Best-Ager - Mit über 50 zum Job ins Ausland

"In Ihrem Alter finden Sie keine Stelle mehr" - Sätze wie diesen musste sich Günther K. in den letzten Jahren mehrfach anhören. Jetzt kann sich der Gelsenkirchener Elektrotechnikermeister aussuchen, ob er eine Stelle in Österreich oder der Schweiz antritt. Günther K. ist übrigens 63 Jahre alt und wurde vom Job-Scout des Programms "Best-Ager" vermittelt.


[ruhr-guide] Der Jugendwahn hat ein Ende. Dass man mit über 50 noch lange nicht zum so genannten alten Eisen gehört beweist der Gelsenkirchener Beschäftigungspakt Best-Ager mit seinen zwei Job-Clubs in Gelsenkirchen-Innenstadt
Stellten die Erfolge des Best-Ager-Projekts in Gelsenkirchen vor (v.l.n.r.): Georg Sondermann (IAG), Birgit Lettau (FAA), Berthold Ziegler (IAG), Jos Wetzels (Trend Work)
und in Buer sowie dem Teilprojekt "Arbeiten im benachbarten Ausland" der FAA Gesellschaft für Arbeit und Lernen mbH. Am 1. August 2007 wurden die bisherigen Vermittlungserfolge der FAA vorgestellt und interessierte Arbeitsuchende waren zu einer Kontaktbörse mit Firmenvertretern aus Holland, Belgien und der Schweiz eingeladen.

"Die Arbeitslosigkeit ist im Ruhrgebiet immer noch sehr hoch. In Gelsenkirchen gibt es 4.926 so genannte Hartz IV-Empfänger über 50 Jahre, das sind 22,5% aller Arbeitslosen in der Stadt", erläuterte Georg Sondermann, Leiter Markt und Integration des Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen (IAG). "Wir sehen zurzeit aber eine Trendwende, denn auch diese Zahl ist im Sinkflug – die Arbeitgeber haben das Potential an Erfahrungen der Älteren erkannt." Detlev Kühn vom Projekt Best-Ager hat zahlreiche Ü50-Arbeitsuchende kennen gelernt: "In den beiden Job-Clubs haben bereits über 5.600 Beratungsgespräche stattgefunden, wir stehen mit 3.600 Firmen in Kontakt, über 200 Firmen sind daran interessiert, ältere Langzeitarbeitslose einzustellen."

Ein Teil von dem durch Bundesmittel geförderten Best-Ager-Projekts ist das FAA-Programm "Arbeiten im benachbarten Ausland". In einem zehnwöchigen Kurs erwerben die

Teilnehmer den im europäischen Ausland geforderten Arbeitssicherheits- ausweis nach den VCA/SCC Richtlinien und machen zudem einen Sprachkurs in Niederländisch, um sich in Holland und Belgien im Alltags- und Berufsleben orientieren zu können. So ausgerüstet steht dem neuen Job in den Nachbarländern nichts mehr im Wege. Im Gegenteil: Wie Jos Wetzels von der niederländischen Firma Trend Works berichtete, warten in Holland nicht nur interessante Tätigkeiten auf die deutschen Fachkräfte, sondern auch ein weitaus einfacheres Vergütungssystem bei wöchentlichen Lohnzahlungen, günstige Mieten und Krankenversicherungsbeiträge sowie die Perpektive auf einen langfristigen Arbeitsvertrag.

Stellenangebote hatten die Firmenvertreter zur Kontaktbörse bei der FAA natürlich auch mitgebracht: In den Niederlanden wie auch in Belgien und der Schweiz werden Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich gesucht, ganz konkret Schlosser, Schweißer, Elektriker, Anlagenbauer, Wartungsmonteure, Mechatroniker und Schallschutzisolierer.

Doch bei all den rosigen Aussichten ist der endgültige Schritt ins Ausland nicht für alle Arbeitsuchenden einfach. "Meinen Wohnsitz in Gelsenkirchen werde ich auf keinen Fall aufgeben, das ist und bleibt hier meine Heimat", erzählte Metallbauer Peter H., 52. "Ich bin sehr an einer Arbeit in den Niederlanden interessiert, am Wochenende komme ich aber wieder zurück ins Ruhrgebiet." Anders die Meinung von Hans M.: Der 54-jährige Single kann sich durchaus vorstellen, ganz nach Belgien umzuziehen.

Jetzt heißt aber erst einmal: lernen, lernen, lernen. "Insgesamt 28 Best-Ager Kunden hat die FAA in zwei Durchläufen bereits qualifiziert, mit 15 Vermittlungen in das benachbarte Ausland liegt die hier erzielte Quote bei über 50%," freut sich Wolfgang Busse vom Job-Club Gelsenkirchen. Dieser Erfolg widerspricht dem oft in der Öffentlichkeit herrschenden Meinungsbild, dass mit steigendem Alter die Bereitschaft zur Mobilität und Flexibilität aufgrund gewachsener Strukturen des individuellen Umfeldes abnimmt.

Arbeitsuchende aus Gelsenkirchen, die eine Tätigkeit im benachbarten Ausland anstreben, können sich jetzt für die freien Teilnehmerplätze zum Lehrgang bei der FAA anmelden.

Ansprechpartner sind:

Herr Busse
Best-Ager
Gelsenkirchener Beschäftigungspakt für Ältere
Ebertstr. 20
45879 Gelsenkirchen
Tel: 0209 38948820

Herr Tüselmann
FAA Gesellschaft für Arbeit und Lernen mbH
Schwarzmühlenstr. 104
45884 Gelsenkirchen
Tel: 0209 9137020

(sl)

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