Dieses Jahr wird es am Pfingstwochenende in der Moerser Innenstadt besonders märchenhaft. Die 55. Jubiläumsausgabe des moers festival fällt unter das Leitmotiv „… wie im Märchen“ und fokussiert sich auf die Kraft des Erzählens. Dabei werden Märchen als künstlerisches Mittel verstanden.

[ruhr-guide] Das international renommierte moers festival findet seit 1972 jährlich an Pfingsten statt und wird seit 2005 von der Moers Kultur GmbH veranstaltet. Vom reinen Newjazz-Festival hat sich das moers festival über fünf Jahrzehnte immer weiter geöffnet und erweitert. Im Jahr 2025 trug es den Subtitel „Jazzfestival für Musik / Miteinander / Freysinn und: Klangfriede!“.
Um den Festivalkosmos zu füllen, bietet das Festival noch einige andere Formate zur Ergänzung an. Einrichtungen und Reihen wie zum Beispiel die moers sessions im Schlosshof, der improviser in residence und wechselnde Jugendprojekte oder hybride Formate, wie zum Beispiel @the same time oder die VR moersland, sind nennenswert.
Es war einmal …
Das Programm der Jubiläumsausgabe mit dem Leitmotiv „… wie im Märchen“ und mit dem Subtitel „Jazzfestival für Rotkäppchen, klatschende Frösche, Wirklichkeitsflucht und: Âventiure“ verspricht Besucher*innen eine spektakuläre Zeit vom 21. bis 25. Mai. Rund 200 Künstler*innen aus über 20 Nationen werden erneut zauberhafte Klänge nach Moers und ins Ruhrgebiet tragen. Dieses Jahr findet der musikalische Zauber nicht wie gewohnt im Schlosshof statt, sondern auf dem Kastellplatz in der Innenstadt. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, im Freizeitpark auf der Ballonwiese in Festivalnähe zu zelten. In der Moerser Innenstadt umgibt das Festivaldorf die Spielstätten und zieht sich bis zum Schlosspark. Tagsüber wird ein kostenloses Kinder- und Familienprogramm sowie Workshops angeboten, um das Erlebnis für jedermann abzurunden.
Das moers festival setzt sich dieses Jahr unter seinem Leitmotiv mit der Kraft des Erzählens auseinander. Dabei werden Märchen nicht nur auf die große europäische Tradition reduziert, sondern vor allem als künstlerisches Mittel verstanden. Damit wollen sich die Künstler*innen mit der Komplexität und leider auch Brutalität unserer Zeit künstlerisch auseinandersetzen. Den feierlichen Auftakt gestaltet die WDR Big Band unter Leitung von Vince Mendoza. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Jazzpianisten Nduduzo Makhathini wird sie den Kastellplatz am Donnerstag (21.05.) in großer Besetzung zum Klingen bringen.
Nationale und Internationale Interpret*innen

Für die Interpretationen sind zwei halbszenische Großproduktionen zuständig. Zum einen Gellert Szabo’s Ideal Orchestra, welches dieses Jahr sogar für den Deutschen Jazz Preis nominiert ist. Zur Zeit besteht das Leipziger Orchester aus 23 Musiker*innen, welche für eine unvorhersehbare Klangreise sorgen.
Zum anderen tritt das Musiktheater „Märchenhafte Klangschaften“ des Chroma Kollektivs auf. Beide Gruppierungen arbeiten mit dem Ziel, die Suche nach Wahrheit und die Flucht in die Fiktion in gewaltige Klangbilder zu übertragen.
Die aktuelle 19. Improviser in Residence Evi Filippou wird ebenfalls auf dem moers festival auftreten und schlägt mit ihrem achtköpfigen Ensemble inEvitable extended die Brücke zwischen Komposition und Experiment.
Evi Filippou ist eine griechische Vibraphonistin, Perkussionistin und Komponistin, die sich zwischen Komposition, Improvisation und globalen Musiktraditionen bewegt. Ihr Projekt inEvitable wurde 2023 sogar mit dem Deutschen Jazzpreis für das Debütalbum des Jahres ausgezeichnet. Evi arbeitet europaweit mit renommierten Künstler*innen und Ensembles aus Jazz, Neuer Musik, Musiktheater und Performance zusammen. Neben eigenen Bands engagiert sie sich als Kuratorin, Pädagogin und in interdisziplinären Projekten sowie internationalen Festivals.
Schwerpunktländer USA und Afrika

