Kurt Krömer: „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst"

Comedian, Autor, Schauspieler, Grimme-Preisträger, trockener Alkoholiker, Kriegsdienstverweigerer, Alleinerziehender – und depressiv. Gestatten? Alexander Bojcan. Wer? Na, Kurt Krömer. In seinem neuen Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ schlüpft der sonst so auf Privatsphäre bedachte Comedian aus seiner Rolle und teilt die Geschichte seiner dreißigjährigen Depression auf wunderbar authentische, unangenehm offene und gnadenlos ehrliche Art und Weise. Der ruhr-guide verlost ein Exemplar des Buchs!


[ruhr-guide] Das Bewusstsein für mentale Gesundheit wird immer größer. Im Internet wird Aufklärung zu psychischen Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten betrieben, Aktivist:innen fordern mehr Therapieplätze und Anerkennung und Betroffene teilen ihre Leidensgeschichten mit der Öffentlichkeit. Cover "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst" von Kurt Krömer Foto: Verlag Kiepenheuer & Witsch So zuletzt auch der erfolgreiche Comedian Kurt Krömer. Im März 2021 spricht er in seiner Talkshow „Chez Krömer“ erstmals über seine Depression. Die Resonanz darauf ist überwältigend. Tausende melden sich bei ihm. Die einen beglückwünschen ihn zu seinem Mut, die anderen solidarisieren sich mit ihm, teilen ihre eigenen Geschichten oder bitten um Rat. Krömer beschließt, seine Geschichte von Anfang bis Ende niederzuschreiben und keine Fragen mehr offen zu lassen.In seinem Buch „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“, erschienen im Kiepenheuer&Witsch-Verlag, zieht er auf 192 Seiten blank – im übertragenen Sinne und auch wörtlich, denn sogar zum Urologen und in sein Schlafzimmer nimmt Krömer uns mit.

Kurt Krömer erkennt, dass er depressiv ist

„Sag mal, Alexander, bist du vielleicht depressiv?“ - im Juli 2020 fällt bei Krömer der Groschen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon grob 30 Jahre an Depressionen gelitten, ohne seine Symptome der passenden Krankheit zuordnen zu können. Im Showbusiness war das schließlich üblich. Man arbeitet viel und hat krasse Höhenflüge auf der Bühne. Dass man sich im Anschluss daran ausgebrannt fühlt, das gehört doch dazu. Nein, das gehört eben nicht dazu. Sein Zustand ist nicht normal. Krömer beschreibt es selbst so: „Du musst dir vorstellen, dass dein Haus brennt, und du sitzt darin und kannst es nicht löschen. Du kannst nicht mal zum Hörer greifen, um die Feuerwehr zu rufen. Wenn ich mich nicht um diese Depression gekümmert hätte, wäre ich in meinem eigenen Haus verbrannt“. Was keiner weiß: er sucht sich daraufhin Hilfe und begibt sich in eine Klinik.

Kurt Krömers Geschichte

Krömer nimmt uns aber nicht nur mit in den Sommer 2020, sondern reist mit uns auch durch seine Vergangenheit. Wir lernen seinen gewalttätigen und emotional missbräuchlichen Vater kennen. Wir kämpfen uns gemeinsam mit ihm durch den Alltag als alleinerziehender Vater von drei Kindern. Begleiten ihn bei der Behandlung seiner vorübergehenden Impotenz. Trennen uns gemeinsam von seinen Exfreundinnen. Und liegen am Höhepunkt seiner Alkoholabhängigkeit im Vollrausch mit ihm am Boden. „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ hat ein bisschen was von einem Tagebuch. So tiefe Einblicke in den Kopf und das Privatleben einer Person des öffentlichen Lebens bekommt man nur selten.

Sein Ziel: mehr Bewusstsein für Depressionen schaffen

Der Comedian ist nicht auf Mitleid oder auf mehr mediale Aufmerksamkeit aus. Er möchte anderen Betroffenen helfen und ihnen die Odyssee ersparen, die hinter ihm liegt. Krömer litt jahrelang unter Begleiterscheinungen seiner Depression. Ewig habe er Symptome bekämpft statt der Ursache auf den Grund zu kommen. „Wenn du jetzt depressiv sein solltest oder wenn du mal depressiv warst, [wirst du] dich in dem, was ich sage oder was ich hier schreibe, spiegeln […]“, so Krömer zu Beginn des Buchs. Fühlst du dich oft gereizt und antriebslos, hast du Schlafschwierigkeiten oder fühlst du dich „emotional leer“, wie er es beschreibt? Dann könnte „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Krömer gibt seinen Lesenden auch wertvolle Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge oder die Deutschen Depressionshilfe mit an die Hand. In der Hoffnung, dass anderen Betroffenen künftig schneller geholfen werden kann als ihm selbst.

Fazit

„Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“ ist ein Buch für alle Betroffenen und für alle, die Betroffene verstehen möchten. Trotz der Schwere des Inhalts schafft es Krömer, seine Geschichte locker und humorvoll zu verpacken. Seine lebensbejahende Art, die in jeder Zeile mitschwingt, macht aus einem bitterernsten Werk über psychische Erkrankungen eine Lobeshymne auf das Leben. Kein Gejammere, aber auch kein „Befolge diese drei Tipps, dann bist du sofort geheilt“-Blödsinn. Einfach ein Mann und seine Geschichte – und viel Ehrlichkeit.

Verlosung

Der ruhr-guide verlost ein Exemplar des Buchs "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst" von Kurt Krömer. Um teilzunehmen einfach eine Mail mit dem Betreff „Kurt Krömer“, Ihrem vollständigen Namen und Ihren Kontaktdaten an gewinnen@ruhr-guide.de schicken! Einsendeschluss ist der 03.07.2022. Der Rechtsweg, Mehrfachteilnahmen und automatische Dienste sind ausgeschlossen, Irrtümer bleiben vorbehalten. Wir drücken die Daumen und wünschen schon mal viel Spaß!

„Du darfst nicht alles glauben, was du denkst"


Erscheinungstermin: 10.03.2022
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
192 Seiten, gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-462-00254-6
Preis: 20 €
Autor: Kurt Krömer

Foto: Verlag Kiepenheuer & Witsch