Wandern im Siebengebirge: Die schönsten Routen

Nordrhein-Westfalen ist nicht unbedingt für seine Berge bekannt. Doch das Siebengebirge beweist, dass es sich auch hier, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rhein, hervorragend in einer bergigen Landschaft wandern lässt. Das Siebengebirge zählt als Mittelgebirge und die höchste Erhebung, der Große Ölberg, mag mit seinen 460 Metern Höhe für erfahrene Bergsteiger nicht unbedingt beeindruckend sein, doch es hat andere Highlights zu bieten – und zwar in großer Vielzahl.

Wandern im Siebengebirge, Foto: stock.adobe.com © Adrian72 Wer also nicht unbedingt nach hohen Gipfeln sucht, sondern eher nach einer spannenden Landschaft mit vulkanischem Ursprung, nach einer Möglichkeit für tolle Weinwanderungen, nach unberührten Naturschutzgebieten und weiteren Höhepunkten, der ist im Siebengebirge an der richtigen Adresse.

Es ist schon seine Geschichte, die das Siebengebirge zu einem spannenden Ausflugsziel macht, denn diese begann bereits vor mehr als 350 Millionen Jahren, als sich das Grundgestein aus Sandstein, Grauwacke und Tonschiefer bildete. Im Laufe der Zeit formten sich diese zum sogenannten Variszischen Gebirge, das wiederum über Millionen von Jahren durch Wind sowie Wasser abgetragen wurde. Was blieb, war die wellige Oberfläche, die bis heute das Siebengebirge prägt. Damals jedoch war es noch von der Nordsee bedeckt, die sich zunehmend in nördlicher Richtung zurückzog und somit Platz machte für vulkanische Aktivität. Davon zeugen bis heute die großen Mengen an Tuffablagerungen. Als die Hauptaktivität vor rund 22 Millionen Jahren endete, bahnte sich schließlich der Rhein seinen Weg durch die einstige Vulkanregion und damit auch durch das Siebengebirge, den Kern des Mittelrheinischen Vulkangebiets. Heutzutage ist das gesamte Siebengebirge als Naturpark ausgewiesen und damit einer der ältesten Naturparks von Deutschland. Er umfasst auch das gleichnamige Naturschutzgebiet, das seit 2006 zu den 77 ausgezeichneten Nationalen Geotopen gehört.

Wandern im Siebengebirge – unendliche Möglichkeiten

Es gibt also viele gute Gründe für einen Ausflug ins Siebengebirge und ebenso viele Routen, die dabei infrage kommen. Je nachdem, wonach die Wanderer suchen, ist nämlich für jeden Geschmack die passende Wahl geboten. Dadurch bietet das Siebengebirge tolle Möglichkeiten für Personen jeden Alters, je nach Kondition und Interessen, was es auch bei Familien mit Kindern so beliebt macht; und es bietet ausreichend Abwechslung, um immer wieder zurückzukommen und noch mehr von dieser einzigartigen Region in Deutschland zu erkunden. Welche also sind sie, die schönsten Routen im Siebengebirge?

• An fünf Bächen wandern
Wer langsam starten möchte und weniger Wert auf die Aussicht legt als auf das Weitwandern durch wunderschöne Naturlandschaften, ist mit der 5-Bäche-Wanderung gut beraten. Start ist am Soldatenfriedhof in Ittenbach, der direkt zu den Highlights der Route zählt – auch, wenn die Ruhe der Natur hier noch durch die Autobahn sowie ICE-Strecke gestört wird. Doch diese lassen die Wanderer schnell hinter sich und bahnen sich ihren Weg durch ein liebliches Tal, durch das sich der erste Bach schlängelt. Am Ende dieses Laubachtals wartet die erste Erhebung, der Nonnenberg. Weiter geht es durch überraschend ruhige sowie beschauliche Täler zum Hühnerberg mit einem herrlichen Panorama über das Siebengebirge. Das nächste Highlight wartet in Quirrenbach mit einer kleinen Kapelle, bevor der nächste Bach überquert wird. Insgesamt führt die Wanderung, wie der Name vermuten lässt, an fünf Bächen entlang und begeistert selbst Einheimische oder regelmäßige Besucher immer wieder durch eine ganz neue Seite von Königswinter, die sie offenbart.

• Alle Gipfel an einem Tag
Wie der Name bereits vermuten lässt, finden sich im Siebengebirge genau sieben Gipfel, die einen Aufstieg wert sind. Wer besonders fit und ambitioniert ist, kann das sogar an nur einem Tag schaffen. Das bedeutet jedoch 1.000 Höhenmeter und über 20 Kilometer Strecke, sodass weniger Zeit bleibt, um die Highlights auf dieser Route in Ruhe zu genießen. Für Gipfelstürmer bietet sie also eine ordentliche Herausforderung. Mit dem Ausgangspunkt am Bahnhof von Königswinter geht es bei dieser Route auf den berühmten Drachenfels, entweder über den Eselsweg oder durch das Nachtigallental. Wer abkürzen will, kann alternativ die Drachenfelsbahn wählen – um beispielsweise mehr Zeit zu haben für die lohnenswerte Erkundung des Schlosses Drachenburg. Weiter geht es über die leider nicht mehr erhaltene Wolkenburg zum Petersberg und Nonnenstromberg bis zum, im wahrsten Sinne des Wortes, Höhepunkt der Strecke, dem Großen Ölberg. Anschließend geht es zurück über den Lohrberg und die Löwenburg bis zum Ausgangspunkt oder einer Gaststätte, um den Tag ausklingen zu lassen.

