Didacta 2007 – "Let´s make music"

Vor wenigen Tagen schloss die einmal jährlich stattfindende größte Bildungsmesse Europas ihre Pforten. Erstmals konnte die Didacta in diesem Jahr zusätzlich am Samstag besucht werden. Da an Schulen in der Post-Pisa-Phase jedweder Unterrichtsausfall stärker in den Blick genommen wird, hatten die Messeplaner zusätzlich einen unterrichtsfreien Tag einbezogen. Auf diese Weise hatten auch Lehrerinnen und Lehrer von Schulen, an denen die Empfehlungen allzu eng ausgelegt werden, die Möglichkeit, das Angebot wahrzunehmen.


[ruhr-guide] Wie groß die Entscheidungsspielräume Didacta 2007 – "Let´s make music"tatsächlich sind, zeigte sich – auch in diesem Jahr wieder – an der großen Zahl der Pädagogen, die die Veranstaltung an den ersten vier Tagen besuchten.

In diesem Jahr waren erstmals Schülerinnen und Schüler der Städtischen Realschule Meinerzhagen aktiv in das Rahmenprogramm eingebunden. Bereits am Freitag hatte eine ganze Klasse die Didacta besucht, am Tag darauf eine weitere Gruppe, die sich erst wenige Woche zuvor gefunden hatte, um ein kleines Programm einzustudieren, das auf der Bühne von "Let's make Music" mehrfach präsentiert wurde.

In Halle 9 fanden um 12.00 und um 15.00 Uhr jeweils Darbietungen für eine halbe Stunde statt. Vorgestellt wurde zunächst das Konzept "Ein Weg zur Musik", das vor vielen Jahren an der SRM entwickelt wurde und inzwischen bundesweit an etlichen Schulen eingesetzt wird. Im Zentrum steht dabei die Blockflöte, ein Instrument, das im Kontext der Vermittlung der Elementarlehre nach wie vor eine zentrale Rolle im Musikunterricht der allgemein bildenden Schulen spielt.

Tatsächlich kann das Instrument durchaus einen Zugang zum praktischen Musizieren schaffen und Wege zu anderen Instrumenten öffnen. Und das war der zweite Schwerpunkt im Bühnenprogramm: diejenigen, die die Grundlagen auf dem Instrument im Griff hatten, waren zuvor auf ein Instrument umgestiegen, auf das alle Kenntnisse übertragen werden konnten. Das Instrument heißt Clarineau und ist eine Kreuzung aus Blockflöte(ngriffen) und Klarinette(nmundstück).

Klassenmusizieren heißt die Bewegung, die mal mit Orchesterblas-, mal mit Streichinstrumenten, mal mit Gitarren und eben auch mit der Blockflöte oder dem Clarineau neue Signale setzt. Hinter diesem Aufbruch steckt die Idee einer Didacta 2007 – "Let´s make music"allgemeinen musikalischen Alphabetisierung mit deutlichem Praxisbezug. "Jedem Kind ein Instrument" heißt zum Beispiel ein Projekt des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kulturstiftung des Bundes und der Zukunftsstiftung Bildung unter Beteiligung der Kommunen und privater Förderer. Es ist ein musikpädagogisches Angebot für das Ruhrgebiet im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 und umfasst etwa 1000 Grundschulen mit 212.000 Schülerinnen und Schülern. Das Budget an Fördergeldern ist beachtlich.

Außerhalb dieser Region wird man nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten müssen. Der Gedanke "Jedem Kind ein Instrument" sollte allerdings nicht aus dem Blick geraten. Im vergangenen Jahr hatte beispielsweise ein örtliches Musikgeschäft ein Projekt unterstützt, in dem eine ganze Klasse der Städtischen Realschule Meinerzhagen Blockflöten – in barocker Griffweise – gebaut hatte. Der Händler hatte alle anfallenden Kosten übernommen. Die Instrumente wurden auf der diesjährigen Didacta präsentiert.

In Köln spielten die Schülerinnen und Schüler der SRM auf der Bühne von "Let's make Music" in der Halle 9, einem bundesweiten Zusammenschluss zahlreicher Instrumentenhersteller. "Let's make Music" ist seit Jahren nicht nur auf der Didacta, sondern auch auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt vertreten, die einmal jährlich im März/April stattfindet. Zu einem wirklichen Faktor aber wurde der Zusammenschluss erst seit dem Wechsel in der Geschäftsführung. In diesem Jahr hatte erstmals Jo Kunath, engagierter Holzblasinstrumentenmachermeister aus Fulda, alle Fäden in der Hand. Er versteht es wohl wie keine zweiter, die Impulse, die von allen Seiten kommen, zu koordinieren und zu multiplizieren.

Didacta 2007 – "Let´s make music"In Halle 9 gab es außerdem Informationen und Kurzworkshops rund um das Thema "Musik in der Schule". Klassenmusizieren, Musikklassenkonzepte, Instrumente und Unterrichtsmaterialien standen im Mittelpunkt der Sonderschau.

Die Rahmenbedingungen für die Vorbereitung des Messebesuchs mussten zu Beginn des laufenden Schuljahres allerdings erst konstruiert werden, denn eigentlich findet im Jahrgang 6 an der SRM kein Musikunterricht statt. In beiderseitigem Einverständnis – zwischen dem Klassenlehrer und der Klasse 6 - wurde von Beginn des Schuljahres an eine zusätzliche Unterrichtsstunde eingerichtet, die ganz im Zeichen der Musikpraxis stand. Nach und nach wurden die musikalischen Beiträge für den Messeauftritt erarbeitet.

Die nächste Bildungsmesse findet übrigens 2008 in Stuttgart statt. Ein Schüler schlug in der Nachlese vor, den Besuch und einen Auftritt auf der "Let's make Music"-Bühne mit einer Klassenfahrt nach Stuttgart zu verbinden – ein Gedanke, der von allen anderen begeistert aufgenommen wurde.

In dem kleinen Ort Meinerzhagen findet Ende 2008 ein Wettbewerb statt, bei dem die jungen Musikerinnen und Musiker noch einmal eine ganz große Bühne betreten können. Es handelt sich um den Wettbewerb Folk&World-Music 2008. Die Veranstaltung des Landesverbandes der Musikschulen in NRW e.V. in Kooperation mit dem Landesmusikrat NRW konnte tatsächlich in die Stadt an der Volme geholt werden. Angesprochen sind dabei nicht nur Laienmusikvereine, sondern vor allem auch die allgemein bildenden Schulen.

Eine Teilnahme wird zweifelsohne eng mit den individuellen Rahmenbedingungen der einzelnen Schulen verknüpft sein. Denkbar wäre zum Beispiel der Einbezug von Klassenmusizierprojekten oder auch Ergebnissen aus verschiedenen Instrumental-Arbeitsgemeinschaften - wenn diese denn stattfinden.

(Stefan Wennemann)

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