Das Ruhrgebiet und der Umweltschutz – Maßnahmen und Erfolge

„Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden“ – so lautete im Jahr 1961 die Forderung von Willy Brandt, die Teil seines damaligen Wahlprogrammes war. Brandt, zu der Zeit Berlins regierender Bürgermeister, trat bei der Bundestagswahl 1961 gegen Konrad Adenauer an – und verlor die Wahl. Erst 1969 erhielt er das Bundeskanzleramt. Doch seine Forderung nach Umweltschutz im Ruhrgebiet sollte dennoch wahr werden. Inzwischen ist der Himmel über dem Ruhrgebiet tatsächlich wieder blau, was den vielen Projekten und Maßnahmen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz zu verdanken ist.

Das Ruhrgebiet und der Umweltschutz, Foto: Fotolia.com © Claudia Paul

Das Ruhrgebiet – die einst dreckigste Region Deutschlands

Kohleabbau, Eisenhütten und dichter Smog – das waren lange Zeit die typischen Stichworte, die jedem einfielen, der an das Ruhrgebiet dachte. Nicht umsonst galt das Ruhrgebiet bis vor 30 Jahren noch als dreckigste Region Deutschlands.

Die Ausgangslage

Vor der Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts spielte das Ruhrgebiet für die deutsche Wirtschaft und Bevölkerung kaum eine Rolle. Das Land war flach und sumpfig und es gab nur wenige Dörfer dort, wo später das Ruhrgebiet entstehen sollte. Auch die wenigen Kleinzechen und Eisenhütten waren nahezu unbedeutend. Ab dem 16. Jahrhundert konnte man die Kohlevorkommen nicht nur per Seilzug abgraben, wie es bereits seit dem Mittelalter praktiziert wurde, sondern nun auch waagerecht die Flöze an den Hängen des Ruhrtals bearbeiten.

Die Schiffbarmachung der Ruhr und die Entwicklung der Dampfmaschine legten die Grundsteine für die Industrialisierung – und damit für einen rasanten Anstieg des Kohlebedarfs. Genauso rasant vergrößerte sich das Ruhrgebiet. Rund 70 Jahre lang wuchsen die chemische Industrie und die Schwerindustrie fast ununterbrochen, was sie der Ruhrkohle zu verdanken hatten. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es immer mehr Großbetriebe, Konzerne bildeten sich. Um den gestiegenen Anforderungen der Industrie gerecht zu werden, wurde immer tiefer und immer effizienter nach den wichtigen Rohstoffen gegraben. Auch der Bedarf an Arbeitern wurde in der Region damit größer. So kam es, dass bis zum Ersten Weltkrieg rund eine halbe Million Menschen in das Ruhrgebiet zog – aus anderen Städten Deutschlands, aber auch aus anderen Ländern, unter anderem Polen, Türkei und Italien. Damit stieg die Bevölkerungszahl in kürzester Zeit explosionsartig an.

Große Belastung für Umwelt und Gesundheit, Foto: Fotolia.com © StudioLMagica

Große Belastung für Umwelt und Gesundheit

Zur Bearbeitung der Kohle brauchte man viel Wasser, weswegen man zusätzliche Talsperren errichtete. Außerdem wurden Transportwege für den Export von Warengütern benötigt. Das war sehr schädlich für Umwelt und Klima. Aufgrund seiner massenhaften Kohle- und Stahlindustrie hatte das Ruhrgebiet, der noch heute größte Ballungsraum Deutschlands, außerdem lange mit der stetig wachsenden Belastung durch die Luftverschmutzung zu kämpfen. So machten sich nach und nach die Schattenseiten der Industrialisierung bemerkbar. 8,6 Kilogramm Staub pro Tonne Roheisen und vier Millionen Tonnen Schwefeldioxid gelangten durch die Anlagen jedes Jahr in die Luft. Somit wurde der Dreck in der Luft immer deutlicher sichtbar – über dem Ruhrgebiet hingen jahrelang schwere Wolken aus Schadstoffen und Staub, sodass man zeitweise nicht mehr als fünf Meter weit schauen konnte.

