Halden im Ruhrgebiet

Ob Berge oder Landschaftsbauwerke: Sie sind ein Überbleibsel längst vergangener Tage – die Berghalden im Ruhrgebiet. Nachdem der einst wertvolle Rohstoff, die Steinkohle, abgetragen wurde und die Zechen wieder geschlossen werden mussten, blieben sie. Was macht man heute mit den einst künstlich aufgeworfenen Hügeln, die im Grunde genommen aus dem für den Bergbau wertlosen Material bestehen?

Abfahrt! Blick von der Halde Haniel, Foto - pixabay/Tama66 [ruhr-guide] Einige der Halden begrünen sich von selber, andere werden gezielt der Renaturierung unterzogen und gestaltet. Sie alle geben letztlich dem einstigen "Kohlen"-Pott ein spannendes Gesicht. Es ist überraschend, was einen alles auf einer Halde erwartet. Natur, Kunst, Theater oder auch eine besinnliche Wanderung auf einem angelegten Kreuzweg gehören zum neuen Erleben der Halden.

Halden - hohe und Höhenpunkte des Ruhrgebiets

Die höchste Halde des Ruhrgebiets ist die Halde Oberscholven. Die Halde überragt die Umgebung um 140 m und ist damit die höchste künstliche Erhebung im Ruhrgebiet, deren "Spitze" von einem 8 m hohem Gipfelkreuz markiert wird. Das besondere an dieser Halde ist, dass sich im Inneren ein Trinkwasserbehälter befindet. Von dort aus kann das Wasser mit einem Druck von ca. 6 Bar durch die Erhöhung der Halde in die Umgebung verteilt werden. Das Trinkwasserreservoir besteht aus 15 Röhren mit 66 m Länge und einem Speichervermögen von 36.000 Kubikmetern. Normalerweise ist diese Halde für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es gibt jedoch einige Ausnahmen wie zum Beispiel den Tag der offenen Tür von Gelsenwasser, von der Volkshochschule angebotene Wanderungen und die traditionelle Mai-Andacht der Gemeinde St. Josef.

Auch die Halde Großes Holz in Bergkamen zählt zu den höchsten Bergen im Ruhrgebiet und bietet eine umwerfende Fernsicht nicht nur über die nahe Lippe und den Datteln-Hamm-Kanal, die sie um etwa 100 m überragt. Schon seit Beginn ihrer Aufschüttung wurde die Halde nicht bloß als Deponie konzipiert - an Naherholung dachte man bereits in den 70er Jahren.

Auf der Halde brennt noch Licht

Bei Moers liegt die Halde Rheinpreußen. Sie ist für ihre besonders auffällige Landmarke bekannt, nämlich das sogenannte Geleucht. Es ist einer typischen Grubenlampe nachempfunden, ist aber um einiges größer. Wenn es dunkel wird, strahlt das Geleucht über den Gipfel der Halde und ist auch von Weitem noch zu sehen. Die Berghalde Rheinpreußen ist ca. 103 m hoch und bietet den Besuchern ein schönes Naturerlebnis, da die Halde vollständig begrünt und naturbelassen ist.

Amphitheater auf der Halde Haniel, Foto - pixabay/Tama66 Die Halde Haniel in Bottrop stellt heute für viele Familien im Ruhrgebiet ein begehrtes Ausflugsziel dar. Die weitgehend begrünte Fläche hat einiges zu bieten: Auf der ehemaligen Berghalde des Steinkohlabbaus befindet sich heute in 126 m Höhe ein Theater, welches als modernes Amphitheater angelegt ist. Mit seinen zahlreichen Kulturveranstaltungen lockt die ehemalige Ablagestätte zahlreiche Besucher an. Auch der neu angelegte Kreuzweg, der in 15 Stationen hoch zum Gipfelkreuz führt, ist in dieser Form einzigartig und bietet ein besonderes Erlebnis.

Die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn ist 120 Meter hoch und zählt zu den brennenden Halden. Die Halde brennt - oder besser schwelt - tatsächlich noch von innen. Kein Grund zur Beunruhigung: Dies ist nur durch exakte Temperatur- und Gasmessungen festzustellen, äußert sich also in keiner für Besucher wahrnehmbaren Größenordnung. Auf der Halde gibt es eine Skulptur in Form eines Hauses, das jedoch nur aus Stahlstreben besteht. Dort finden Veranstaltungen wie zum Beispiel Festivals statt. Es steht jedoch grundsätzlich auch privater Nutzung offen. Für Sportliche gibt es auch Einiges zu entdecken. Wer es sich zutraut, kann den Aufstieg auf der Himmelstreppe wagen. Mit 359 Stufen hat es diese in sich! Außerdem gibt es verschieden schwierige Pfade - so kann jeder seinen Weg wählen, je nach dem was er sich zutraut. Es kann auch passieren, dass man ab und zu einem Gleitschirmflieger begegnet. Auch für sie ist die Halde ein beliebter Treffpunkt.

