Projekt Ewald

Von der Industrielandschaft zum Landschaftspark und Lebensraum: Was in vielen anderen Städten des Ruhrgebiets schon realisiert wurde, entstand auch in Herten-Süd mit dem Landschaftspark Emscherbruch. Neben zwei Halden und verschiedenen Promenaden ist es vor allem das Gelände um die ehemalige Zeche Ewald, welches das Gebiet zukunftsfähig macht. Ewald zählt seit Anfang 2011 auch zu einem Ankerpunkt der Route der Industriekultur!


Zeche Ewald, Foto: 2818784, Pixabay [ruhr-guide] Von den Sanierungsarbeiten auf dem ehemaligen Zechengelände ist schon lange nichts mehr zu sehen. Zwei Fördertürme und ein Malakoffturm, das ehemalige Verwaltungsgebäude sowie die Lohn- und Lichthalle samt Waschkauen, Wohnhäuser und Direktorenvillen bieten dem Besucher hier im nördlichen Ruhrgebiet das typische Gesicht des Reviers und viele spannende neue Attraktionen. Inzwischen ist das 50 Hektar große Areal aufgeräumt und strahlt in neuem Glanz. Was als Einwohner, Touristen und Unternehmen anzieht, entwickelt sich wie viele Gegenden im Ruhrgebiet, vor allem seit RUHR.2010, von der grauen Vergangenheit hin zu einem echten Kultur- und Zukunftsobjekt. Und dennoch bleibt Ewald unmittelbarer Zeitzeuge der Bergwerkshistorie Hertens.

Die Geschichte des Bergbaus in Herten

Neben den Zechen Schlägel & Eisen im Norden der Stadt und dem Bergwerk Westerholt war die Zeche Ewald der Arbeitgeber in Herten und den angrenzenden Gebieten. Ab 1877 wurde hier Kohle gefördert, einige Jahre später, ab 1884 war der Schacht 1 mit 624 Metern der tiefste Schacht im Ruhrgebiet. Die typische Bebauung mit Wohnraum erfolgte rund um die Zeche Ewald erst sehr viel später, so dass die Arbeiter anfangs einen langen Anfahrtsweg auf sich nehmen mussten. Neben dem Schacht 1 waren ab 1892 Schacht 2, die Doppelschachtanlage Ewald 3/4 in Gelsenkirchen-Resse sowie Schacht 5 im Hertener Katzenbusch nach und nach förderbereit. Als die Förderanforderungen im Zweiten Weltkrieg anstiegen, wurden 1941 unter Tage die Abteufarbeiten für Schacht 7 gestartet, die übertägigen Arbeiten an Schacht 7 wurden erst 1949 fortgesetzt. 1955 war der Durchschlag zu Ewald 3/4 erfolgt und Schacht 7 wurde mit seinem für das Zechengelände zum Aushängeschild gewordenen Doppelbock-Fördergerüst und dem langgestreckten Bau zum Zentralschacht des gesamten Bergwerks.

Zeche Ewald in Herten, Foto: andreamenge, Pixabay

Von der Kohle zur Zukunft

1969 ging wie die meisten Zechen im Ruhrgebiet auch die Zeche Ewald in die neu gegründeten RAG über, bekam das Kohlefeld der Zeche Bismarck in Gelsenkirchen zugesprochen und wurde 1974 mit der Zeche Recklinghausen vereint. Bis zur letzten Förderschicht am 28. April 2000 wurde die Zeche Ewald noch mit Schlägel & Eisen und mit der Zeche Hugo in Gelsenkirchen-Buer vereint. Große Teile des ehemaligen Zechengeländes sind inzwischen abgerissen, eindrucksvolle Industriezeugen sind aber nach wie vor die drei historischen Fördertürme, die als Landmarke vom Kohlestandort Herten zeugen. Seit Jahresbeginn 2011 ist die Zeche Ewald als Ankerpunkt auf der bekannten Route der Industriekultur verzeichnet. Die positive touristische Entwicklung zusammen mit dem inzwischen weit fortgeschrittenen Ausbau des Landschaftsparks Hoheward lassen den Standort zu einem besonderen Ort der Industriekultur im Ruhrgebiet werden. So ist die Auszeichnung als Ankerpunkt beinahe eine logische Folge.

