Gesundheitsregion Ruhr: Wandel für eine gesunde Metropolregion

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Metropole Ruhr mitten in einem großflächigen Wandel befindet. Doch im Revier wird diese Herausforderung gerne angenommen und als Chance betrachtet. So auch für die hiesige Gesundheitswirtschaft mit all ihren Akteuren. Denn diese kann einen erheblichen Beitrag leisten zur wirtschaftlichen Gesundheit der Region und der körperlichen und seelischen Gesundheit der Menschen. Deswegen ist Gesundheit schon seit einigen Jahren eines der großen Themen im Ruhrgebiet.

Das Ruhrgebiet und die Gesundheit, Foto: © Fotolia.com, Lukassek

Vom Pott zur Prävention

Niemand wird bestreiten, dass Kohleabbau und Schwerindustrie nicht unbedingt zu den gesündesten Arbeitsumgebungen gehören – noch dazu, wenn sie eine so dicht bewohnte Region wie das Revier nachhaltig prägen. Doch spätestens seit der Bewerbung um den Titel der „Gesundheitsregion der Zukunft“ sind Prävention und Gesundheitsförderung ein wichtiger Schwerpunkt in der Metropole Ruhr. Zu den Zielen gehört seitdem einerseits die Förderung innovativer Angebote und darauf aufbauend eine Verbesserung der Versorgungs-, Standorts- und vor allem Lebensqualität.

Gesundheitswirtschaft und der Arbeitsmarkt

Die Statistiken seit 2005 belegen, welch bedeutenden Anteil die Gesundheitswirtschaft an der Gesamtwirtschaft Deutschlands ausmacht. Ihre Bruttowertschöpfung entsprach im Jahr 2016 rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Umgerechnet ist dies etwa jeder achte. In Deutschland erwirtschaftete Euro. Rund sieben Millionen Menschen bietet der Gesundheitssektor dabei einen Arbeitsplatz, zudem ist er für acht Prozent der gesamtdeutschen Exporte verantwortlich. Dabei zeigt sich der Gesundheitssektor wesentlich geringeren Schwankungen unterworfen als übrige Wirtschaftsbereiche: Seit 2005 lag sein Wachstum durchschnittlich um 1,1 Prozentpunkte über dem Zuwachs der Gesamtwirtschaft. Selbst im Jahr 2009 verzeichnete Deutschland Gesundheitswirtschaft trotz Finanzkrise eine positive Entwicklung.

Der krisenfeste Wirtschaftszweig umfasst vor allem vier Hauptbereiche:

1. Dienstleistungen stationärer Einrichtungen wie Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen und stationären Pflegeeinrichtungen

2. Dienstleistungen nicht-stationärer Einrichtungen wie Arztpraxen und ambulante Pflegedienste

3. Industrielle Gesundheitswirtschaft in Pharmaindustrie, Biotechnologie und Medizintechnik

4. Teilbereiche des Einzelhandels, in erster Linie Apotheken

Insgesamt wurden in der vergangenen Dekade innerhalb der Gesundheitswirtschaft über eine Million Arbeitsplätze geschaffen. Dabei zeigt sich die Branche äußerst dynamisch und fächert sich aktuell bereits in über 800 verschiedene Berufsbilder auf. Eine wachsende Bedeutung erlangen in Zukunft unter anderem folgende Tätigkeiten:

- Medizin-Controller arbeiten als medizinische Patientenberatung, © Fotolia.com, StockPhotoProBerater im Verwaltungsbereich sowie als interne betriebswirtschaftliche Berater im medizinischen Bereich. Sie überwachen die Qualität von Strukturen, Prozessen und Ergebnissen in Krankenhäusern und überprüfen dabei die Wirtschaftlichkeit der Institutionen.

- Klinische Kodierfachkräfte sind in Krankenhäusern oder beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen tätig. Ihr Hauptarbeitsfeld ist die Erfassung medizinischer Leistungen mittels Fallpauschalen. Bevor die Kodierung in neuerer Zeit speziellen Fachkräften zufiel, mussten sie die Ärzte selbst übernehmen. Aktuell gehört das Berufsbild der Klinischen Kodierfachkraft zu den am stärksten nachgefragten Aus- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen.

