Lehrreiche und spannende Exkursionen für Kinder im Ruhrgebiet

Ausflugsziele und Erlebnismöglichkeiten für Eltern mit Kindern oder Kinder in Betreuung von Erwachsenen gibt es im Ruhrgebiet zahlreich. Etliche davon bringen eine Menge Spaß und bei manchen kann man sogar noch etwas lernen. Es gibt aber auch Ausflugsziele, bei denen sich Spaß und interessanter Inhalt die Waage halten. Ob ein interaktiver Museumsbesuch, das authentische Gespräch mit echten Stollenarbeitern oder Naturbeobachtungen und Hilfe beim Naturschutz – das Ruhrgebiet hält jede Menge Möglichkeiten bereit, die es nur noch zu nutzen gibt, bzw. die Kindern ermöglicht werden sollten!

Kinder lieben es, ihre Umgebung auf spannende Weise kennenzulernen und dabei etwas zu lernen. Exkursionsmöglichkeiten im Ruhrgebiet gibt es genau dafür zahlreich. fotolia.de © Robert Kneschke (#225171413)

Museen sind langweilig? Definitiv nicht alle!

Mit Kindern ins Museum gehen und ihnen dabei auf spannendere Weise die Welt erklären, als das mitunter stellenweise trockener Schulunterricht kann – das ist der Traum vieler Eltern. Der allerdings platzt nicht selten, sobald diese beim ersten Museumbesuch mit Nachwuchs merken, dass dieser sich für die Informationen rund um Mensch, Tier, Geschichte oder auch Industrie, Kunst und Kultur weniger interessiert, als für den Museumsshop, die weiten und großen Hallen und Gänge, in denen gut Verstecken und Fangen gespielt werden kann und die wenigen Bildschirme, auf denen kleine Filmchen laufen. Es gibt jedoch Museen, die sich genau dieser Tatsache bewusst sind und die anders an die Sache herangehen. Zwei dieser Museen im Ruhrgebiet wollen wir exemplarisch hervorheben:

1. Das Ruhr Museum
Speziell für Kinder und für Familien bietet das Ruhr Museum ein umfangreiches Programm. Da man sich hier bewusst ist, dass Kinder sich nicht lange begeistern lassen, wenn einfach trockene Informationen und langweiliges Wissen präsentiert wird, hat man sich etwas anderes ausgedacht. Kinder, so weiß man, lieben es, Rätsel zu lösen, auf Spurensuche zu gehen und Dinge herauszufinden. Also entwickelten die Ausstellungsmacher eine Museumstasche mit dem Namen "Rätsel-Reise Ruhr Museum". Diese Rätseltasche motiviert Kinder dazu, sich durch die Dauerausstellung zu Geschichte, Natur und Kultur des Ruhrgebietes zu bewegen und dabei auf eigene Art und Weise und mit diversen Utensilien ausgestattet spielerisch Wissen zu erschließen. Zu den Utensilien, auf die sie dabei zugreifen können, gehören nicht nur ein Forscherhandbuch, sondern etwa auch eine Lupe oder ein Periskop. Weiterhin finden sich im Angebot des Ruhr Museums zwei- bis dreistündige Workshops speziell für Kinder. Diese finden an verschiedenen Orten statt. So kann dem Kokskohlenbunker des Ruhr Museums oder dem Mineralien-Museum in Kupferdreh ein Besuch abgestattet werden. Doch auch an den Außenstellen des Museums finden Exkursionen statt. Einige Workshops sind für bestimmte Altersgruppen konzipiert und behandeln das gesamte Spektrum der Dauerausstellung und der Sammlungen des Ruhr Museums. Damit der Zugang Kindern leichter fällt, geht es vor allem auch um die praktische Erarbeitung des Themas: So kann gegraben, experimentiert, gespielt, geformt und "gefälscht" werden.