Die Luft im Ruhrgebiet war lange Zeit derart verschmutzt, dass die Bevölkerung in dieser Region überproportional oft an Erkrankungen der Atemwege litt. Dazu kamen deutlich höhere Raten bei Leukämie und Krebs sowie Veränderungen des Blutbildes. Neugeborene waren im Ruhrgebiet vergleichsweise kleiner und leichter als anderswo in Deutschland und die dicht befahrenen Straßen im Ruhrgebiet machten die Situation nicht besser. Das alles führte sogar so weit, dass die Mietpreise aufgrund des gesundheitlichen Risikos stark gesenkt wurden.

Auch in der Natur machten sich gravierende Veränderungen bemerkbar: Die hohe Schwefeldioxidkonzentration hatte eine Versauerung von Böden und Gewässern sowie das Absterben vieler Bäume und Sträucher zur Folge. Bäume erreichten im Ruhrgebiet nicht die Wuchshöhen wie in anderen Gebieten. Die Kiefer, die etwa 20 Meter hoch werden kann, wurde hier nicht höher als sieben Meter, also nicht einmal halb so hoch. So ging man im Ruhrgebiet dazu über, Pflanzen anzusiedeln, die aufgrund ihrer Beschaffenheit resistenter gegen die Schadstoffe waren. Man nannte sie „industriefest“.

Als der Umweltschutz ins Ruhrgebiet einzog

Je nach Wetterlage konnte man im Ruhrgebiet nur wenige Meter weit sehen, so schwarz hing die Luft voll mit Asche, Staub und Schwefeldioxid. Damals bedeutete Umweltschutz noch, die Schornsteine der Anlagen höher zu bauen – was das Grundproblem weder behob noch in sonst irgendeiner Weise positive Effekte erzielte. Doch Willy Brandt war seiner Zeit voraus, er sprach schon von „richtigem“ Umweltschutz, bevor es den Begriff als solchen überhaupt gab. Brandt forderte im Zuge seines Wahlprogramms im Jahr 1961 einen blauen Himmel über dem Ruhrgebiet. Er versprach der dort lebenden Bevölkerung reine Luft, reines Wasser und weniger Lärm. Damit brachte er einen Stein ins Rollen, der den Umweltschutz zum politischen Thema für ganz Deutschland machte.

Kohleförderung und Stahlindustrie, Foto: Fotolia.com © Paul Stock

Von Kohleförderung und Stahlindustrie zu neuen Zielen

Und so machte Nordrhein-Westfalen 1962 mit dem ersten Immissionsschutzgesetz (auch: Gesetz zum Schutze vor Luftverunreinigungen, Geräuschen und Erschütterungen) einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Im Jahr 1974 folgte dann mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz das erste Gesetz dieser Art auf Bundesebene, dem noch einige weitere Gesetze folgen sollten. Darunter sind das Benzin-Blei-Gesetz und einige Verwaltungsvorschriften wie die Technische Anleitung Luft und die Großfeuerungsanlagen-Verordnung. Dennoch musste das Ruhrgebiet im Kampf gegen die Luftverschmutzung immer wieder Rückschläge einstecken.

Aber die Mühe hat sich gelohnt: Die Fabriken bauten Filter ein, damit weniger Schwefel in die Luft gelangt, außerdem wurde der Schwefelgehalt in Kraftstoffen gesenkt. In Privathaushalten gab es immer weniger Kohleheizungen. Und das zeigte Wirkung: die Luft wurde bundesweit deutlich besser und die Schwefeldioxid-Konzentration sank rapide ab. Besonders stark waren die Effekte im Ruhrgebiet zu spüren. Während das Baumsterben immer weniger wurde, wurden immer mehr Zechen und Eisenhütten dicht gemacht.

Die Umweltzone Ruhrgebiet, Foto: Fotolia.com © philipk76

Die Umweltzone Ruhrgebiet

Der starke Rückgang der Kohle- und Stahlindustrie war zusammen mit den bundesweiten Gesetzgebungen der Beginn für eine saubere Luft im Ruhrgebiet und in ganz Deutschland. Die hohe Konzentration an Schwefeldioxid, Staub und Asche überdeckte bis zu ihrer starken Reduzierung allerdings ein anderes Umwelt- und Gesundheitsproblem: den Feinstaub. In den Ballungsgebieten Deutschlands wurden die Höchstwerte für Feinstaub teils stark überschritten, in manchen Regionen ist das auch heute noch ein großes Problem.

