Schöner Wohnen auf der Kiefernstraße

In Düsseldorf-Flingern wurden bis zum 3. September Hausfassaden der legendären Kiefernstraße von Jugendlichen, Künstlern und Anwohnern künstlerisch gestaltet. Ideen, die in die Gestaltung einflossen, waren u.a. die Realität einer multikulturellen Gesellschaft, Antirassismus und die Utopien anderer Welten.

Die Kiefernstraße mit ihrem besonderen multikulturellen Charakter und ehemalige Hausbesetzermeile wurde durch diese öffentlich viel beachtete Aktion nicht nur gewürdigt, Arbeiten an der Fassade der Kiefernstraßesondern vor allem optisch aufgewertet. Initiator ist der gemeinnützige Verein Farbfieber, der mit künstlerischen Mitteln die Begegnung und Kommunikation der Menschen anregen will und insbesondere die Völkerverständigung fördert. Hervorgegangen aus der Wandmalgruppe Düsseldorf, die 1978 erste Wandbilder malte, organisiert Farbfieber seit 1987 zusammen mit dem Künstler Klaus Klinger Projekte zwischen Künstlern aus verschiedenen Nationen. Große öffentliche Wandbilder in vielen Ländern, die positive Zeichen setzen für das Zusammenleben in "Einer Welt".

Insgesamt 50.000 Euro konnten vom Ministerium für Städtebau, der Stadt Düsseldorf, dem Kulturamt und aus anderen Mitteln für das Graffiti-Festival beschafft werden. Die Motivauswahl für die zu gestaltenden 700 Quadratmeter erfolgte basisdemokratisch und die Ideen der Sprayer und Bewohner wuchsen bei einer dreitägigen Beratung des Fassaden-Findungs-Komitees zu einem einheitlichen Konzept zusammen. Drei Fassaden der Kiefernstraße wurden so in diesem Schritt aufwendig Sprayer Deniz macht bei der Graffiti-Aktion der Kiefernstraße mitsaniert und verschönert. Graffiti-Künstler aus Brasilien, Indonesien, New York und Amsterdam, lokale Sprayer sowie ca. 15 Jugendliche aus Düsseldorf und Umgebung machten bei der einmaligen Aktion mit.

Auch Norbert Machinek engagiert sich stark bei dem "Schöner Wohnen"-Projekt seiner Straße. Seit zwanzig Jahren lebt der ehemalige Hausbesetzer hier und wünscht sich schmunzelnd mit Marmorsäulen und goldenen Baldachinen insgesamt Prunk im römischen Stil. Wie die anderen Bewohner der städtischen Gebäude hofft auch er durch die Aktion einen für 2008 geplanten Abriss der Häuser abzuwenden. Optimistisch blickt auch Klaus Klinger in die Zukunft. Als einer der Koordinatoren der Graffiti-Aktion will er im nächsten Jahr die restliche Fassade der Kiefernstraße umgestalten.

Das Begleitprogramm zur Graffiti-Aktion beschäftigte sich mit der Geschichte der Kiefernstraße und der Wohnsituation in Düsseldorf im Allgemeinen, so als am 02. September der Frage "Lebst Du noch oder wohnst Du schon?" nachgegangen wurde. Auch musikalisch wurde der Aktion Rechnung getragen mit dem zweitägigen Punkfestival "This is Flingern – not L.A.". Am Freitag, 3. September, und Samstag, 4. September, traten im AK47 Bands wie Brigada Flores Magnon (Paris), District (Bochum), Tor Johnson (Oberhausen), Agrotoxico (Argentinien), Norden (Hamburg) und Carlos M. (Aschaffenburg) jeweils ab 19 Uhr auf. Am Samstag, 4. September, stieg außerdem das große Straßenfest in der Kiefernstraße, womit die Graffiti-Aktion ihren würdigen Abschluss erhielt.

farbfieber.de informiert laufend über das Fortschreiten der Graffiti-Aktion in Düsseldorf.

(sl)

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