- Patientenberater sind häufig für Krankenkassen tätig, sollen den Informationssuchenden jedoch eine unabhängige Beratung bieten. Meist handelt es sich bei Patientenberatern um hoch qualifizierte Ärzte und Fachkräfte, die als Experten Fragen zu sozial- und gesundheitsrechtlichen sowie psychosozialen Themen beantworten.

- Case-Manager optimieren die Versorgungsprozesse, indem sie die betreffenden Anteile des Versorgungssystems (Klinik, Praxis oder Pflegedienst) mit dem Patienten und dessen Umfeld zusammenführen. Dabei übernehmen sie die Rolle eines Mittlers zwischen den Beteiligten. Case-Manager verfügen über Kenntnisse der Organisationsstrukturen und der Sozialgesetzgebung.

- Spezial-Krankenschwestern spezialisieren sich etwa als Stroke-Nurses oder Breast-Care-Nurses auf die Therapie, Prävention und Rehabilitation bestimmter Krankheitsbilder wie Schlaganfälle oder Brustkrebs. Die anspruchsvolle Weiterbildung hat das Ziel, Patienten nach einer das Leben verändernden Diagnose individuell beraten zu können.

- Gesundheitsmanager übernehmen variierende Aufgaben in der Organisation von Abläufen in stationären Einrichtungen und innerhalb der Gesundheitsförderung. Dabei sollen sie die Bedürfnisse der Patienten, die Arbeitsbedingungen von Ärzten und Pflegepersonal sowie die wirtschaftliche Effizienz der Institution in Einklang bringen.

- Ernährungsberater arbeiten selbstständig oder in stationären Einrichtungen. Sie vermitteln Menschen Kenntnisse über eine gesunde Ernährung zum Zwecke der Krankheitsprävention oder im Rahmen durch chronische Erkrankungen erforderlicher Spezialdiäten. Angesichts der Zunahme von ernährungsbedingten chronischen Erkrankungen kommt einer ausgewogenen Kost heutzutage die Rolle einer essenziellen Präventionsmaßnahme zu.

- Stress-Manager beraten Einzelpersonen oder Unternehmen im Bereich der Stressvermeidung. Zu den Tätigkeitsfeldern gehören sowohl Beratung bei Mobbing und Burn-out als auch allgemeine Konfliktberatung, Lebensberatung oder Persönlichkeitsberatung. Methoden, die den Klienten zur Selbsthilfe vermittelt werden, sind unter anderem autogenes Training und progressive Muskelentspannung.

Der Versorgungsbedarf, © Fotolia.com, xy

Einschätzung der Versorgungsbedarfe

Bereits im Jahr 2005 rief die Landesgesundheitskonferenz in Nordrhein-Westfalen das „Landespräventionskonzept NRW“ ins Leben und vereinbarte darin Schwerpunktthemen und Arbeitsstrukturen zur Gesunderhaltung der Bevölkerung. Dieses Bestreben erfuhr im November 2017 durch die Landesinitiative „Gesundheitsförderung und Prävention“ eine Aktualisierung, da sich inzwischen die Gesetzgebung verändert hat.

Hintergrund ist das Inkrafttreten des Präventionsgesetzes im Jahr 2015, das bedeutende strukturelle Veränderungen nach sich zog. Im Wesentlichen enthält das Gesetz folgende Neuerungen:

- Im Bereich von Gesundheitsförderung und Prävention werden neben der GKV auch die gesetzliche Unfallversicherung, Rentenversicherung und die soziale Pflegeversicherung sowie die Unternehmen der privaten Krankenversicherungen mit eingebunden. Auf der Nationalen Präventionskonferenz legen die Akteure unter Mitwirken von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsame Ziele fest.

- Die Soziale Pflegeversicherung erhält einen Präventionsauftrag, um Pflegebedürftigkeit möglichst abzumildern.

- Die Impfprävention wird gefördert, indem der Impfschutz bei Routineuntersuchungen aller Altersgruppen geprüft wird. In Kindertagesstätten müssen Eltern den Erziehern einen Nachweis über eine medizinische Impfberatung vorlegen. Beim Auftreten von Masern können ungeimpfte Kinder zeitweise vom Besuch der Einrichtungen ausgeschlossen werden.

