Der Versuch, einen Kult wieder zu beleben: die Planet-Revival-Party im Rahmen von Bochum-Total. Eine wahrlich heiße Partynacht. Im wahrsten Sinne des Wortes…
[ruhr-guide] Das
Planet. Einst nach dem guten alten Logo das Clubaushängeschild der Stadt. Sowohl als Alternativ-Club als auch als Feiertempel der Technokarawane hatte sich das Planet in Bochum bundesweit einen Namen gemacht und gehörte zu den renommiertesten deutschen Gitarrenclubs. Dann plötzlich, am 31.12.2000, das endgültige Ende. Aus den Boxen klang noch einmal "Für immer Punk" von den Goldenen Zitronen, dann war es vorbei. Eine Ära ging zu Ende. Es folgten einige Besitzerwechsel, bis dann das Planet im Frühjahr 2005 als Chartsdisco wiedereröffnete und für Motto-Partys gerne untervermietet wird.
Die Chance also, im Rahmen von Bochum Total noch einmal die alten Planet-Zeiten wiederaufleben, anständige Gitarrenmusik durch die ehrwürdigen Gewölbe dröhnen zu lassen und den unsäglichen Geist der Mainstreamjünger auszutreiben. Im großen Club standen dann auch wieder Christian Vorbau und Michael Kühn – sonst mit Ihrem Headless-Set in der Region unterwegs – an den Turntables und ließen es richtig krachen. Ob Biohazard, Pixies, Dead Kennedys oder John Peels Lieblingsband, die Undertones, hier konnte man endlich wieder zu den guten alten Planet-Klassikern rocken. Und die in Clubs eher weniger zu hörende Agnostic Front verwandelte mit ihrem "Gotta Go" die Tanzfläche dann auch in einen pogenden Hexenkessel. Das Publikum war gemischt, jedoch weniger freakig als zu früheren Zeiten. Aber der Sound kam definitiv an: Auf der Tanzfläche bekam man selbst um 5 Uhr noch kaum ein Bein auf den Grund. Im kleinen Club ersetzten übrigens die nicht weniger guten Cuts for Cats DJs die früheren Funkaddicted People und ließen zu Hip-Hop und Funk auch dort die Tanzfläche überlaufen.
Musikalisch war die Party also ein absoluter Erfolg, der Laden war voll - auch wenn man wenig alte Gesichter sah - und die Stimmung eigentlich gut. Eigentlich. Denn so schön eine heiße Partynacht ja ist, man sollte es doch nicht zu wörtlich nehmen!
Kaum vor dem Eingang angekommen, prallte man gegen eine Wand aus heißer Luft, Direktimport aus den Tiefen der Hölle - die ersten Brillen beschlugen schon zwei Meter vor der Tür. Und das Schöne: drinnen wurde es noch heißer! War das Planet schon früher für sein subtropisches Klima bekannt, scheinen die letzten 5 Jahre nicht spurlos an der Klimaanlage vorbeigegangen zu sein. Aber was soll's, man kann die Hitze ja mit coolen Drinks bekämpfen. Dachte man zumindest. Leider waren aber weder die Longdrinks noch das Bier wirklich kühl. Hinzu kamen unendliche Wartezeiten an den Theken, hervorgerufen durch das völlig überforderte Thekenpersonal, das in seiner Not zu Übersprungshandlungen neigte: So wurde hier wie wild immer wieder ein Fleck auf der Theke weggeputzt während dort akribisch Cola-Reste von einer in die andere Flasche – und zurück? – geschüttet wurden. Man sah dem Personal deutlich an, dass hier gerade weder ihre gewohnte Musik lief noch dass ihnen das Publikum gefiel – manch einer hat sich wohl wieder an den Ballermann zurück gewünscht.
Aber nicht
verzagen, auf ins alte Milliways, die Coktailbar im Ersten. Endlich: Hier war auf den ersten Blick alles wie immer, nur der alte Coktailmixer Kai stand nicht mehr hinter dem Tresen, sonst schien hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Dachte man zumindest, bis der hier ausnahmsweise sehr nette Barkeeper zu seinem Verdruss mitteilen musste, dass heute leider keine Cocktails im Angebot sind. Und ja, der Sekt sei nicht nur unten ausgegangen, bekam die Frau neben uns zu hören. Billigen Wodka gab es zwar inzwischen nach einigen Tankstellenbesuchen wieder, allerdings kein Eis. Und da die Flaschen keine Zeit hatten, zuvor den Kühlschrank aufzusuchen und man das Gefühl hatte, sich gerade flüssiges Blei in die Kehle zu schütten, blieb nur noch der Spurt nach unten und das Abklappern aller anderen Bars. Mit dem niederschmetternden Ergebnis: Im ganzen Planeten existierte zu fortgeschrittener Stunde nicht ein einziger Eiswürfel mehr!
Das Fazit dieses Abends ist somit ein sehr zwiespältiges: auf der einen Seite wurde in Bochum endlich mal wieder richtig gerockt und die Musikauswahl der Herren Vorbau und Kuehn war grandios. Auch hat das Planet von den Räumlichkeiten immer noch einen hohen Kultfaktor und die Party hat an sich Spaß gemacht. Auf der anderen Seite war der Thekenservice miserabel und die Klimaanlage müsste dringend ins Museum. Wie wäre es also, Herr Vorbau: Laden übernehmen, Personal wechseln, Klimaanlage austauschen und das Planet wieder zur alten Größe führen? Nicht? Schade, Bochum könnte dringend wieder einen Alternativ-Club gebrauchen…
(pk)

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