Im Sauerländer Besucherbergwerk in Bestwig können Sie selbst unter Tage fahren und bei verschiedenen Events und Workshops viel über das ehemalige Erzbergwerk und die Entstehung erfahren. Und das nur rund eine Stunde Autofahrt vom Ruhrgebiet aus. Geschichte hautnah erleben!

[ruhr-guide] Sei es die alte Abbautechnik, der Förderwagenumlauf oder das Erkunden und Entdecken der Ausstellungstücke im Bergbaumuseum, für jeden ist etwas im Sauerländer Besucherbergwerk dabei.
Ein Erfahrungsbericht
Nachdem man durch den alten Eingang des Erzbergwerks Ramsbeck eingetreten ist, wird einem schnell klar: hier wird Geschichte belebt und zugänglich gemacht. Sofort steht man in der großen Halle, in der früher auch die Bergarbeiter für ihre acht Stunden Schicht eingetroffen sind, zur rechten führt ein langer Flur Richtung Umkleide und Bahnhof. Es ist in Großbuchstaben angeschrieben.
Den gefliesten Flur schmücken links und rechts Infotafeln, die die Geschichte des Erzbergwerks bis zur Schließung 1974 erzählen. Zwei Türen führen links in einen weiteren großen Raum, dem Magazin. Hier werden die Ausrüstung der Bergarbeiter, ihre Werkzeuge und alles, was sie für die Arbeit unter Tage in der Dunkelheit brauchten, präsentiert. Helme, Essbesteck, Lampen, Spitzhacken und die Schachttoilette. Ein kleiner Bereich zeigt eine typische Sprengung. In einer anderen Halle wird die große Maschinerie ausgestellt.

Einfahrt ins Erzbergwerk
„Einfahrt! Zur Einfahrt bitte in die Umkleide!“ ertönt es über Lautsprecher im ganzen Museum. Es ist das Zeichen, dass es unter Tage geht. In der Umkleide, auch Kaue genannt, erhält jeder einen weißen Grubenhelm, bevor der Grubenführer die Gruppe zum Bahnhof leitet. In engen Wagons wird man etwa 1,4 km in das Berginnere gefahren. Der Helm hat sich jetzt schon gelohnt. Um die zehn Minuten fährt man durch die Dunkelheit, die durch die ein oder andere vorbeiziehende Lampe durchbrochen wird. Ein konstanter Begleiter ist hierbei der schallende Lärm der Lok.
Dann heißt es Aussteigen. Anders als in Kohlebergwerken ist es hier kalt, um die 10 Grad. Wasser tropft etwas weiter hinten in regelmäßigen Abständen auf den Boden. Über einem sind nun etwa 300 m Gestein und fast der Vergnügungspark Fort Fun. Der Weg hier unten wirkt relativ ordentlich, kein Matsch oder übermäßiger Dreck. Nur lauter Steine und Geröll. Zur Rechten liegt ein Teil des Stollens, der nicht regelmäßig gereinigt wird. Dieser zeige eher, wie es während des Erzabbaus aussah. Man wird an der Schaltungsanlage und einem riesigen zwei Korb-Aufzug, der schräg durch den Berg läuft, vorbeigeführt. An einem weiteren Schachtaufzug, der des Blindschachts, bleibt man stehen. Dieser habe die Arbeiter und Förderwagen von Sohle zu Sohle befördert, so der Grubenführer. Er sei auf enorme Lasten ausgelegt gewesen und habe Personen mit bis zu 8 m die Sekunde gefahren.
Viele Informationen werden vermittelt. Wie der Aufzug und die dazugehörigen akustischen Signale, inklusive Demonstration, funktionierten, über die Wasserpumpe, die diese Ebene, den Eickhoffstollen, begehbar hält und auch über die anderen Sohlen. Vier davon über den Köpfen, sieben unter den Füßen. Doch diese unteren seien mittlerweile mit 33 Millionen Kubikmetern Wasser geflutet und damit unzugänglich.

Pferdeställe und die Heilige Barbara
Nächster Halt sind die früheren Pferdeställe. Bevor der technische Fortschritt den Bergbau erreichte, haben Grubenpferde die Loren gezogen. Die meisten seien blind gewesen, erzählt der Grubenführer. Sie hätten hier unten ja eh nichts sehen müssen. In den höheren Sohlen sei es schwieriger mit den Pferden gewesen, da deren Ställe über der Erde gelegen waren und die Tiere regelmäßig, gerade an warmen Tagen, versuchten sich zu weigern in den dunklen, kalten Stollen zu gehen.
Dann eine stark ausgeleuchtete, altarähnliche Ausbuchtung in der rechten Wand. Eine weibliche Porzellanfigur erhellt die Dunkelheit um sie herum, geschützt von einer Glasscheibe vor Staub und neugierigen Händen. Dies sei die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. Es sei nicht mehr die originale Figur aus der aktiven Zeit des Erzbergwerks, aber diese stehe auch schon einige Jahrzehnte an dieser Stelle. Trotz der Stilllegung des Werks gäbe es immer noch jedes Jahr am vierten Dezember eine Messe, um die Heilige Barbara zu ehren.