Zeche Ewald ist vielseitig und innovativ

Seit 2007 ist das Gelände erschlossen und saniert. 37.000 qm Straßenfläche, 400.000 cbm Boden und 16.000 qm Platzfläche wurden bis dahin bewegt. Doch nicht nur für Firmen und Unternehmen wurde gebaut. Auch die Begrünung kam nicht zu kurz. 604 Bäume und 19.565 Stauden wurden gepflanzt, was noch einmal die Dimension des Projekts verdeutlicht. Beschleunigte Genehmigungsverfahren, Unterstützung in Technologiefragen und Finanzierungsprogramme machen den Standort Zeche Ewald zu einem attraktiven Standort für zukunftsorientierte Betriebe. So ist das inzwischen auf Ewald angesiedelte Wasserstoffkompetenzzentrum H2Herten Vorreiter in NRW für die anwendungsorientierte Wasserstofftechnologie. Doch auch für Freizeit und Kultur, sowie Veranstaltungen jeder Art bietet das Zechengelände Räumlichkeiten mit modernem Charme. So wurde seit März 2013 die Maschinenhalle als Eventstandort von der „Ludi - music and more – GmbH“ angemietet und steht nach Ausbauarbeiten zu Verfügung.

ExtraSchicht in Herten, Foto: RTG/Nielinger

Aktuelles auf Ewald

Aktuelle entsteht auf dem 40000 qm großen Gelände des ehemaligen Hertener Bergwerks das Oldtimerzentrum Motorworld. Ausgefallene Fahrzeuge jeder Art, vom Fahrrad bis zum Luxusautomobil, können hier in Zukunft bestaunt werden. Neben den Ausstellungsräumen wird es gläserne Boxen zum Einstellen und Präsentieren, Werkstätten, sowie Restaurants und Hotels geben. Seit 2015 findet ebenfalls der Oldtimer Treff Ruhr auf der Zeche Ewald statt und ist ein beliebter Treffpunkt für Motorfans und Autoliebhaber. Auch das Open-Air Kino der AGR und Hertener Stadtwerke zieht jeden Sommer zahlreiche Besucher auf das Gelände der stillgelegten Zeche Ewald und verspricht seinen Gästen ein Kino-Spektakel der besonderen Art. Außerdem haben hier der RevuePalastRuhr in dem ehemaligem Gebäude der Heizzentrale und die ExtraSchicht, die Nacht der Industriekultur, eine Heimat gefunden.

Panik auf der Zeche

Welchen Bekanntheitsgrad ein Ort erreicht hat, zeigt sich meist anhand der dort erscheinenden Prominenz. Auch schon Udo Lindenberg besuchte die Zeche Ewald. Mit Hut, Jackett und violettem Schal inspizierte er Ewald und die Halde Hoheward, da er schon viel Interessantes über den Standort gehört hatte. Der Panik-Meister überraschte dort ahnungslose Spaziergänger, die ihren Augen kaum trauten. "Echt geiles Gelände!", befand Lindenberg, der sicher noch einmal vorbeischauen wird - an einem sich rasant entwickelnden Ort der Kultur und Zukunft.

Projekt Ewald/Zeche Ewald

Werner-Heisenberg-Straße
Herten

Anfahrt:
Der Landschaftspark Emscherbruch liegt verkehrsgünstig an den Autobahnen A 2 (Ausfahrt Herten), A 42 (Ausfahrt Herne-Wanne) und A 43 (Ausfahrt Recklinghausen-Hochlarmark).

Foto 1: 2818784, Pixabay
Foto 2: andreamenge, Pixabay
Foto 3: RTG/Nielinger

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