Wanderung der „Ks“  in der Klosterlandschaft, Foto: stock.adobe.com © hespasoft • Wanderung der „Ks“ in der Klosterlandschaft
Neben den touristischen Klassiker, die jedoch auch entsprechend frequentiert sind, erfreuen sich im Siebengebirge auch Themenwanderungen großer Beliebtheit. Eine davon führt durch die Klosterlandschaft Heisterbach. Denn diese wurde im Rahmen der Regionale 2010 umfassend aufgewertet, sodass Wanderer dort nun ganz 20 Wanderwege innerhalb der Klostermauern finden, ebenso wie vier Rundwanderwege außerhalb. Zu entdecken gibt es hier also viel, je nach Wunsch thematisch geordnet, beispielsweise nach „Wege der Steine“ oder „Mühlen, Wald & Wein“ – um nur zwei von vielen Beispielen zu nennen. Das Kloster selbst besticht durch seine einzigartige Geschichte, denn es wurde einst auf dem Petersberg erbaut, bevor es ins Heisterbachtal umzog und schließlich im Jahr 1803 teilweise abgerissen wurde. Heutzutage finden die Wanderer daher nur noch die Überreste, nämlich die Ruine des Chors der mächtigen Klosterkirche; ein absolutes Highlight auf dieser Route. Ansonsten besticht sie durch die Vielfalt sowie Schönheit der Natur mit malerischen Kraterseen und durch zahlreiche Einkehrmöglichkeiten wie dem Einkehrhaus Waidmannsruh. Kloster, Krater, Kulinarik – eine Wanderung der „Ks“, wie manche Wanderer zu sagen pflegen.

• Weinwandern und genießen
Mit dem Wein ist ein wichtiges Stichwort gefallen. Was viele Menschen nicht wissen, ist nämlich, dass das Siebengebirge zugleich das einzige Weinbaugebiet in Nordrhein-Westfalen ist. Eine perfekte Anlaufstelle also für eine Weinwanderung und dabei darf eine Verkostung natürlich nicht fehlen. Schließlich war das Jahr 2020 ein gutes Jahr für die deutschen Weinbaugebiete, in dem es zwar nur eine unterdurchschnittliche Erntemenge gab, dafür aber in exzellenter Qualität. Weinliebhaberinnern und -liebhaber sollten sich die Weinwanderung im Siebengebirge daher in der Saison 2021 nicht entgehen lassen. Dafür bietet sich die Route durch Oberdollendorf an, denn hier ist eine Weinlandschaft geboten, die von einer Postkarte stammen könnte. Mit alten Fachwerkhäusern, 15 spannenden Schautafeln mit Hintergrundinformationen sowie Einkehrmöglichkeiten für eine Weinverkostung bietet diese Wanderung auf nur zwei Kilometern alles, was das Herz von Weinwanderern begehrt.

Weinwandern und genießen, Foto: stock.adobe.com © Dieter • Familienwanderung um den Großen Ölberg
Soll die Wanderung hingegen kindertauglich sein, sind weder Wein noch Gipfel bestens geeignet. Dennoch sind im Siebengebirge für Familien viele Wandermöglichkeiten geboten, beispielsweise rund um den Großen Ölberg. Wer also die 461 Höhenmeter nicht besteigen will, der kann stattdessen den etwa vier Kilometer langen Ölberg-Rundweg wählen. Ein beschaulicher Wanderweg ohne nennenswerte Steigung, aber in einer wunderschönen Landschaft und mit vielen Möglichkeiten für die Kinder, um am Wegesrand zu spielen und zu toben. Wer will, kann anschließend immer noch auf den Gipfel des Großen Ölbergs aufsteigen, um dort im Restaurant einzukehren.

• Blanker Wanderwahnsinn
Etwas ambitionierter ist die Route durch Blankenberg. Auch sie weist zwar keine allzu großen Steigungen auf, zieht sich aber über 20 Kilometer entlang über Stock und Stein. Genau das kann zur echten Herausforderung werden, nicht nur konditionell, sondern auch für die Orientierung. Denn einige Wanderer berichten davon, wie sie sich immer wieder verlaufen haben und die Route so zum „blanken Wahnsinn“ wurde. Wer es aber schafft, die Route nicht zu verlieren, wird mit einem malerischen Wanderweg belohnt, der gesäumt ist von Highlights wie gemütlichen Cafés zum Verweilen. Und zum krönenden Abschluss wird es doch nochmal anstrengend, denn den bildet der steile Anstieg zur Burg Blankenberg.

Das Siebengebirge ist also zwar nicht das bekannteste Wandergebiet in Deutschland und sicherlich nicht jenes mit den höchsten Bergen, trotzdem sollte es nicht unterschätzt werden. Denn es handelt sich um ein einzigartiges Fleckchen Erde mit spannender Geschichte und zahlreichen Highlights – sowie mit Wanderwegen, die für jeden eine passende Wahl bieten.

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