Vom Kieselkipper bis zum Förderband
Entlang der Schienen der Förderwagen gelangt man schließlich zum Kieselkipper. Dieser drehte die Loren um 180 Grad und entleerte so den Inhalt in den darunter gelegenen Bunker. Hier sei Platz für bis zu 6000 Tonnen Gestein.
Durch einen schmaleren, engeren Teil des Eickhoffstollen hindurch, kommt man zum Bohrwagen. Nachdem früher zuerst mit Spitzhacken abgebaut, dann mit Beilen und Hämmern Löcher für den Sprengstoff gegraben wurden sei, kam schließlich der Bohrwagen auf Rädern. Dieser steigerte die Effektivität immens. Mit einer unglaublicher Lautstärke von 116 Dezibel hätte dieser die Löcher für den Sprengstoff deutlich schneller gebohrt. Allerdings seien die Arbeiter, die diesen bedienten, in kürzester Zeit schwerhörig oder taub geworden. Eine prompte Demonstration folgte. Hörschutz gab es damals noch nicht. Deswegen hätten ihre Ehen gehalten, scherzte der Grubenführer. Wenn man nichts höre, könne man sich auch nicht mit der Ehefrau streiten.
Im nächsten Abschnitt wird es etwas kühler. Eine dünne Erzader verläuft durch die Wand. Dann kommt das Förderband. Vom Kieselbunker aus läuft es schräg durch den gesamten Berg bis hin zur Aufarbeitung Willibald, damit dann schließlich das Gestein damals weiter geliefert werden konnte. Das meiste sei nach Stolberg bei Aachen gegangen und dort per Bahn hingeliefert worden. Durch die Öffnung des Bergwerks beim Förderband und den Eingang vom Bahnhof, herrsche ein leichter Durchzug in der Sohle, der so automatisch für die Belüftung sorge. Für die unteren Sohlen hätte man aber damals riesige, stromfressende Ventilatoren benötigt.

Einfahrts-Ende
Danach ist man auch schon wieder an der Bahn angekommen und wird zurück zum Bahnhof gefahren. Noch ein Mal hat man die Chance, die Kaue inklusive der unter der Decke hängenden Röhren, in denen die Bergleute früher während ihrer Schicht ihre Kleidung verstauten, zu bestaunen, bevor man die Helme wieder abgibt und zurück ins Museum entlassen wird.
Im Museum gibt es dann noch weitere spannende Sachen, wie die Lohnausgabe, den Schreibtisch des früheren Erzbergwerk-Direktors und Mineralien, die vor Ort abgebaut wurden sind. Darunter Blei, Zink und Silber.

Warum Sie auch beim Sauerländer Besucherbergwerk Ramsbeck vorbei schauen sollten
Gerade wenn Sie aus dem Ruhrgebiet kommen, dann kennen Sie bestimmt den Bergbau unter Tage, aber in Ramsbeck können Sie den Bergbau in einem echten Berg begutachten. Es ist ein einmaliges Erlebnis, bei dem jeder etwas dazu lernen kann und es sehr viel zu entdecken gibt. Wenn man mit Grubenhelm in der Bergwerksbahn sitzt, wie es die letzten Bergleute auch getan haben, und ins Dunkle gefahren wird, dann fühlt man sich schon fast selbst wie einer der Bergleute.
Immer wieder bietet das Sauerländer Besucherbergwerk auch besondere Events an. Darunter zum Beispiel die KnappenSchicht, bei der man mit einer Taschenlampe und kleinerer Gruppe das Bergwerk noch tiefer erkundet, oder das Gruben-Light-Dinner. Hier wird der Eickhoffstollen romantisch ausgeleuchtet und man kann Kulinarik im 3-Gänge-Menü genießen.
Bei gutem Wetter könnten Sie den Ausflug auch mit einem Abstecher zu den Bruchhauser Steinen kombinieren oder auf der Rückfahrt am Möhnesee einen Zwischenstopp mit einem Sprung ins kühle Nass einlegen.
Sauerländer Besucherbergwerk
Glück-Auf-Straße 3
59909 Bestwig-Ramsbeck
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 9 bis 17 Uhr
Montags geschlossen
Grubenabfahrten
10 Uhr, 11:30 Uhr, 13 Uhr, 14:30 Uhr und 16 Uhr
Eintritt
Museum und Besucherbergwerk:
Erwachsene (ab 16 Jahren): 11 €
Ermäßigt und Kinder: 7 €
Familienkarte (zwei Erwachsene und beliebig viele eigene Kinder): 29 €
Kinder bis einschließlich 3 Jahren: frei
Museum ohne Besucherbergwerk
Erwachsene: 4 €
Ermäßigt: 2 €
Das Sauerländer Besucherbergwerk ist Partner der RuhrTop Card und gewährt einmaligen freien Eintritt gegen Vorlage.
(Stand: Feb. 2026, alle Angaben ohne Gewähr)
Weiter Informationen hier.
Fotos: Larissa Schulz




