Das Theater Dortmund

Es ist eines der größten Theater Deutschlands und es hat Großes vor! Früher hätte keiner gedacht, dass es so erfolgreich sein wird. Heute sind mehrere künstlerische Sparten vertreten und kaum ein Theater zeigt so viel Einsatz im Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Erfahren Sie mehr über das Theater Dortmund, seine Geschichte und sein Engagement!


Archiv: 02.10.2019 [ruhr-guide] Das große Stadttheater ist ein wichtiger Standortfaktor der Stadt Dortmund. Können Sie sich vorstellen, dass die durchschnittliche Platzausnutzung einmal bei nur 50 % lag? - Und heute ist nahezu jede Vorstellung der Jungen Oper ausverkauft. Wie konnte es dazu kommen?

Geschichtlicher Hintergrund

Bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg sind erste Theateraktivitäten nachzuweisen, doch der Grundstein für das Dortmunder Stadttheater ist im Jahr 1902 gelegt worden. Dortmund sollte nicht nur für seine Wirtschaftskraft, sondern auch für Kultur bekannt werden. 1899 haben sich 500 engagierte Dortmunder mit ihrem Staatseinkommensteuersatz an der Finanzierung des Theaterbaus beteiligt. Die schöne Gebäudearchitektur haben wir dem Architekten Martin Dülfer zu verdanken. Eröffnet wurde das Theater mit Richard Wagners Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ im Jahr 1904.
Die Eröffnung wurde groß gefeiert, doch ist das damalige Publikum insgesamt nicht sehr zahlreich erschienen und es kam zu Finanzierungsproblemen. Ab 1927 baute der Leiter Richard Gsell ein neues Schauspielerensemble auf, welches auf zeitgenössisches Theater ausgerichtet war. Doch auch zum 25-jährigen Jubiläum verfolgte der Intendant einen Spielplan, der nicht immer den Publikumserwartungen entsprach. Auch wenn der Spielplan und die damit verbundenen Einnahmen publikumssicher sein sollten, setzte er sich für einen künstlerischen Anspruch des Theaters ein.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die damalige Ideologie durchgesetzt und viele angesehene Künstler wurden entlassen, obwohl sie vor kurzem noch erfolgreiche Auftritte hatten. Es durften keine Stücke mit jüdischen Ensemblemitgliedern aufgeführt werden. Dadurch ergab sich eine sehr geringe Anzahl an Operetten, die man aufführen konnte, denn oft war entweder Autor oder Komponist jüdischer Abstammung. Darüber hinaus wurden die Stücke häufig als „verwildert“ bezeichnet und durften nicht gespielt werden. Es wurde sich hauptsächlich auf Wagner, Mozart, Strauss und Verdi konzentriert.
Das Theater war ab 1943 mehrmals von Bomben getroffen worden und man musste neue Spielorte finden. Jedoch wurden diese ebenso zerstört und das Theater wurde 1944 geschlossen. In der Nachkriegszeit spielte man zuerst Stücke, die zuvor nicht erlaubt waren – zum Beispiel Lessings Nathan der Weise. Weil die Künstler die direkte Abgrenzung gegenüber der NS-Zeit jedoch nicht als richtigen Weg zur kulturellen Aufbauarbeit ansahen, waren sie auch nicht daran interessiert, das Personal komplett zu verändern.
Zunächst war das Theater eine Wanderbühne, doch unter Leitung P. Walter Jacobs wurde 1950 ein neues Haus am Hiltropwall erbaut, das heutige Schauspielhaus. Außerdem ermöglichte er auch den Aufbau des Kindertheaters, welches 2013 sein 60jähriges Jubiläum feiert. Er erhielt 1969 das Bundesverdienstkreuz. Das Opernhaus am Platz der alten Synagoge wurde 1966 neu gebaut.

Wie sieht es beim Theater heutzutage aus?

Aufgeteilt ist das Theater Dortmund in die künstlerischen Sparten Oper, Ballett, Philharmoniker, Schauspiel und Kinder- und Jugendtheater (KJT).
Im Opernhaus findet sich das Opern- und Ballettensemble des Theaters. Durch den Einsatz der RWE Energie AG konnte aus dem Sonnenenergieforum im Westfalenpark Ende 2009 das „Ballettzentrum Westfalen“ werden. Wenn Sie zum nächsten Mal den Westfalenpark besuchen, können Sie einen Blick auf die Tänzer durch die großen Glasscheiben werfen. Wenn Sie mehr erfahren wollen, können Sie dort Werkstattgespräche und Matinéen verfolgen.
Das Schauspielhaus umfasst die Bühne des Schauspielhauses, das Studio, kleine Nebenbühnen und das Institut. An dieser Stelle finden Lesungen, Konzerte, Theater und Matinéen statt. Die Spielstätten Opernhaus, Schauspielhaus und die Junge Oper sind im Gebäudekomplex des Dortmunder Theaters. Das Konzerthaus, das Orchesterzentrum und das Kinder- und Jugendtheater befinden sich in der Nähe.

Kinder und Jugendliche im Theater

Die Theaterpädagogik ist sehr ausgeprägt, um auch jüngeren Menschen das Theater näher zu bringen. Viele Kindergärten und Schulen werden von Theaterpädagogen besucht. Das Theater Dortmund hat sehr viele Schulkooperationen. Zudem gibt es Theaterclubs für Kinder und Jugendliche, einen Opernclub, Improtheater und eine Vielzahl diverser Workshops. Das Theater Dortmund bietet eine „Expedition Klassik“ an, in der Schüler die Dortmunder Philharmoniker kennenlernen.
Als eines der ersten Theater in Deutschland hat das Theater Dortmund Kinder und Jugendlichen einen eigenen Ort geschaffen: Die Junge Oper. Hier wird ein vielfältiges Angebot bereitgestellt, in dem man sich reflektieren und weiterentwickeln kann.

Programm

Das Theater Dortmund zeigt Vorstellungen für alle Altersklassen. Es erwartet Sie ein abwechslungsreiches Programm mit interessantem Spielplan, Themenabenden und öffentlichen Proben. Angepasst an das Alter werden auch Klassiker der deutschen Literatur interpretiert. Das Theater verfügt über ein Seniorentanztheater. Es werden öffentliche Theaterführungen angeboten.

In Zukunft

Dortmund wurde bereits als „digitalste Stadt Deutschlands“ ausgezeichnet, doch man möchte einen weiteren großen Schritt in Richtung digitale Innovation gehen. Bald wird es eine sechste Sparte im Theater Dortmund geben: Die Akademie für Theater und Digitalität. An diesem Ort haben Theaterschaffende deutlich mehr Freiraum für ihre Kunst und können sich entfalten. Es wird von neuesten Technologien Gebrauch gemacht und es soll Fort- und Weiterbildungen für die Künstler geben. Unterstützt wird dieses Vorhaben von dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen.

Opernhaus
Platz der Alten Synagoge
44137 Dortmund

Schauspielhaus/Studio/Unterbühne/Institut
Theaterkarree 1-3 (ehemals Hiltropwall)
44137 Dortmund

Kinder- und Jugendtheater
Sckellstraße 5-7
44141 Dortmund

Junge Oper
Theaterkarree 1-3 (ehemals Kuhstraße)
44137 Dortmund

Konzerthaus Dortmund
Brückstraße 21
44135 Dortmund

Orchesterzentrum NRW
Brückstraße 47
44135 Dortmund

Programm, Infos und Events unter www.theaterdo.de

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