- Das Früherkennungssystem für Kinder und Erwachsene soll gestärkt werden, indem Ärzte individuelle Präventionsempfehlungen aussprechen dürfen.

- Kranken- und Pflegekassen sind verpflichtet jährlich mehr als 500 Millionen Euro in Gesundheitsförderung und Prävention zu investieren, vor allem zugunsten der verschiedenen Lebenswelten wie Kitas, Schulen, Betriebe, Pflegereinrichtungen und Kommunen. - Die gesundheitliche Selbsthilfe erfährt eine um 30 Millionen Euro gesteigerte finanzielle Unterstützung, was neue Möglichkeiten schafft.

Prävention nach Lebensphasen

Die Förderung des Impfschutzes und die Konzentration auf unterschiedliche Lebenswelten zeigt, dass Prävention vor allem in Abstimmung mit den Themen der jeweiligen Altersgruppe stattfinden muss. So konzentrierte sich auch das Landespräventionskonzept NRW mit seinem Lebensphasenansatz vor allem auf Kinder und Senioren.

Die Kerninitiativen betreffen

- Leben ohne Qualm – Prävention von Zigarettenkonsum bei Jugendlichen

- Gesundheit von Mutter und Kind

- Prävention von Übergewicht im Kindesalter

- Psychische Gesundheit von Kindern

- Sturzprävention bei Seniorinnen und Senioren

Zukünftig wichtig: Probleme des hohen Lebensalters und nicht-übertragbare Krankheiten

Für die Zukunft identifiziert die Landesinitiative "Gesundheitsförderung und Prävention" allerdings vor allem zwei Hauptfaktoren, die den Versorgungs- und Präventionsbedarf bestimmen: das steigende Lebensalter und dir Zunahme an nicht-übertragbaren Krankheiten.

Die Lebenserwartung, Foto:© Fotolia.com, Photographee.eu

Hohe Lebenserwartung

Durch verbesserte Hygienestandards, Arbeitsbedingungen, Ernährung und Fortschritte in der Medizin ist das durchschnittlich erreichte Lebensalter im vergangenen Jahrhundert in Deutschland deutlich angestiegen. Synchron zu dieser Entwicklung wachsen die Ansprüche an pflegerische Versorgung, seniorengerechtes Wohnen und sozialer Eingliederung älterer Menschen. Infolge des demografischen Wandels verschiebt sich jedoch auch das Krankheitsspektrum in der Bevölkerung. Die sogenannten Zivilisationserkrankungen wie Diabetes-Typ-II und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und psychische Störungen machen gemeinsam 77 Prozent der Krankheitslast in Europa aus.

Nicht-übertragbare Krankheiten

Der Zuwachs an derartigen nicht-übertragbaren Krankheiten wird dabei laut Experten im Wesentlichen durch fünf Faktoren des Lebensstils bestimmt:

- Bewegungsmangel

- Unausgewogene Ernährung

- Alkoholmissbrauch

- Tabakkonsum

- Psychische Faktoren wie soziale Isolation oder berufliche Stressbelastung

An diesen Punkten können Präventionsmaßnahmen lebens- und arbeitsweltbedingte Risiken mindern, indem die Gesundheitskompetenz des Einzelnen geschult wird. Neben kurativen Maßnahmen müssen präventive Angebote zu einem Gesamtkonzept zusammenfließen, das institutions- und berufsübergreifend verfolgt wird. Erfolg versprechen insbesondere ganzheitliche Ansätze im Bereich Bewegung, Ernährung, Suchtprävention, psychische Gesundheit und Alltagsmanagement. Ärzte können ihre Zielgruppen im Zuge dessen an diversen Stellen erreichen:

- In der ambulanten Praxis

- Im Krankenhaus

- Im öffentlichen Gesundheitsdienst der Kommune

- Als Betriebsmediziner

- Im Rahmen von Impfberatungen und zahnmedizinischen Beratungen an Schulen und Kindergärten

Dennoch scheint es unerlässlich, viele weitere Akteure des Gesundheitswesens mit einzubinden, deren Anlaufstellen für die Bevölkerung weniger Hemmschwellen aufwerfen und die wohnortnah erreichbar sind. Nur so lassen sich substanzielle Verbesserungen in diesen Bereichen erzielen.

