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Spielvereinigung Erkenschwick: Das gallische Dorf

Die Spielvereinigung Erkenschwick: erster Tabellenführer der Oberliga West und ein Zechenverein mit ganz besonderer Mentalität. Der Klub hat Oer-Erkenschwick, die Stadt ohne Bahnhof, erst bekannt gemacht.


[wmp] Erkenschwicker Kicker von 1947.Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert bei der Spielvereinigung Erkenschwick. Der Verein lebt von seiner Tradition, der familiären Atmosphäre und einer ganz besonderen Einstellung. "Von ihrer Mentalität her ist die Spielvereinigung wie das kleine gallische Dorf aus den Asterix-Comics, das sich gegen die großen Römer zur Wehr setzt", sagt der Fußballhistoriker Ralf Piorr und ergänzt: "Wer einmal für den Verein aktiv war, ist meist auch dort geblieben." Zudem besitzt der Klub in Oer-Erkenschwick eine große Fan- Gemeinde. Und so hält sich die 1916 gegründete Spielvereinigung bis heute in der Oberliga, immerhin der zweithöchsten Amateurklasse.

Bergbau sorgte für Aufschwung

Julius "Jule" Ludorf - der Torjäger.Doch ihre große Zeit liegt schon mehr als 50 Jahre zurück. Zwischen 1943 und 1953 spielte Erkenschwick in der höchsten deutschen Spielklasse. Entscheidenden Anteil am Aufschwung hatte der Bergbau. Das 20.000 Zuschauer fassende Stimbergstadion - während der Nazi-Herrschaft Hindenburg- Stadion - wurde zwischen 1929 und 1934 auf dem Gelände der Zeche "Ewald-Fortsetzung" errichtet. Wie bei den Zechenvereinen SV Sodingen und Sportfreunde Katernberg spielten dort fast ausnahmslos Bergleute. Den Sportlern boten sich einige Vorteile: Sie mussten nicht ganz so hart arbeiten, bekamen zusätzlich zum Lohn noch Nahrungsmittel oder andere Sachleistungen. "Besonders vor der Währungsreform war die Kohle also Gold wert", erklärt Piorr.

Sönke Wortmann führte Regie im Mittelfeld

Trainiert vom Schalker Spieler Ernst Kuzorra stieg die Spielvereinigung 1943 in die Gauliga Westfalen auf. Damit machte der Verein die relativ unbedeutende Stadt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets mit etwa 30.000 Einwohnern, aber ohne eigenen Bahnhof, auch überregional bekannt. Am ersten Spieltag der neugegründeten Oberliga West besiegte Erkenschwick Alemannia Aachen mit 5:0 und war erster Tabellenführer. Wenige Wochen später gewannen die Erkenschwicker 2:1 in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn gegen den FC Schalke 04, für den auch ihr ehemaliger Trainer Kuzorra auflief. Das bedeutete die erste Schalker Heimniederlage nach Kriegsende. Nach einigen erfolgreichen Jahren mit einstelligen Tabellenplätzen in der Oberliga West, stieg der Verein 1953 ab. Erinnerungen an diese große Zeit wurden noch einmal wach als Erkenschwick 1969 im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft stand, allerdings gegen den SC Jülich verlor. Oder Mitte der 70er, Anfang der 80er Jahre als die Spielvereinigung in die Zweite Bundesliga aufstieg. Im Mittelfeld spielte damals übrigens der spätere Filmregisseur Sönke Wortmann (unter anderem "Das Wunder von Bern").

(Jens Witte, WM-Portal Dortmund)

Fotos Der Pott ist rundaus "Der Pott ist rund". Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Ralf Piorr. Lesen Sie zu diesem herausragenden Buch auch unsere Rezension zu Band 1 und Band 2.

Der Pott ist rund.
Das Lexikon des Revierfußballs
Band 1: Die Chronik 1945 bis 2005
Band 2: Die Vereine – 1945 bis 2005

Ralf Piorr (Hg.), Essen 2005 und 2006,
Klartext-Verlag, jeweils 29,95 Euro,
Band 1: ISBN 3-89861-358-5
Band 2: ISBN 3-89861-356-9