und alle tanzten.
Dann Dunkelheit. Auf den zahlreichen Leinwänden und Bildschirmen erschien eine animierte weibliche Menschmaschine. Sie begrüßte die Besucher und erklärte mit dem Kapitel "The Beginning" die Party für eröffnet. Bombast war hier das Motto. Pyroeffekte, Explosionen und Blitzlichtgewitter kündigten Moguai an. Nach einer überstandenen
Grippe war der Recklinghäuser DJ sichtlich gut gelaunt nach Gelsenkirchen gekommen, um ein solides Tech-House- und Trancefeuerwerk auf die weiße Tanzmasse niedergehen zu lassen. Zu Blurs "Song 2" und ekstatischen Schreien der Meute setzte sich eine Kolonne aus verrückten Walking Acts und Stelzenläufern in Bewegung und sorgte für Staunen. Die schwebenden Gebilde erstrahlten in warmen Rottönen und brachten den gesamten Dancefloor zum Glühen. Das nächste Kapitel der ersten deutschen Sensation White handelte von "The Nature of humanity" und wieder veränderte sich die Lichtinszenierung. An den unterschiedlichsten Stellen traten außergewöhnliche Tänzer an, dem Thema eine Darstellung zu verleihen – den Soundtrack dazu lieferte Erick Morillo. Der in New York geborene DJ und Produzent hatte die Arena vom ersten Ton unter seiner Kontrolle. Klassischer House und stampfende Beats gepaart mit harten Gitarrenklängen von z.B. The Prodigy verwandelten die Arena in einen wahren Hexenkessel. Der beeindruckende Morillo-Mix steigerte die Stimmung
weiter und rockte den Tanztempel. Visuell wurde das Set von akrobatischen Darstellungen in Wassersäulen und Tanzeinlagen nach indianischen Stammeskünsten untermalt. Erste, noch spärlich eingesetzte Laserstrahlen durchfluteten die Arena und sorgten zusammen mit den Videoeffekten auf den Leinwänden für ein Multimediaerlebnis.
Weit nach Mitternacht wurde der Main Floor wieder in Dunkelheit gehüllt. Langsam bauten sich aus verschiedenen Ecken gewaltige Netze aus grünen Laserstrahlen auf. Sie lagerten zunächst hoch über den Köpfen der Tanzwütigen, um dann bedrohlich abzusinken und das allgegenwärtige Weiß als Projektionsfläche zu nutzen. Eine mächtige Explosion kündigte das nächste Kapitel der Sensation White an: "The Past". Eine halbe Stunde lang sorgten nun Techno-Highlights aus den Anfängen dieses oft totgesagten Kultes für großen Spaß. Ob zu "Pump up the Jam" von Technotronic oder "Outta Space" von wieder mal The Prodigy erlebte die Sensation White ihren ersten Höhepunkt. Die bisweilen von weit her angereiste
Partyszene feierte sich selbst und ihr Überleben. Anhaltendes begeistertes Jubeln und Kreischen, 15.000 Tänzer außer Rand und Band: Doch irgendwie schienen alle nur auf den Einen zu warten.
Die Stimmung auf dem Siedepunkt, das Kapitel "The Pioneer" wurde mit einem grandiosen Indoor-Feuerwerk aufgeschlagen. Unzählige Arme wurden in die Höhe gerissen und schon wummerte der unvergleichliche Sound von Carl Cox in den Raum. Techno at its best! Begeistert von der Stimmung winkte der DJ von seiner Kanzel in die Menge und applaudierte ihr. Der mächtige Mann aus Manchester zog seine Show wie immer begeistert durch und arbeitete sehr hart an den Plattentellern zum Tanzvergnügen aller. Hämmernde Beats und Gänsehaut verursachende Harmonien stellten mal wieder unter Beweis, dass hier der beste DJ der Welt auflegte. Schräge Rhythmen und Stilüberlagerungen rundeten das eineinhalbstündige Set ab und ließen die Fans ausrasten. Doch hatte sich Mr. Cox im Backstage-Bereich nicht den Auftritt von Mr. Moguai angeschaut, oder wenigstens angehört? Noch einmal und nicht minder erfolgreich,
eher noch innovativer, spielte Carl Cox seine Idee von Blurs "Song 2", ebenfalls begleitet durch das ohrenbetäubende "Huuhu" von den begeisterten Technoanhängern.
Und weil nach Carl Cox kein Gras mehr wächst, musste das Programm noch einmal gesteigert werden. Ein weiteres Kapitel wurde aufgeschlagen, dessen Thema "The One" lautete und mit Sven Väth den Godfather of Techno meinte. Im sommerlich legeren Outfit und mit langen zurückgekämmten Haaren brachte er Ibizafeeling nach Gelsenkirchen. Sein Set begann Sven Väth mit klar strukturierten Elektroklängen, um dann sich überlagernde Soundbilder in den Raum zu stellen. Auf dem immer wieder hell erleuchteten und anschließend beinahe nachtschwarzen Main Floor schäumte die Begeisterung über. Auf dem Höhepunkt seines Auftritts reduzierte der Meister dann aber das Tempo und spielte ruhige Ambientsounds. Damit verwandelte er die Sensation White beinahe in einen meditativen Ort und gönnte den wohl schon etwas erschöpften Tänzern eine Phase der Erholung.
Draußen war es schon lange hell, als sich Sven Väth verabschiedete und dem letzten Act der Nacht die Turntable übergab.
Um halb sechs wurde das letzte Kapitel der Sensation White aufgeschlagen und nach über acht Stunden Tanzmarathon war man in "The Future" angekommen. Dass diese ausgerechnet von dem holländischen DJ Armin van Buuren personifiziert wurde, verwunderte zunächst. Seine gefälligen Sounds und harten Akkorde erinnerten vielmehr an die Vergangenheit der Technokultur. Dennoch verstand er es durch den Einsatz von abstrakten Tranceflächen, den Bogen gekonnt in die Gegenwart zu überführen und so den Weg in die Zukunft zu ebnen. So konnte Armin Van Buuren noch einmal die letzten Reserven der Sensation-Gäste mobilisieren, um mit ihnen zusammen das Finale des außergewöhnlichen Events zu feiern. Dass hierbei die Lautstärke noch einmal erheblich aufgedreht wurde, ließ nur wenige Nachtschwärmer das Weite suchen.
Deutschland hatte also seine erste Sensation White erlebt und eine riesengroße Party gefeiert. Die Wahl der Veltins-Arena als Location hätte optimaler nicht sein können. Die Ausmaße und Ausstattung der beeindruckenden Sportarena boten alle Annehmlichkeiten für einen Megarave. Über 1.200 Mitarbeiter sorgten die ganze Nacht lang für den reibungslosen Ablauf des einzigartigen Events
und auch Rudi Assauer, Geschäftsführer der Veltins-Arena, war stolz, Gastgeber dieses außergewöhnlichen Events zu sein: "Es ist eine tolle Sache, dass wir die Ersten in Deutschland sind, die so etwas auf die Beine stellen." Neben der obligatorischen Mayday wurde bewiesen, dass es im Pott immer noch mächtig brodelt und dass Techno längst nicht tot ist. Auch wenn sich der eine oder andere Sensation White-Fan am Tag danach nicht unbedingt quicklebendig gefühlt hat.
SENSATION WHITE
16. Juli 2005, 21.00 bis 7.00 UhrVELTINS-ARENA
45891 Gelsenkirchen(sl)

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