Struktur der Gesundheitswirtschaft

Mit 1,3 Millionen Arbeitsplätzen stellt die Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen die größte Wachstumsbranche des Landes dar. Seit März 2009 entstand jeder vierte Arbeitsplatz im gesundheitlichen Bereich. Krankenhäuser und ambulante soziale Dienste schufen dabei den größten Teil der Stellen, jedoch entstehen auch sehr innovative Bereiche sowie neue Arbeitsfelder.

Kernbereiche der Gesundheitswirtschaft

- Stationäre Versorgung: In NRW stellen 350 Krankenhäuser die Versorgung von 4,5 Millionen Patienten sicher. 2.500 Pflegeheime bieten Plätze für 180.000 Pflegebedürftige. Schließlich betreuen 145 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen jährlich weitere 230.000 Patienten.

- Ambulante Versorgung: In Nordrhein-Westfalen praktizieren etwa 25.000 Ärzte im niedergelassenen Bereich. Ergänzt wird die ambulante Versorgung durch die Arbeit von 2400 ambulanten Pflegediensten, die insgesamt 130.000 Menschen betreuen.

- Apotheken: 4.400 Apotheken beschäftigen in Nordrhein-Westfalen insgesamt etwa 48.000 Angestellte.

Des Weiteren sind auch der Arbeitsschutz, das öffentliche Gesundheitswesen, Prävention, Rehabilitation und Selbsthilfe dem gesundheitswirtschaftlichen Kernbereich zuzuordnen. Hier sind ebenfalls sehr viele Menschen beschäftigt.

Vor- und Zulieferbereiche

- Medizintechnik: Durch die Präsenz Medizintechnik, Foto: © Fotolia.com, Uwezahlreicher stationärer und ambulanter Einrichtungen existieren in NRW zahlreiche Abnehmer für Produkte aus der Medizintechnik. Darüber hinaus gründete das Land 2011 den „Cluster Medizintechnik“ mit Förderungs-möglichkeiten und dem Ziel, die über 200 Unternehmen mit Kliniken und Forschung in Kooperation zu bringen.

- Gesundheitshandwerk: Hierzu zählen Hörgeräteakustiker, Augenoptiker, orthopädische Schuhtechniker und Mechaniker sowie Zahntechniker.

- Rote Biotechnologie: Diagnostische und therapeutische Verfahren entwickelt die medizinische Biotechnologie, auch rote Biotechnologie genannt. Die Felder sind unter anderem Gentechnik, Chips zur medizinischen Diagnostik und Arzneimittelherstellung.

- Pharmaindustrie: Neben einigen großen Firmen besteht die Pharmabranche in Nordrhein-Westfalen zu über 90 Prozent aus mittelständischen Unternehmen.

Synergiebereiche

- Wellness: Dieser Bereich umfasst neben den typischen Wasseranwendungen, Massagen und kosmetischen Behandlungen auch Angebote, die stärker präventiv ausgerichtet sind: Zum Beispiel Bewegungsprogramme, autogenes Training, Meditation und Anwendungen der Alternativmedizin. Maßnahmen, die zur Verbesserung, Erhaltung und Wiederherstellung des Gesundheitszustandes ausgerichtet sind, fasst man unter dem Begriff „Medical Wellness“ zusammen. Hotels, die diesen Bereich gezielt abdecken, können den Gesundheitstourismus als wachsenden Markt auch im Ruhrgebiet für sich erschließen.

- Gesunde Ernährung: Die tägliche Ernährung stellt einen der ausschlaggebendsten Faktoren zur Vorbeugung sogenannter Zivilisationskrankheiten dar. Welche Kostform sich zum Erreichen einer Gewichtsabnahme oder einer Reduktion von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen eignet, vermitteln Ernährungsberater ihren Klienten. Darüber hinaus wächst das Bedürfnis nach medialer Aufklärung im Ernährungsbereich. Schließlich ist eine gesunde Ernährung nicht allein das Ergebnis von Beratungen, sondern liegt in erster Linie in der Eigenverantwortung des Einzelnen. Hier stehen im Internet umfangreiche Informationsangebote zur Verfügung. Sie bieten umfassende Tipps mit medizinisch fundierten Hintergrundinformationen zum Thema gesunde Ernährung und nachhaltiger Gewichtsreduktion.