2. Das LWL-Industriemuseum Henrichshütte
Mindestens genauso gut, wie selbst ausprobieren, ist es, Profis und Fachmännern bei ihrem speziellen Handwerk, bzw. ihrer faszinierenden Arbeit zuzusehen. Nicht ohne Grund können Kinder mit heruntergeklappter Kinnlade reglos minutenlang vor Baustellen mit großen Kränen und Baggern stehen oder Polizisten bewundern, wo Erwachsene nicht einmal mit der Wimper zucken. Auf dem Gelände des LWL-Industriemuseums Henrichshütte in Hattingen wird genau solch eine Gelegenheit geboten. Und hier werden Kinder Zeugen eines Geschehens, dass sich eben nicht einfach alltäglich auf der Straße beobachten lässt. So finden jeden Mittwoch von 11 bis etwa 16 Uhr (ab April bis Oktober) Vorführungen in der Schaugießerei des Museums statt. Der erste Abguss findet um 13 Uhr statt und von 13.30 bis 14.45 können Kinder dabei sein, wie alle Schritte des Gießprozesses, alle vom Einformen des Modells bis zum Abguss durchgeführt werden. Kinder bekommen hier nicht nur einen Einblick in einen Vorgang, der sonst meist hinter verschlossenen Toren und Hallen stattfindet. Sie lernen auch noch etwas über die Geschichte des Gießens und dass beispielsweise viele Parkbänke, Mülleimer und andere Gegenstände, die sie aus ihrem Alltag kennen, in Gießereien entstehen. Darüber hinaus kann auf dem Gelände der Henrichshütte natürlich noch vieles mehr erlebt werden. Von Bunkertouren über Familienführungen bei Fackelschein bis hin zu Angeboten zu Kindergeburtstagen ist einiges geboten.

Fossilien herstellen oder ausgraben bei der Dino-Party! fotolia.de © Kimpin (#246086227)

Fossilien, Gesteine, Kohle – Kinder lieben Geologie

Sobald es um Mineralien, Gesteine, Fossilien, Kohle und Bergbau geht, sind Kinder meist ganz Ohr. Schließlich buddeln fast alle Kinder vor allem in noch jungen Jahren gerne und lieben es, zu entdecken, was unter der sichtbaren Erdoberfläche liegt. Doch auch Geologie als Fach kann in der Schule sehr trocken sein. Oder aber es wird in der Grundschule im Heimat- und Sachkundeunterricht gar nicht so intensiv behandelt, wie manche kleinen Forscher es sich vielleicht wünschen würden. Genau hier kommen spannende Möglichkeiten für Exkursionen im Ruhrgebiet ins Spiel.

• In den Geotopen des "GeoParks Ruhrgebiet" werden regelmäßig diverse Exkursionen, Führungen, Workshops, Vorträge von verschiedenen Veranstaltern angeboten. Diese sind von Bochum über Dortmund und Essen oder Gelsenkirchen bis nach Herne, im Kreis Kleve oder Wesel zu finden. Die außerschulischen Lernorte können gruppenweise direkt über die jeweiligen Veranstalter gebucht werden. Ein Überblick darüber, welche Veranstaltungen und Exkursionen wo angeboten werden, kann sich auf der Website des Geoparks Metropole Ruhr verschafft werden.

• Die von der Diplom-Geologin Antje Selter gegründete Agentur "GeoTouring" bietet für Kindergeburtstage Exkursionen in die Natur mit unterschiedlichen Mottos und zu verschiedenen Themen rund ums Erdreich an. Bei der "Dino-Party" etwa bekommen die Kinder Wissen rund um die für die Kleinen wohl faszinierendste Tierwelt überhaupt vermittelt, nämlich die der ausgestorbenen Dinosaurier und deren Lebensweisen. Außerdem werden selbst Fossilien aus Gips hergestellt. Bei der "Steinreich-Party" wiederum wird in spielerischer Form ein Nachmittag rund um das Thema Fossilien und Steine gestaltet. Neben Experimenten zum Entstehungsprozess von Steinen und Fossilien wird als eines der Highlights auch ein Vulkanausbruch mit Sand und Spülmittel simuliert und durchgeführt.

• Seit 2002 wird vom Referat Umwelt der Stadt Gelsenkirchen mit Unterstützung der "EnergieAgentur.NRW" ein umweltpädagogisches Projekt durchgeführt. Es trägt den Titel "Von der Kohle zur Sonne" und richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche. Diese sollen in Rahmen dessen an den Strukturwandel und an die Energiewende herangeführt werden. In jährlich zwei Mal stattfindenden Exkursionen für 8-12-Jährige können diese ehemalige Kohle- beziehungsweise neue Solarstandorte besuchen und kennenlernen. Bei einer Führung auf der Zeche Zollverein lernen die Kinder außerdem Spannendes über den Kohlebergbau. Bergleute des Freundeskreises Nordstern berichten im selbstverwalteten Stollen auf authentische Weise von ihrem Alltag auf der Zeche Nordstern.