Des weiteren wird neben internationalen Acts aus Indonesien, Ägypten, Island oder Brasilien und transnationalen Formationen ein Fokus auf die Länder USA und Afrika gesetzt. Die USA wurde als Schwerpunkt ausgewählt, da die aktuelle politische Lage das Festivalthema widerspiegelt. Besonders wegen der stattfindenden Marginalisierung Schwarzer Kultur unter dem derzeitigen US-Regime und den ‚Märchenerzählungen‘ von Donald Trump. Unter anderem reisen US-amerikanische Künstler*innen wie die Grammy nominierte Saxophonistin Lakecia Benjamin und das New Yorker Ensemble Yarn/Wire, bestehend aus Russell Greenberg und Sae Hashimoto, Laura Barger und Julia Den Boer, an.
In der Programmschiene „?Afrika“ werden die Regionen Ghana, Togo und Benin thematisiert. Rund 20 Künstler*innen, darunter die Anagoko Family (Benin) und Nana Benz du Togo, bringen traditionelle Serepewa-Musik, Voodoo-Kultur und westafrikanische Erzähltraditionen in einem Dutzend verschiedenen Festival-Settings auf die Bühnen. Mit Formationen um Nicole Mitchell (Nicole Mitchell’s Black Earth Sway), Tomeka Reid und Joy Guidry ist auch der afro-amerikanische Jazz mit seinen Wurzeln im Chicagoer AACM vertreten.
100 Jahre der Moderne
Neben dem 55. Jubiläum des moers festivals feiert die Stadt 100 Jahre Moderne. Zwei Solitäre der Musikgeschichte werden in diesem Jahr einhundert Jahre alt. Dementsprechend widmet das Festival dem US-Amerikaner Morton Feldman eine ‚immoersive‘ Aufführung seines Werks “Rothko Chapel”. Des weiteren erfährt Feldman in dem Jugendprojekt „Peter, Rotkäppchen und der liebe Wolf Morton“ eine spielerische Verknüpfung.
Dem gerade erst 100 Jahre alt gewordenen ungarischen Komponisten György Kurtág wird durch seinen Sohn, György Kurtág Jr., und den Cimbalom-Meister Miklós Lukács gratuliert. Kurtágs charakteristische Kammermusikfragmente werden darüber hinaus über den gesamten Zeitraum im Unimoersum zu hören sein.
moers festival in der Moerser Innenstadt
Kastellplatz, 47441 Moers
Veranstaltungsdauer
21. – 25. Mai 2026
Ticketpreise
„Pay What You Can“-Preismodell bestehend aus vier festen Preisstufen: 45, 87, 129 und 172 Euro. Jedes Ticket gilt für alle Festivaltage und Spielorte.
Ticket „Stille Held*innen“ ist für 300 Euro erhältlich und bietet neben dem Zutritt zum Geheimkonzert und dem kostenfreiem Zeltplatz auch Zugang zum Backstage-Bereich mit Catering sowie ein Festivalshirt 2026
Das Zelten beim moers festival ist ausschließlich mit einem Zeltplatz-Ticket möglich. Für „Stille Heldinnen“-Ticketinhaber*innen ist das Zeltplatz-Ticket kostenfrei, muss jedoch separat hinzugebucht werden. Das Zeltplatz-Ticket kostet 30 Euro und ist ausschließlich in Kombination mit einem Festivalticket erhältlich.
Der Besuch des Festivaldorfs ist allen Gästen kostenfrei und ohne Festivalticket möglich.
Tagsüber: Kostenloses Kinder- und Familienprogramm sowie Workshops
Tickets erhältlich unter: https://www.moers-festival.de/
Nähere Informationen zum Programm: https://www.moers-festival.de/programm/
Foto 1: Petros Kolotourps
Foto 2: Robin Lambrecht
Foto 3: Elizabeth Letizell