Die Höchstwerte wurden in Europa erstmals 1980 festgelegt, was in Deutschland im 22. Bundes-Immissionsschutzgesetz umgesetzt wurde. Seitdem werden die Höchstwerte für Belastungen, die für den täglichen Feinstaubausstoß und den Jahresdurchschnitt gelten, immer wieder angepasst. Seit 2010 gibt es auch Höchstwerte für Stickstoffdioxid. Für die Gesundheit der Bevölkerung bedeutet eine zu starke Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid ein gesundheitliches Risiko. Die Folge: Eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion sowie ein erhöhtes Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umso wichtiger ist es, dagegen anzugehen und die Belastungen durch Feinstaub und Stickstoffdioxid so gering wie möglich zu halten.

Umweltplakette im Ruhrgebiet

Im Jahr 2008 wurde in Deutschland die Umweltplakette, auch Feinstaubplakette genannt, eingeführt und mit ihr die ersten Umweltzonen in den Ballungsgebieten. Zu den Vorreitern zählen Baden-Württemberg mit Mannheim, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart und Tübingen. Auch Bayern (München), Berlin, Hessen (Frankfurt a.M.) und Nordrhein-Westfalen (Köln) waren schon 2008 mit dabei. Seitdem folgten immer mehr Umweltzonen in den Ballungsgebieten. An dem 1. Januar 2012 ist auch das Ruhrgebiet zur Umweltzone erklärt worden. Sie soll dauerhaft bestehen und damit langfristig gegen zu viele Abgase und zu hohe Schadstoff-Emissionen angehen. Die Plaketten-Pflicht besteht im Ruhrgebiet für LKW der Klasse N1, N2 und N3, für Busse der Klasse M2 und M3, für Wohnmobile (M1) sowie PKW. In der Umweltzone dürfen ausschließlich Fahrzeuge mit einer grünen Umweltplakette (Gruppe 4) fahren. Tatsächlich ist inzwischen nur noch in Neu-Ulm das Fahren mit einer gelben Plakette erlaubt. In allen anderen Umweltzonen gilt ausschließlich die grüne Plakette.

Schadstoffklassen der Umweltplakette, Foto: Fotolia.com © morgem

Schadstoffklassen der Umweltplakette

Es gibt insgesamt vier Schadstoffklassen, nach denen Fahrzeuge eingeteilt werden. Jedes Fahrzeug erhält je nach Schadstoffklasse keine oder eine Plakette in einer bestimmten Farbe mit der entsprechenden Zahl.

- Schadstoffklasse 1: keine Plakette (Dieselfahrzeuge mit zu hoher Schadstoff-Emission, Benzinfahrzeuge ohne geregelten Katalysator)

- Schadstoffklasse 2: rote Plakette (alte Dieselfahrzeuge)

- Schadstoffklasse 3: gelbe Plakette (nur Dieselfahrzeuge)

- Schadstoffklasse 4: grüne Plakette (Fahrzeuge mit einer sehr geringen Schadstoff-Emission)

Die Ermittlung einer Schadstoffklasse erfolgt über die Emissionsmengen an Schadstoffen, die ein Fahrzeug ausstößt. Zunächst wird unterschieden, ob sich diese Emissionen innerhalb des Grenzwertes oder darüber bewegen. Liegt der Wert über der Grenze, erhält das Fahrzeug keine Plakette, andernfalls wird es je nach Fahrzeugtyp (PKW, LKW, Bus), Verbrennungsmotor (Diesel- oder Ottomotor) und Grad der Emission der Schadstoffklasse 2, 3 oder 4 zugeordnet. Die Klassifizierung hat Auswirkungen auf weitere Kriterien wie etwa die Höhe der Kfz-Steuer und darauf, ob das entsprechende Fahrzeug in einer Umweltzone fahren darf oder nicht.

Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz

Nicht erst seit der Einführung der Umweltzone hat sich das Ruhrgebiet dem Umwelt- und Klimaschutz verschrieben. Die meisten Städte mit zu hoher Schadstoffbelastung waren bereits 2008 Umweltzonen, im Jahr 2012 wurden sie zu einer neuen, großen zusammengefasst, vier weitere Städte kamen dazu. Und auch sonst ist das Ruhrgebiet in vielerlei Hinsicht aktiv, was den Umwelt- und Klimaschutz betrifft.

Erneuerbare Energien

Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat 2016 gemeinsam mit den Kommunen ein Klimaschutzkonzept entwickelt. Bei diesem Konzept geht es darum, die Potenziale für den Einsatz erneuerbarer Energien im Ruhrgebiet zu ermitteln – vor allem Windkraft, Sonnen- und Wasserenergie. Das erfolgt mit EnergyFIS. Dabei handelt es sich um ein geodatenbasiertes Fachinformationssystem, mit dem Städte und Kommunen die Flächen ausmachen können, die sich als Träger erneuerbarer Energien anbieten.