Mit NABU die Natur im Ruhrgebiet beobachten und dabei helfen, sie zu schützen. 
fotolia.de © hakase420 (#246737101)

Den Wert der Natur spannend kennenlernen

Nicht nur was erneuerbare Energien angeht, ist es wichtig, Kinder an den Umweltschutz heranzuführen. Prägend ist es nämlich meist auch, die Natur selbst hautnah zu erleben. Vor allem für Großstadtkinder sind Erlebnisse im Grünen und zwischen Pflanzen und Tieren oftmals ganz entscheidend für die Entwicklung einer gesunden Beziehung zur Umwelt und können mitunter die Zukunft bestimmen. Im Ruhrgebiet gibt es deshalb auch für Kinder beispielsweise die Möglichkeit, beim "NABU", der Non-Profit-Organisation "Naturschutzbund Deutschland" mitzumachen. Hierbei geht es nicht nur darum, bei der Arbeit mit Gleichgesinnten die Natur besser kennenzulernen und zu erfahren, wie man dieses kostbare Gut schützt. Vielmehr können eben auch schon die Kleinsten mithelfen bei der spannenden Arbeit, die der NABU immer wieder zu verteilen hat.

Wer hier aktiv ist betreut im Frühjahr zum Beispiel Krötenzäune oder bewacht die Brutplätze von Wanderfalken. Im Sommer wiederum gehört das Zählen von Jungstörchen zu den Aufgaben, die schon Kinder übernehmen können und im Herbst kann bei der Renaturierung von Bächen oder bei der Ernte der Früchte einer Streuobstwiese mit angepackt werden. Im Winter schließlich müssen Kopfweiden geschnitten werden, um sie als Nistplatz für Steinkäuze zu erhalten. Selbst, wenn die Kinder nicht jede Aufgabe übernehmen können, sind sie immer eine gern gesehene Hilfe und können in jedem Fall zusehen und dabei an der frischen Luft in der Natur von den Älteren lernen.

Auch das "RVR-NaturForum Bislicher Insel", nördlich von Duisburg, bietet Kindern eine Menge Möglichkeiten, der Natur jedes Jahr auf spannende Weise näherzukommen. Vergangenen Dezember 2018 etwa konnten diese mit drei Veranstaltungen interessante Einblicke in die Natur und die Geschichte der geschützten Auenlandschaft erhalten. Erstere stellte eine Gänse-Exkursion durch das Naturschutzgebiet dar. Da nur in der Hochsaison für Wildgänse die Überwinterungsgäste hautnah zu erleben sind, müssen derlei Exkursionen im Winter stattfinden. Das allerdings schadete der Atmosphäre ganz und gar nicht. Warm wurde den Kindern sowieso, da die Tour knappe zweieinhalb Stunden ging und etwa vier Kilometer zu Fuß zurückgelegt wurden. Am nächsten Tag startete due Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Sonsbeck eine Expedition ins Vogelreich der Bislicher Insel. Auf einer etwa dreistündigen Tour wurden die Kinder durch die niederrheinische Landschaft geführt, wobei sie allerlei Wissenswertes über die gefiederten Bewohner und Gäste erfuhren. Nachmittags startete schließlich eine dritte Exkursion in die Geschichte der Bislicher Insel. Hier wurde anschaulich dargestellt, wie sich der Rhein im Laufe der Jahrtausende ab der Eiszeit durch Naturgewalt und Menschenhand, also etwa durch Römerlager, Rheinbegradigung, den Kiesabbau & Co. veränderte. Das RVR-NaturForum Bislicher Insel bietet jedes Jahr ähnliche und immer wieder interessante und spannende Exkursionen an, weshalb sich ein Blick auf das Angebot gerade für Kinder und gerade auch größere Kindergruppen stets lohnt!

Fotos: 1)fotolia.de © Robert Kneschke, 2)fotolia.de © Kimpin, 3)fotolia.de © hakase420