- Betreutes Wohnen: Bei älteren Menschen besteht das wachsende Bedürfnis, ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Damit dies möglich ist, müssen barrierefreie Wohneinheiten nicht nur architektonisch verwirklicht oder umgerüstet werden, sondern es wird auch ein wachsendes Maß an Dienstleistungen nötig. Diese sind zum einen pflegerischer Natur, zum anderen handelt es sich um Haushaltsunterstützung, Einkaufshilfe oder Fahrdienste. Schließlich muss sich auch die medizinische Technik ihrem neuen Anwendungsfeld im heimischen Umfeld anpassen.

- Sport und Freizeit: Im Fitnessbereich verschwimmt zunehmend die Polarität zwischen Body-Buildig auf der einen und Krankengymnastik auf der anderen Seite. Moderne Fitnessstudios sind auf die Bedürfnisse von Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Haltungsschäden eingestellt und bieten individuelle Beratungen und die Entwicklung passenden Trainingsplans.

Betreutes Wohnen, Foto: © Fotolia.com, Halfpoint

Trends und modellhafte Aktivitäten in der Metropole Ruhr

Die Gesundheitsmetropole Ruhr ist, was Dichte, Größe und Vielfalt der Kliniklandschaft anbelangt, bereits europäische Spitze. Auf 5,3 Millionen Einwohner entfallen 130 Krankenhäuser, 9.000 niedergelassene Ärzte, 1.400 Apotheken und 1.100 Pflegeheime und Pflegedienste. Konsequenterweise ist die Region stark positioniert, wenn es um den Handel mit Medizinprodukten und medizinwirtschaftlichen Service geht. Jedoch existiert auch hier immer noch Verbesserungspotenzial.

Prävention ist nicht nur Thema stationärer und ambulanter Einrichtungen

Präventionsmaßnahmen zu gestalten, ist nicht allein Aufgabe der gesundheitswirtschaftlichen Kerninstitutionen, sondern betrifft alle Glieder der Wertschöpfungskette. Auch in Vorleister- und Zuliefererunternehmen sowie in Unternehmen der Synergiebereiche werden innovative Geschäftsmodelle im Bereich der gesundheitlichen Prävention entwickelt. Geprägt sind die zukunftsweisenden Modelle vor allem durch den Strukturwandel im Gesundheitssystem, das dem Übergang von der kurativen Hochleistungsmedizin zur gesund erhaltenden Medizin unterworfen ist. Zudem erweitert der aus dem demografischen Wandel resultierende wachsende Bedarf den Markt und es entsteht darüber hinaus ein neuer, der Selbstzahlermarkt. Schließlich wartet der gesundheitswissenschaftliche und medizintechnologische Fortschritt auf seine praktische Umsetzung.

Folgende Trends zeichnen sich ab

- Krankenhäuser entwickeln sich in Richtung „Health-Maintainance-Organizations“ mit Blick auf Prävention und Gesunderhaltung. Finanzielle Belohnungen für ausufernde Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden eingegrenzt.

- Kliniken bauen in Zusammenarbeit mit anderen lokalen Akteuren wohnortnahe Rehazentren, die das Spektrum von Rehabilitation, Prävention bis hin zu Wellnessangeboten abdecken.

- Zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin gibt es wachsende Bestrebungen der Integration und Kooperation. So haben einige Krankenhäuser alternativmedizinische Abteilungen eingerichtet und es wird eine Zusammenarbeit mit Hochschulen angestrebt, um die alternativmedizinischen Ansätze durch wissenschaftliche Daten zu untermauern.

- Check-ups, Frühuntersuchungen aber auch alternativmedizinische Behandlungen, die in den Bereich der Prävention fallen, rechnen niedergelassene Ärzte als sogenannte IGeL‑Leistungen ab. Hier steht die Entwicklung eines übergreifenden Konzeptes des individuellen Gesundheitscoachings aus.

- Krankenkassen treiben die Gesundheitsförderung in Institutionen wie Kitas, Schulen und Unternehmen voran und gehen darüber hinaus Kooperationen mit Hotels im Bereich Gesundheitsurlaub ein.

