Das Ruhr Museum, auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein Essen, verwandelt sich in eine Welt zwischen Kälte und Wärme. In den vergangenen 2,6 Millionen Jahren hat das Eiszeitalter die Welt regiert. Die Tier- und Pflanzenwelt stand vor einer großen Herausforderung: Anpassen oder Aussterben. Nun präsentiert das Museum den ersten Teil der erstmaligen Paläontologischen Landesausstellung in Nordrhein-Westfalen mit dem Thema „überLeben in der Eiszeit“.

© Cryosity Art & Science / Helene und Thomas Hoffmann
[ruhr-guide] Über 350 Exponate erzählen im Zeitraum vom 20. April 2026 bis zum 10. Januar 2027 in der Ausstellung „überLeben in der Eiszeit“ im Ruhr Museum Essen vom Leben und Überleben in einer Zeit dramatischer Klimaveränderungen. Ergänzend wird durch multimediale Inszenierungen und eindrucksvollen Animationen sichtbar, wie eng verwoben Natur, Klima und Mensch miteinander sind. Dabei werden die damaligen Umweltveränderungen und ihre Auswirkungen in Nordrhein-Westfalen dargestellt, sowie der heutige menschliche Umgang mit dem Klimawandel thematisiert. Damit verbindet „überLeben in der Eiszeit“ wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem hochaktuellen gesellschaftlichen Thema.
Die paläontologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen
Durch Initiative des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen findet zum ersten Mal im Bundesland eine Paläontologische Landesausstellung statt. Zusammen im Verbund präsentieren das Ruhr Museum Essen, das LWL-Museum für Naturkunde Münster und das Lippische Landesmuseum Detmold jeweils drei Einzelausstellungen zum Thema „überLeben“ im Zeitraum von April 2026 bis September 2027. Jede Ausstellung beleuchtet eine andere erdgeschichtliche Epoche. Dabei steht das Überleben der Tiere, Pflanzen und Menschen im Rampenlicht.
In jedem Museum warten diverse eindrucksvolle Fossilfunde auf die Besucher*innen. Highlights sind unter anderem der größte Raubsaurier Deutschlands im LWL Museum für Naturkunde in Münster, der Wal von Kervenheim im Lippischen Landesmuseum Detmold und im Ruhr Museum Essen können Besucher*innen den Schädel des Halterner Mammuts begutachten.
Die Ausstellung im Ruhr Museum Essen

Das Ruhr Museum bietet ab dem 20. April in der Industriekulisse der Kohlenwäsche auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein einen Einblick in die vielfältigen Lebenswelten unserer Region während des quartären Erdzeitalters, besonders in Hinblick auf das tierische und pflanzliche Überleben. Der stellvertretende Direktor des Ruhr Museums, Dietmar Osses, erläutert: „Die Ausstellung lädt dazu ein, die faszinierende Welt der Eiszeit in unserem Land mit ihrer überraschenden Vielfalt und dem beeindruckenden Wandel zu erleben. Sie zeigt, wie sich Pflanzen, Tiere, und Menschen an extreme Veränderungen angepasst haben – und welche Fragen sich daraus für die Gegenwart und Zukunft ergeben.“
Die fünf Kapitel Landschaft, Pflanzenwelt, Tierwelt, Menschen und Klima werden von einem Prolog und Epilog umrahmt und zeigen die Vielfalt des Eiszeitalters, welches in den vergangenen 2,6 Millionen Jahren die Region konstruiert hat. Die Ausstellung präsentiert zum einen Rekonstruktionen und Animationen eiszeitlicher Landschaften der Kalt- und Warmzeiten.
Ein deutlicher Fokus wird auf die Tier- und Pflanzenwelt gelegt. Dabei werden originale Knochenfunde, Skelette, lebensechte Dermoplastiken und Modelle präsentiert, welche die Vielfalt und die Anpassung der Tiere an das Klima darstellen. Der Wechsel der Klimaverhältnisse veränderte während des Eiszeitalters grundlegend den Lebensraum der Pflanzen und Tiere. Diese mussten sich dementsprechend Anpassen oder Ausweichen, um ihr Überleben zu sichern. Viele Arten starben jedoch aus.
Die eiszeitlichen Pflanzenwelt der Region kann in der Ausstellung anhand von originalen mikroskopisch kleinen eiszeitlichen Pollen entdeckt werden, aber auch durch die mächtige Wurzel und der beeindruckende Stamm einer zwölftausend Jahre alten Kiefer.
Des weiteren sind auch unsere Vorfahren ein Thema der Ausstellung. Seit 350.000 Jahren leben Menschen an Rhein und Ruhr. Um sich an die wechselnden Klimaverhältnisse anzupassen, nutzten sie Werkzeuge, selbst hergestellte Kleidung und bildeten Kulturtechniken heraus. Jedoch war nur der anatomisch moderne Mensch als einzige Menschenart überlebensfähig. Des Weiteren zeigt das seit rund 200 Jahren erforschte Klima, dass der gegenwärtige Klimawandel von Mensch gemacht ist.
Die Gestaltung der Ausstellung
Die Ausstellung wird auf der 12-Meter-Ebene der Kohlewäsche gestaltet. Dabei werden die markanten Bunkerwände der Zeche Zollverein als eindrucksvolle Kulisse verwendet. In der Mitte des Raumes steht eine über zwanzig Meter lange eiszeitliche Tierparade mit Skeletten und Rekonstruktionen aus verschiedenen Klimazonen. Pflanzen, Tiere und Menschen werden gleichwertig dargestellt, wobei eine reduzierte Gestaltung in dunklen Tönen die Exponate in den Fokus rückt, während gezielte Farb- und Lichtakzente besondere Situationen hervorheben.
Im Hinblick auf den Klimawandel ist besonders Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil des Ausstellungskonzepts. Dementsprechend stammen zahlreiche Vitrinen, Rückwände und Medientechnik aus dem Bestand des Ruhr Museums. Die inhaltlichen Aussagen der Ausstellung spiegeln sich in diesem Fall in dem verantwortungsvollen Umgang der Materialien wider.
In der „Paläo-Lounge“ haben Besucher*innen ebenfalls die Möglichkeit, sich Projektionen und Animationen zur Ausstellung anzuschauen. Dementsprechend entsteht ein Erlebnisraum, in dem sich die Wissenschaft, Atmosphäre der Ausstellung und Gestaltung miteinander verbinden lässt.
Leihgaben und Exponate
Die Ausstellung „überLeben in der Eiszeit“ ist aus über 350 Exponaten zusammengestellt. Dabei sind einige Exponate Leihgaben aus Sammelbeständen mehrerer Universitäten und Museen sowie der Bodendenkmalpflege der Landschaftsverbände, dem Geologischen Dienst und auch von Privatpersonen aus anderen Bundesländern oder sogar dem Ausland.
Fossilien, Gestein und Artefakten werden durch Modelle, Audio-, Bild- und Videoformate, Bücher, museumspädagogische Stationen und Kunstwerke in der Ausstellung ergänzt. Zum ersten Mal zeigt das Ruhr Museum ebenfalls eiszeitliche Landschaftsanimationen des Ruhrtals.

