Ruhrfestspiele Recklinghausen 2019

Das diesjährige Motto der Ruhrfestspiele lautet Politik und Poesie. Olaf Kröck beginnt als neuer Intendant der Veranstaltung mit einem Umbruch, der tief in die Strukturen unserer Gesellschaft reicht. Was kann uns die Kunstform des Theaters in einem zunehmend digitalen und vor allem schnelllebigen Zeitalter geben? Die Ruhrfestspiele Recklinghausen bringen eine einmalige Verbindung von Politik und Poesie auf die Bühne.

Ruhrfestspiele Recklinghausen , Foto: Ruhrfestspiele [ruhr-guide] Die Ruhrfestspiele Recklinghausen sind dafür bekannt, dass sie ihre Zuschauer mit einem bunten und kaum zu übertreffenden Facettenreichtum verwöhnen. Nicht ganz so bekannt ist allerdings, dass die Ruhrfestspiele in einer sehr langen und faszinierenden Tradition wurzeln: Wegen der außergewöhnlichen Kälte des Winters 1946/47 drohte den Hamburger Theatern die Schließung, da ihnen an Kohle für die Beheizung und den Betrieb der Bühnenanlagen mangelte. Das Theatermilieu war also voll und ganz auf die Hilfe der Kohlenzechen angewiesen. Die Bergleute hatten das Risiko auf sich genommen und mehrfach Kohle illegal "vorbeigeschleust". Mit der theatralischen Dankesgeste "revanchierten" sich die Hamburger Bühnen im Sommer 1947, als sie unter dem Motto "Kunst gegen Kohle" im Städtischen Saalbau Recklinghausen gastierten. Sehr berüchtigt ist die Rede zu den ersten Festspielen vom damaligen Hamburger Bürgermeister Max Brauer geworden: "Ich kann mir eine andere und neue Art der Festspiele vorstellen. Festspiele nicht nur für Literaten und Auserwählte, sondern Festspiele inmitten der Stätten harter Arbeit. Ja, Festspiele im Kohlenpott vor den Kumpels. Ja, Festspiele statt in Salzburg in Recklinghausen." Seitdem hat sich viel verändert, aber ihrem ursprünglichen Wesen sind die Ruhrfestspiele treu geblieben.

Ruhrfestspiele Recklingshausen Motto, Foto: Ruhrfestspiele

Politik und Poesie

Die Ruhrfestspiele Recklinghausen besinnen sich in ihrem diesjährigen Programm auf ihren eigenen Ursprung und deuten dabei auf aktuelle Entwicklungen unserer Gesellschaft. In Zeiten kontinuierlicher Entfremdung sieht Olaf Kröck die Aufgabe des Theaters darin, durch seine emotionale Wirkung einen Gegenimpuls zu setzen. Dabei steht die schier unmögliche Verbindung von Politik und Poesie im Vordergrund und nimmt Einfluss auf die insgesamt 90 Produktionen mit rund 210 Veranstaltungen, die vom 01. Mai bis zum 09. Juni in Recklinghausen zu sehen sein werden. Zusätzlich zum Ruhrfestspielhaus gibt es zahlreiche weitere Spielstätten wie das Theater Marl oder die Christuskirche, in denen die Gäste sich an vielfältigen Darbietungen erfreuen können. Die mehr als 850 beteiligten Künstlerinnen kommen aus 16 unterschiedlichen Ländern. Auch ihr Fokus liegt in der Zusammenarbeit und dem Besinnen auf Gemeinsamkeiten statt auf Unterschieden.

Eine Eröffnungsfeier der Extraklasse

Das Eröffnungswochenende bietet eine bunte Mischung aus Tanz, Theater, Konzert und vielem mehr. Die feierliche Eröffnung am 03. Mai folgt dem beliebten Kulturvolksfest am 01. Mai und beginnt mit einer Rede der vielfach ausgezeichneten Autorin Judith Schalansky. Anschließend sorgt der internationale Tanzabend „Beytna“ des Maqamat Dance Theatre Lebanon für Stimmung. Am Samstag werden dann 100 Recklinghäuser ihre ganz persönliche Lebensgeschichte unter dem Motto „What Is the City but the People?“ auf einem Laufsteg in der City vorstellen. Es folgen eine Uraufführung, Lesungen und Gespräche, unter anderem mit einer Literaturnobelpreisträgerin, sowie die Vernissage von „Temp EST“ der israelischen Künstlerin Penny Hes Yassour und ein Konzert.

Highlights

Weitere Programmhöhepunkte der Ruhrfestspiele 2019 sind die Deutschlandpremieren von Peters Brooks „The Prisoner“ und Ivo van Hoves „Ein wenig Leben“, nach dem Roman von Hanya Yanagihara. Außerdem haben die Gäste an drei Abenden die Möglichkeit mit dem Literaturkritiker und Moderator Denis Scheck zu sprechen und diskutieren. Das Festival präsentiert zudem die Eigenproduktion „Hüller trifft Hauschka“, die mit den beiden oscarnominierten Künstlern Sandra Hüller und Volker Bertelmann alias Hauschka heraussticht. Im Theater Marl wird mit der Deutschlandpremiere von „Boutelis“ (Compagnie Lapsus aus Frankreich) der Neue Zirkus eröffnet. Die Besucher der Ruhrfestspiele können sich auch in diesem Jahr auf 40 Tage voller Kulturellem Austausch, Dramaturgischer Darstellungen und inspirierender Veranstaltungen freuen!

Ruhrfestspiele Recklinghausen 2019

1. Mai bis zum 09. Juni

Der Kartenvorverkauf läuft seit dem 01. Februar 2019.
Infos unter www.ruhrfestspiele.de

Fotos: Ruhrfestspiele