Inline-Skating und Verkehrserziehung

Die Zahlen über aktive Inline-Skater belaufen sich auf etwa 13 Millionen – bundesweit. Es wäre an der Zeit, eine Art Grundausbildung zum Thema Inline-Skating mit in die Verkehrserziehung der Schulen einzubinden.

In vielen Grundschulen Inline-Skating und Verkehrserziehungfindet im Laufe des vierten Schuljahres eine intensive Fahrradausbildung mit anschließender Prüfung statt. In anderen Jahrgängen setzt man sich ausführlich mit dem sicheren Schulweg auseinander. Hier und da findet in weiterführenden Schulen ein Mofaausbildung statt, aber … was passiert eigentlich in den anderen Klassen?

Irgendwann in grauer Vorzeit gab es mal einen Erlass in NRW, der alle Lehrerinnen und Lehrer in die Pflicht nahm. Das war im Jahre ´73. Wenige Jahre später erschienen dann ausführliche Handreichungen mit etlichen Anregungen. Verkehrserziehung, das ist nach wie vor ein Thema in allen Schulformen. Die Zahl der jährlich abzuleistenden Unterrichtsstunden ist festgelegt, die möglichen Themen sind vielfältig. Die Verantwortung liegt in den Händen der Lehrer, entsprechende Fortbildungen sollten kollegiumsintern – d. h. gemeinsam mit dem ganzen Kollegium einer Schule – durchgeführt werden.

Aber welche Schwerpunkte sollte man setzen? Längst haben auch Verkehrsunternehmen das Thema entdeckt. Immer neue Konzepte entstehen – beispielsweise das der Schulbusbegleitung. Der Umgang miteinander vor und im Schulbus ist in der Tat relevant für die Sicherheit. Damit lässt sich an dieser Stelle durchaus ein Stück Verkehrserziehung bewerkstelligen.

Die aktuellen Zahlen über aktive Inline-Skater belaufen sich auf etwa 13 Millionen – bundesweit. Wie groß ist wohl die Zahl derer, die die Spielregeln des Straßenverkehrs nicht beherrschen? Auch hier ergäbe sich ohne Zweifel ein interessanter Anknüpfungspunkt für eine sinnvolle Verkehrserziehung.

In Baden-Württemberg gibt es eine Initiative in Zusammenarbeit mit dem Innen- und Kultusministerium zur Verbesserung der Sicherheit der Inline-Skater. Eigentlich ist der Gedanke nicht schlecht.

Im Jahre 1980, als die Handreichungen erschienen, dachte man weder an Skates, noch an Skateboards. Die gab es in Deutschland einfach noch nicht. Die ersten Halfpipes entstanden in dieser Zeit gerade – und zwar für Skateboarder.

Inline-Skater dürfen weder auch der Straße, noch auf Radwegen fahren. Der Gesetzgeber sieht sie nach wie vor als eine Art Spielzeug an. In den letzten Jahren sind immer neue Plätze für Skater entstanden, aber das ist ja nicht das, was die Mehrheit sucht. Die Fitness-Skating-Welle ist ungebrochen. Zahlreiche Skater halten sich im Straßenverkehr auf, legen häufig große Entfernungen mit hohen Geschwindigkeiten zurück, denn das Material wird immer besser.

Es wäre an der Zeit, auch bei uns eine Art Grundausbildung mit in die Verkehrserziehung einzubinden, denn neben mangelnden theoretischen Kenntnissen fehlt es in der Praxis oft an Grundfertigkeiten. Ein gezieltes Training von Bremstechniken wäre in dem Zusammenhang vielleicht nicht so spektakulär wie die angesagten Figuren der Saison in der Halfpipe, aber vermutlich mindestens ebenso sinnvoll.

Als vor Jahren in einem kleinen Ort im Sauerland ein Inline-Skater-Park (www.inline-skater-park.kulturserver.de) eingeweiht wurde, war man noch nicht sicher, ob der Boom anhalten würde. Man war zuvor überhaupt nicht sicher, ob man sich dafür aussprechen oder die Bedenken besser so lange mit großem Aufwand verwalten sollte, bis der Boom schließlich vorbei sei. Aus dem Projekt wurde dann doch etwas. Möglich wurde es durch ein erhebliches Spendenaufkommen in der Bevölkerung. Inzwischen finden im Park regelmäßig Schulprojekte statt, in denen die Sicherheit eine große Rolle spielt.

Damals kam die Idee auf, die Anlage zu überdachen, damit sie zum Beispiel auch im Rahmen des Schulsports genutzt werden könnte, denn … Stundenpläne richten sich nun mal nicht nach dem Wetter.

Jetzt hat ein ortsansässiges Architekturbüro das Angebot einer kostenlosen Planung für die Überdachung gemacht – sozusagen als Spende. Wenn daraus tatsächlich etwas werden sollte, dann würde das vermutlich auch die Attraktivität der Jugendherberge, die ganz in der Nähe liegt, steigern. Damals – im Jahr der Eröffnung des Parks – hatte das Jugendherbergswerk damit geworben, dass der kleine Ort im Sauerland nun zum Mekka der Inliner aufsteigen würde. Zurzeit ist dieser Aufstieg zwar noch äußerst schleppend, aber … immerhin gibt es neue Hoffnung.

(Stefan Wennemann)

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