Das Fossilhighlight, der Mammutschädel von Haltern, finden Besucher*innen gleich zu Beginn der Ausstellung. Der Schädel wurde 1975 bei Bauarbeiten im Münsterland entdeckt und gehört zu den besten erhaltenen Mammutschädeln Europas. Ein weiteres „Mammutobjekt“ stammt aus der Balver Höhle, einem der wichtigsten Eiszeitarchive Nordrhein-Westfalens. Das Exponat ist einer der größten Mammutstoßzähne eines männlichen Wollhaarmammuts, gefunden in den 1930er-Jahren.
Als besonders spektakuläre Funde gelten die eiszeitlichen Tierfährten von Bottrop. Ein Teilstück der Bottroper Fährtenplatte wird in digitaler Form präsentiert. Sie ist etwa 150 Quadratmeter groß und bildet rund 600 Trittsiegel ab, welche 40.000 Jahre alt sind.
Im Hinblick auf das Ausstellungsthema Mensch stellt der berühmte Unterkiefer von Mauer bei Heidelberg einen der wichtigsten Funde einer fossilen Menschenart dar. Nach seinem Fundort wurde die ganze Menschenart Homo heidelbergensis, welche schon ausgestorben ist, benannt.
Der Ausstellungsbereich zum Einfluss der Menschen auf das Klima wird schließlich durch eine fast vier Meter lange Hülle einer Nuklearwaffe aus dem Kalten Krieg abgeschlossen. Diese fungiert als Symbol für die Möglichkeit der Menschen, einen weltweiten atomaren Krieg mit der Folge eines nuklearen Winters und einer neuen Eiszeit auszulösen.
Ausstellung „überLeben in der Eiszeit“ im Ruhr Museum Essen
Ruhr Museum
in der Kohlenwäsche, UNESCO-Welterbe Zollverein
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
Öffnungszeiten
Mo bis So 10 bis 18 Uhr
24., 25. und 31.12. geschlossen
Ausstellungsdauer
20. April 2026 bis 10. Januar 2027
Eintritt
Erw 10 €, ermäßigt 7 €
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schüler:innen und Studierende unter 25 Jahren Eintritt frei
Tickets sind erhältlich an der Museumskasse auf der 24-Meter-Ebene der Kohlenwäsche oder im Online-Ticketshop unter www.tickets-ruhrmuseum.de
Begleitprogramm
Alle Veranstaltungen finden sich im Programmheft sowie unter www.ruhrmuseum.de/eiszeitprogramm
Kostenlose Audioguide-App
1 Std., in Deutsch und Englisch An 25 Stationen führt der Rundgang per App zu ausgewählten Highlights. www.ruhrmuseum.de/app
Kostenlose Rallye-App „Überleben – 3 Museen 1 Reise“
1 Std., in Deutsch und Englisch Eine interaktive Tour mit dem neugierigen Alien Gidluk und 13 Rätsel- und Spiel-Stationen. www.wonderl.ink/@ueberleben
Katalog
168 Seiten, mit mehr als 130 Abbildungen, Isensee Verlag, Oldenburg 2026, 20 €
ISBN 978-3-7308-2264-7
Information, Anmeldung und Buchung
Besucherdienst Ruhr Museum
besucherdienst@ruhrmuseum.de
Telefon +49 (0)201 24681 444 (Mo bis Fr 9 bis 16 Uhr)
Weitere Informationen zur Landesausstellung unter: www.landesausstellung.nrw
Foto 1: © Cryosity Art & Science / Helene und Thomas Hoffmann
Foto 2: © Ruhr Museum / Christoph Sebastian
Foto 3: © Ruhr Museum / Christoph Sebastian