Grundsätzlich eignen sich ländliche Kommunen wie die Kommunen im Kreis Recklinghausen wegen ihrer geringen Verdichtung vor allem für den Windenergieausbau. Dagegen haben die dicht besiedelten Großstädte im Ruhrgebiet ein größeres Potenzial für Solaranlagen (Photovoltaik und Solarthermie) auf den Hausdächern. Oberflächennahe Geothermie wäre möglich, aber kaum umsetzbar. Für Wasserkraft bestehen geringe Potenziale in der Ruhr im südlichen Ruhrgebiet. Anhand von Befliegungsdaten von Nordrhein-Westfalen hat der Regionalverbund Ruhr außerdem ein Solardachkataster aufgestellt. Dieses Kataster gibt Auskunft darüber, für welche Haushalte der Städte und Kommunen die Installation eines Solardaches sinnvoll ist. Über solche Solaranlagen wird das Licht der Sonne als Energielieferant für Strom und Wärme genutzt.

Förderung von Radwegen, Foto: Fotolia.com © Olaf Schulz

Förderung von Radwegen

Im Ruhrgebiet setzt man immer stärker auf gut ausgebaute Radwege, sodass das Fahrradfahren eine attraktive Alternative zum Autofahren darstellt. Je mehr Menschen das Rad anstelle des Autos benutzen, umso mehr bleibt die Luft über dem Ruhrgebiet von Autoabgasen verschont. Ein Langzeitprojekt ist der Radschnellweg RS1, der das Ruhrgebiet mit einer ca. 100 Kilometer langen Trasse verbinden soll. Abschnitt für Abschnitt wird der Radschnellweg fertiggestellt, zuletzt im November 2015. Dieser Teil verläuft von der Brücke Reuterstraße in Essen bis zum Hauptbahnhof in Mülheim. Insgesamt soll der Radschnellweg von Hamm über verschiedene Stationen nach Duisburg führen. Mithilfe des RS1 wird es Radfahrern ermöglicht, in recht kurzer Zeit an ihrem Wunschziel anzukommen, dabei die Landschaft genießen zu können sowie etwas für die eigene Gesundheit und die Umwelt zu tun. Gleichzeitig entspannt sich die Situation auf den Straßen, wenn weniger Menschen mit dem Auto fahren.

Upcycling-Festival

Ein Punkt in Sachen Umwelt- und Klimaschutz ist die Nachhaltigkeit. Das bedeutet, schonender mit Ressourcen umzugehen, die immer knapper werden, und den Konsum zukunftsorientiert zu gestalten. Zu einer nachhaltigen Lebensweise gehört es auch, weniger Abfall zu produzieren. Müll und andere Dinge, die manch einer wegwerfen würde, lassen sich oftmals wiederverwenden und daraus etwas Neues machen. Mit ein bisschen Geschick und Kreativität werden daraus wieder brauchbare Gebrauchsgegenstände oder Design-Elemente. Dazu wird jedes Jahr im November das Upcycling-Festival „Trash up!“ in Dortmund veranstaltet. Dort lernen die Besucher jeden Alters in zahlreichen Workshops, wie Upcycling geht.

Das tun die Städte und Gemeinden

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen haben die einzelnen Städte und Kommunen des Ruhrgebietes in Sachen Umwelt- und Klimaschutz eigene Programme ins Leben gerufen und sich Ziele gesetzt.

Essen

Schon seit 1993 ist die Stadt Essen Mitglied des Klimabündnisses „Alianza del Clima e.V.“. Dieses Bündnis ist ein Zusammenschluss europäischer Städte und Gemeinden, die eine Partnerschaft mit indigenen Völkern der Regenwälder pflegen. Das Ziel ist ein aktiver und wirksamer Klimaschutz auf lokaler Ebene. Daher verpflichten sich die Mitglieder des Bündnisses dazu, die Emissionen von Treibhausgasen alle fünf Jahre um zehn Prozent zu reduzieren und die Pro-Kopf-Emissionen bis 2030 zu halbieren (im Vergleich zu 1990). Dazu bemühen sich die Bündnis-Mitglieder um Energieeinsparung, mehr Energieeffizienz und um die Nutzung erneuerbarer Energien. Außerdem hat es sich die Stadt Essen selbst zum Ziel gesetzt, die energiepolitischen Vorgaben der EU bis 2020 noch zu übertreffen. Dafür wurde ein Aktionsplan für nachhaltige Energie eingereicht, in dem alle geplanten Aktivitäten und Maßnahmen inklusive Fristen und Verantwortlichkeiten aufgeführt sind, die dazu beitragen sollen, das Ziel zu erreichen.

