Ben Becker: Zusatztermine für „ICH, JUDAS“ in Bochum

Nachdem alle bisherigen Vorstellungen von Ben Beckers Judas-Verteidigung restlos ausverkauft waren, haben die Veranstalter nun letztmalig Zusatztermine für diese außergewöhnliche Performance bekannt gegeben. Auch in Bochum sind im April Aufführungen in der Christuskirche geplant. Ursprünglich als einmalige Vorführung angedacht, tourt Schauspieler Ben Becker mit dem Programm seit 2015 durch Deutschland und verzaubert damit Zuschauer und Fachleute.

Schauspieler Ben Becker, Foto: Fritz Brinckmann [ruhr-guide] Die Geschichte Judas wird in dem Stück neu interpretiert. Der Jünger Judas gilt mit seinem Verrat an Gottes Sohn als der ultimative Sündiger, aber urteilen wir da nicht etwas zu schnell? Hat Judas wirklich kein Recht auf Vergebung oder geben wir uns damit einer falschen Gewissheit hin? Dem neuen Testament nach hat Judas die Festnahme in Jerusalem im Garten Getsemani und damit die anschließende Kreuzigung von Jesus von Nazareth ermöglicht. Ben Becker weigert sich diesen Ansichten Glauben zu schenken und verteidigt die Ehre Judas basierend auf einem Text von Walter Jens mit dem Titel „Die Verteidigungsrede des Judas Ischariot“.

Die Frage der Schuld

Mit der Überlieferung der Geschichte wurde zugleich auch ein Urteil gefällt, wird doch sogar im Lukas Evangelium wortwörtlich von Verrat gesprochen. Diese Annahmen können jedoch angezweifelt werden, wenn bedacht wird, dass der Aufenthaltsort Jesus bereits bekannt war. Auch seine Identität als Sohn Gottes hat er doch selbst vor versammelter Mannschaft preisgegeben, so Becker in „Ich, Judas“. Feindbilder und Vorverurteilungen sind in der Gesellschaft fest verankerte Muster und doch werden sie in diesem Stück in Frage gestellt.

Heilige Vorstellung

Der Schauspieler Ben Becker hat sich bei der ungewöhnlichen Vorstellung für Kirchen als Aufführungsort entschieden. Das Haus Gottes ist auch gleichzeitig der Ort, an dem Vergebung und Sünde sich so nah sind, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Für die richtige Atmosphäre sorgt Domorganist Andreas Sieling an der Orgel mit Stücken von Johann Sebastian Bach, die in Zusammenhang mit Bühne und Inhalt, eine sakrale Wirkung ausüben. Mächtige Klänge und sanfte Melodien begleiten den Protagonisten auf seinem Weg zur Rechtfertigung Judas.

Judas als Kinostar

Mit Ben Beckers Performance hat die Produktion auch Film und Fernsehen in ihren Bann gezogen. Nachdem bereits im März 2016 ein Fernseh-Beitrag auf ARTE erschienen ist, wurde dem Stück nur wenige Zeit später ein ganzer Film gewidmet. Der gleichnamige Kassenschlager, der im Oktober 2017 in allen großen deutschen Kinos zu sehen war, begeistert mit seiner visuellen Gestaltung der Geschichte Judas 87 Minuten lang das Publikum. Für ein authentisches Erlebnis ist jedoch ein Besuch der vorerst letzten geplanten Vorführungen von „Ich, Judas“ empfehlenswert.

Ben Becker: Ich, Judas


Foto: Fritz Brinckmann
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