Förderschüler als Feinschmecker

Die Serviette gehört auf den Schoß, gespeist wird mit Messer und Gabel, und Durcheinanderreden während des Essens ist verboten: Aus dem Förderunterricht wissen die Schüler der Wattenscheider Fröbelschule, wie man sich bei Tisch benehmen muss.


(JBH). ZurProst! Gentian, Dominik und Kevin (von links) zeigten in der Gesellschaft Harmonie, was sie im Förderunterricht bei Betreuerin Anne Maronga (Mitte) gelernt haben. Belohnung hat Daniel Birkner, Küchenchef des Restaurants der Bochumer Gesellschaft Harmonie, die Fröbelschüler eingeladen. Bei einem Drei-Gänge-Menü zeigten die Sieben- bis Elf-Jährigen, worauf es bei Tisch ankommt. "Am Anfang herrschte beim Mittagessen das reinste Chaos", sagt Schulleiter Christoph Graffweg. Die Fröbelschule - seit Sommer 2005 offene Ganztagsschule - versorgt ihre Schüler jeden Tag mit einer warmen Mahlzeit. "Wir haben mit den Kindern immer wieder Tischmanieren trainiert und gezeigt, dass es auch beim Essen um einen rücksichtsvollen Umgang miteinander geht", sagt Betreuerin Anne Maronga. Als Lohn für's Lernen versprachen die Betreuerinnen einen echten Restaurantbesuch.

Für viele eine einmalige Gelegenheit

Als Daniel Birkner, seit Sommer 2007 Patron des Restaurants in der Harmonie, von der Initiative hörte, lud der 28-Jährige Schüler und Lehrer spontan zu einem Feinschmeckermenü in die Gesellschaft Harmonie ein. "Ich freue mich, den Kindern aus problematischen sozialen Verhältnissen bei uns ein besonderes Erlebnis zu bieten", sagt Birkner. Er servierte den jungen Gästen einen sommerlichen Salat als Vorspeise, danach gab es Geflügel mit Kartoffelpüree und frischer Tomatensoße und zum Nachtisch Erdbeeren mit Eis. Im stilvollen Ambiente der Gesellschaft Harmonie nahmen die Schüler an weiß gedeckten Tischen Platz und speisten mit Silberbesteck. "Für viele war es die einmalige Gelegenheit, in einem so feinen und gehobenen Restaurant essen zu können", sagt Anne Maronga. Auch die Kinder waren nach dem Essen begeistert: "Es hat super geschmeckt", waren sich alle einig.

Förderunterricht für Lernschwache

Rund 140 Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren besuchen zur Zeit die Fröbelschule in Wattenscheid. Über die Hälfte von ihnen stammt aus Elternhäusern, die ausschließlich von Hartz IV leben müssen. Als offene Ganztagsschule begleitet die Fördereinrichtung für Lernschwache die Schüler über den normalen Unterricht hinaus in speziellen Nachmittags-AGs. Von der Sprache über Sport und Körperwahrnehmung bis hin zu handwerklichen Fähigkeiten werden die Kinder und Jugendlichen dort in unterschiedlichen Bereichen durch qualifizierte Betreuer und Betreuerinnen gefördert.

Bilder: Bettina Engel-Albustin / far

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