Weitere klimarelevante Ziele der Stadt Essen:

- Förderung des umweltfreundlichen Verkehrs

- bessere Mobilität

- weniger Belastung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid

- weniger Energieverbrauch und CO2-Emissionen

- besseres Umweltmanagement

- besserer Ressourcenverbrauch

Die Stadt Dortmund, Foto: Fotolia.com © Marc Jedamus

Dortmund

Die Stadt Dortmund ist das größte Wirtschaftszentrum in der Region Westfalen und trägt damit eine besondere Herausforderung in Sachen Klimaschutz. Die rund 600.000 Einwohner bewegen jeden Tag rund 200.000 Fahrzeuge. Um die starken Belastungen durch Schadstoffe in der Luft zu verringern, hat sich die Stadt dem Klimaschutz verschrieben und dafür das „Handlungsprogramm Klimaschutz 2020“ erstellt. Für die Umsetzung ist die Koordinationsstelle Klimaschutz/Klimafolgeanpassung im Umweltamt zuständig, die 2012 neu eingerichtet wurde.

Das Handlungsprogramm umfasst drei Teilbereiche: Das Teilvorhaben „Handlungsprogramm Klimaschutz“ hat zum Ziel, realistische und umsetzbare Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um den CO2-Ausstoß in Dortmund bis 2020 um 40 Prozent zu verringern. Das Teilvorhaben „Dienstleistungszentrum Energieeffizienz“ ist ein unabhängiges Beratungszentrum, das Leistungen zu den Themen energieeffizientes Bauen und Sanieren, erneuerbare Energien und Stromverbrauch anbietet. Das Beratungszentrum informiert auch über betriebliches Umwelt- und Energiemanagement und klimaschonende Mobilität. Die „Strategien für den Ausbau erneuerbarer Energien und zur Verbesserung der Wärmeinfrastruktur“ ist das dritte Teilvorhaben des Handlungsprogramms. Es geht darum, die Potenziale verschiedener Formen der regenerativen Energienutzung zu untersuchen und die Beiträge zur CO2-Reduzierung zu bewerten.

Derzeit werden 5,8 Prozent des Strom- und 2,2 Prozent des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt. Eine Steigerung ist in Dortmund durch die lokalen Gegebenheiten nur geringfügig möglich. Bis 2020 können die Anteile daher wahrscheinlich nur auf 7,2 Prozent (Strom) bzw. 3,6 Prozent (Wärme) erhöht werden.

Gelsenkirchen

In Nordrhein-Westfalen ist der Grad der Flächenversiegelung sehr hoch: 21 Prozent des Landes werden als Siedlungs- und Verkehrsfläche benutzt, teilweise liegt der Anteil sogar bei 50 Prozent. Das Problem: Das Regenwasser kann nicht mehr versickern, der oberflächliche Abfluss steigert sich und der Grundwasserspiegel sinkt. Das Regenwasser muss daher zusammen mit dem Reinwasser in die Kanalisation eingeleitet werden. Außerdem fehlt es durch die dichte Bebauung an Verdunstung und der Austausch der Luftmassen fällt sehr gering aus. Das führt in den Städten zu einem Wärmeinseleffekt, einer Hitzebelastung. Um dem entgegenzuwirken, haben insgesamt 17 Kommunen, die Emschergenossenschaft und das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) im Jahr 2005 die „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ unterzeichnet. Zu den beteiligten Kommunen zählt neben Bochum, Dinslaken und Recklinghausen auch Gelsenkirchen. Bis 2020 soll die Einleitung von Regen- und Reinwasser in die Kanalisation um 15 Prozent reduziert werden. Dazu werden private wie öffentliche Grundstücken und Flächen mit offenen Wasserflächen und Versickerungsanlagen ausgestattet und das Regenwasser zum Kühlen in Betrieben oder zur Bewässerung von Pflanzen genutzt.

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