Gipfel der Kultur

Auf der steil terrassierten Halde der ehemaligen Zeche Prosper in Bottrop findet der Besucher abgesehen von einer beeindruckenden Landschaft aus dunklem Gestein die wohl ungewöhnlichste Pyramide im Ruhrgebiet: Das Tetraeder. Mit seinen 60 Metern Kantenlänge und einer Höhe von 58 Metern oberhalb des Haldengipfels ein sehr beeindruckendes Bauwerk. Noch beeindruckender ist allerdings der Blick, den man von hier aus über das Ruhrgebiet hat. Das "Haldenereignis Emscherblick" wurde von dem Architekten Wolfgang Christ entworfen. Erbaut wurde der Tetraeder im Jahr 1993. Dabei wurden 210 Tonnen Stahl und Rohre mit einer Gesamtlänge von 1,5 km verwendet. Zum Gipfel der Halde führt die "Direttissima" mit 387 Stufen oder eine kleine Straße, die sich in Serpentinen die Halde an der Beckstraße hinaufschlängelt.

Die Himmelsleiter auf Halde Rheinelbe, Foto - pixabay/AngelaHB Die Halde Rheinelbe liegt an der Stadtgrenze von Gelsenkirchen-Ückendorf und Bochum-Wattenscheid. Natur und Kultur werden hier rund um die Halde bis zu ihrem Gipfel mit der schon aus der Ferne sichtbaren Himmelsleiter aus mächtigen Betonblöcken verwirklicht. Bei einem Spaziergang oder einer Radtour kann man eine Menge entdecken und natürlich den weiten Blick über das Revier genießen. Nicht kultiviert sondern natürlich gewachsen ist dagegen die Natur auf der Halde Rheinelbe.Sie wirkt daher bisweilen fast schon urwaldartig und wüst. Dazwischen finden sich immer wieder Skulpturen, die wie zufällig vergessene Relikte aus der Blütezeit von Kohle und Stahl wirken.

Ein Drache in Herten

Die Halde Hoheward liegt zwischen den Städten Recklinghausen und Herten. Das 45 Meter hohe Horizontobservatorium auf der Haldenkuppe ist ein Wahrzeichen des nördlichen Ruhrgebiets. Die Halde ist Bestandteil des Landschaftspark Hoheward einem Gemeinschaftsprojekt der angrenzenden Städte. Viele Projekte sind bisher verwirklicht worden: Die Drachenbrücke, die den Stadtteilpark in Recklinghausen- Hochlarmark mit der Halde verbindet, das spektakuläre Horizont- observatorium sowie die Sonnenuhr mit Obelisk auf dem Haldenplateau. Die Ost- und Nordflanke der Halde sind bereits als Erholungsgebiet freigegeben und renaturiert worden.

Panorama-Ausblick von der Halde Hoheward, Foto - RVR/Helmut Adler Die Halde Hoppenbruch ist die kleinere Schwesterhalde der Halde Hoheward, ist aber nicht minder interessant als ihre große Schwester. Auf ihr tront ein gigantisches Windrad und versorgt ca. 800 Haushalte mit Strom. Passend zu dem Windrad gibt es dort unterhalb einen kleinen Skulpturenpark zum Thema Wind und Windenergie. Die Halde Hoppenbruch ist auch ein prima Ort für Mountainbikefans. Die Strecke ist in verschiedene Abschnitte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden unterteilt. Somit kann sich jeder seine Lieblingsstrecke aussuchen! Die Mountainbikestrecke ist ca. 4,4 km lang und es müssen ungefähr 104 Höhenmeter erklommen werden, wenn man die Strecke von unten nach oben abradeln möchte. Außerdem ist die Halde durch Renaturierung zu einem schönen Naturerholungsgebiet "herangewachsen".

Lichtpyramide an der Halde Rungenberg, Foto - pixabay/2818784

Pyramiden im Ruhrgebiet

Durch den Abbau der Zeche Hugo entstand die Halde Rungenberg. Heute ist sie größtenteils wieder begrünt und lädt zum Spazieren gehen und Wandern ein. Das Besondere ist jedoch, dass sie schon während des Abbaus künstlerisch angelegt wurde. Ihre Form, die einer Pyramide gleicht, wurde bereits während der Schüttung so geplant. Jedoch ist diese durch ein Tal auseinandergerissen. Wer Nachts hier vorbei kommt, kann sich dank der Beleuchtung an einer ganzen Pyramide erfreuen: Die Strahlen zweier Spiegelscheinwerfer ergänzen die Halde optisch zu einer vollendeten Pyramide. Dadurch, dass sich die Strahlen kreuzen, bilden sie am nächtlichen Himmel eine zweite Pyramide. Heute ist auch die Halde Rungeberg eine Landmarke mit dem Skulpturen-Ensemble von Hermann Richter und Klaus Noculak, die eine dreiteilige Konzeption bestehend aus Licht, Materie und Natur entworfen haben.

Von der Halde Schurenbach in Essen geht im Gegensatz zu der Halde Haniel ein Reiz von einer ganz anderen Seite aus. Weniger begrünt, eher einer Mondlandschaft gleichend wurde am höchsten Punkt dieser Berghalde die "Bramme für das Ruhrgebiet" von dem amerikanischen Künstler Richard Serra aufgestellt. Mit seiner Größe ist das Kunstwerk von weither sichtbar und strahlt eine ganz eigene Atmosphäre des Ruhrgebiets aus.

Fotos:
Halde Haniel: pixabay/Tama66
Halde Rheinelbe: pixabay/AngelaHB
Halde Hoheward: RVR/Helmut Adler
Halde Rungenberg: pixabay/2818784

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