- Das häusliche Umfeld gewinnt als Gesundheitsstandort an Bedeutung – sei es durch frühere Entlassungen aus stationären Aufenthalten, sei es durch das Bedürfnis von Senioren, länger in der gewohnten Umgebung zu bleiben. Hier passen sich medizintechnische Produkte und Serviceangebote zunehmend den Bedürfnissen an.

Gesundheit im Ruhrgebiet, Foto: © Fotolia.com, travelpeter

Beispiele für Innovationen im Gesundheitssystem NRW

1. Gesundheitstourismus in der Metropole Ruhr

Noch betonen die Hotels in der Metropole Ruhr die Themen Wellness, Spa und „Medical Wellness“ nicht in dem Maße, wie es Unternehmen in Berlin, München oder Hamburg tun. Die Hotel-Landschaft in Dortmund und Essen ist auf diesem Gebiet am weitesten fortgeschritten und bietet neben Saunen, Wassersport und Massagen zudem ein vielfältiges Fitness-Angebot. Insbesondere in der Entwicklung des hochpreisigen Tourismus, der in Konkurrenz mit Häusern anderer Regionen steht, besteht im Ruhrgebiet großes Potenzial.

2. MedEcon

In Deutschlands größtem Ballungsraum bietet der Verein MedEcon Ruhr aktuell rund 150 Akteuren der regionalen Gesundheitswirtschaft ein Netzwerk zur Kooperation. Mit dabei sind kommunale Einrichtungen, zuliefernde Branchen, Institutionen aus Klinikwirtschaft, Gesundheitsversorgung, Versorgungsforschung und Lebenswissenschaften. Die angestrebte Zusammenarbeit über Kreis- und Stadtgrenzen hinaus soll die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöhen und zum Strukturwandel der Region Ruhr beitragen.

3. Gesundheitscampus Bochum

Das Modell des Gesundheitscampus Bochum verbindet öffentliche Einrichtungen der Gesundheitsadministration und -forschung mit innovativen Unternehmen aus dem Bereich der Gesundheitswirtschaft. Innerhalb von Technologieprojekten sollen wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in vermarktungsfähige Produkte übertragen werden. Zudem bietet die Agentur des Campus Beratung, Finanzierungshilfe, Räumlichkeiten und Netzwerke für Unternehmen und Gründer. Ein weiteres Ziel lautet, globale Trends mit lokal vorhande nen Kompetenzen zu vereinen und interdisziplinären Austausch und Kooperationen zu ermöglichen. Der Gesundheitscampus Bochum zeigt damit sehr eindrucksvoll, wie die Verquickung von Wissenschaft und Wirtschaft künftig Innovationen hervorbringen und auch vermarkten kann.

4. QuartiersNETZ

Das Projekt QuartiersNETZ widmet sich der Bewältigung des demografischen Wandels, indem es Seniorinnen und Senioren aus dem Bereich Gelsenkirchen mit Akteuren aus Dienstleistung und Forschung zusammenbringt. Ziele sind eine bessere gesundheitliche Versorgung im Alltag sowie ein selbstbestimmtes und solidarisches Leben im Alter. Das innovative Konzept wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet und wird gefördert.

Fazit

Die Grundbedürfnisse des Menschen – Gesundheit und Nahrung – sind konjunkturunabhängige Dauerbrenner in der Wirtschaft. Im Hinblick auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Bevölkerung und dem wachsenden Bedarf an präventiver Versorgung ergeben sich insbesondere für den Standtort NRW zahlreiche neue Innovationsmöglichkeiten. Hier können sämtliche Akteure der Gesundheitswirtschaft zu einer Modernisierung des Versorgungssystems und einer besseren Gesundheit der Bevölkerung beitragen. Gleichzeitig ergeben sich so auch neue Chancen für eine wirtschaftliche Dynamik in der Metropolregion Ruhr. Es bleibt abzuwarten, ob die getroffenen Maßnahmen am Ende zu den gewünschten Erfolgen führen.

Bildquellen:

Foto 2: © Fotolia.com, StockPhotoPro
Foto 3: © Fotolia.com, xy
Foto 4: © Fotolia.com, Photographee.eu
Foto 5: © Fotolia.com, Uwe
Foto 6: © Fotolia.com, Halfpoint
Foto 7: © Fotolia.com, travelpeter

Empfehlungen

function sc_smartIntxtNoad() { }