"Wir sind alle Migranten" - Kunst am Ruhrradweg

Man sagt das Kunst verbindet. Doch was ist wenn man diese Verbindung wörtlich nimmt? Ab dem 28.08.2022 werden bis Mitte September entlang des Ruhrradweges die verschiedensten Statuen und Kunststücke zum Thema Migration zu finden sein. Auf der Route, die die Städte Bochum und Essen verbindet, findet man 4 Stationen an historischen Orten, bestückt mit Werken von lokalen Künstlern, die sich intensiv mit dem Thema Flucht und Migranten auseinander setzten.

Wand aus blau-gelben Fotos [ruhr-guide]Über etwa 6 Stunden und an 4 Stationen, lernt man bei einer schönen Fahrradtour an historischen Stätten über Migration von vor hunderten von Jahren und setzt sich dort mit der früheren Geschichte von Flüchtlingen auseinander, lernt aber auch über die Erfahrungen die Migranten heutzutage sammeln. Die Tour beginnt um 11:00 Uhr am Haus Oveney in Bochum und endet gegen 17:00 an der Spillenburger Mühle in Essen.

Wir sind alle Migranten und alle Menschen

„Wir sind alle Migranten.“ Das ist der Grundgedanke hinter dem von Metamorphose e.V. veranstalteten Projekt. In der europäischen Geschichte gab es viele Migrationswellen, ausgelöst durch Angst, Hunger oder der Hoffnung auf ein besseres Leben an einem anderen Ort. Man soll realisieren, das man selbst Teil einer alten Flüchtlingswelle ist. Dementsprechend die Herkunft nicht das einzige was eine ausmacht. Es soll dazu anregen, sich nicht mit seiner Heimat zu definieren, sondern als Mensch. Um genug Zeit zur Auseinandersetzung mit dem Thema zu haben, gibt es eine Radtour welche dazu verleitet auf seinem Weg zwischen den Stationen sich weiter Gedanken zu dem Thema zu machen.

Zeit und Location, wo alte und neue Migrationswellen aufeinander treffen

Die Fahrt beginnt am 28. August um 11:00 Uhr am Haus Oveney Café Restaurant. Ein Gebäude, welches schon vor etwa 800 Jahren erwähnt wurde und tief in der Geschichte verwurzelt ist, ist heute ein Treffpunkt der Kulturen. Aufgrund dessen platzierten die Essener Künstlerin Katharina Lökenhoff und der ägyptische Karem Ibrahim ihre Gemeinschaftsskulptur „Treshold“. Die Übersetzung für Treshold ist Schwelle oder Grenze. Die Skulptur dient also zur physischen Repräsentation der Flucht und der Gefühlslage des Migranten. Das Ende einer alten Situation und der Beginn einer unbekannten Zukunft, dargestellt durch die Verbindung verschiedener Kulturkreise in der Kreation eines gemeinsamen Kunstwerkes. Zur Eröffnung der Tour wird am Haus Oveney mit dem Projekt Ost-West Klang ein Konzert von drei talentierten Musikern gegeben, die iranische politisch motivierte Musik aus den letzten 50 Jahren spielen werden.

Gegen 13:00 wird die Tour an der nächsten Station ankommen, Angerostetes Stahlkonstrukt mit schattigen Umriss einer Person Restaurant Tum Bur. „Tum Bur“ bedeutet „zum Bauern“ und spielt auf eine Flüchtlingswelle von vor 9000 Jahren an. Damals wanderten Bauen aus dem Orient nach Europa und prägten die Gesellschaft so, dass wir dies heute noch spüren. Dort vorzufinden wird eine Holzskulptur von Roger Löcherbach sein, welche er an den zwei vorherigen Tagen vor Ort geschnitzt hat. Bei seinem Kunstwerk soll sich der Betrachter darauf konzentrieren das er keinen Flüchtling vor sich sieht, sondern einen Menschen.

Migrantion als Chance

Nach weiteren zwei Stunden wird man durch eine Floßfahrt daran erinnert, dass es Migration nie ohne Bewegung gegeben hätte. Wasser als Transportmittel wurde schon immer zum Reisen genutzt, aber auch zum Flüchten wenn man sich an die Flüchtlingskrise 2015 erinnert. Aber auch die Industrie, welche lange im Ruhrgebiet ihr Zentrum hatte, nutzte Wasser als Transportwesen. Durch eben diese Industrie kamen viele Gastarbeiter aus der Türkei oder Polen nach Deutschland. Mit ihrer Statue „Rachamin“ wollen Katharina Lökenhoff und Karem Ibrahim das Mitgefühl für Flüchtlinge und Migranten darstellen.
abstraktes Stahlwerk in Silber und Blau
Die Spillenburger Mühle in Essen bildet um 17:00 Uhr der Abschluss. Neben der Kunst wird man dort auch Musik und andere Aktivitäten der Caritas auf dem Gelände des Projekts „Neue Insel“ vorfinden. Dort soll nämlich ein Fahrradhotel sowie auch ein gastronomischer Betrieb mit Biergarten gebaut werden welcher ein Co₂-neutrales Konzept für seine Betriebsnahme vorweist, aber auch den Plan, dort für Menschen mit Migrationshintergrund und Handicap ein Arbeitsangebot zu schaffen. An diesem Ort errichtet die Gelsenkirchener Künstlerin Claudia Lüke mehrere Bilder zum Thema Zerstörung und wie sie sich auf Mensch und Natur auswirkt.

Was hält dich auf ?

Wer sich für die Thematik und Kunst interessiert und am 28. August noch nichts vor hat, sollte sich das nicht entgehen lasse. Hier gibt es eine sehr gute Gelegenheit um sich mit dem Thema Flüchtlinge und Migration zu konfrontieren.

Fahrradtour mit Stationen

28. August 2022

Startort und Uhrzeit:
11:00 am Haus Oveney Bochum

Fotos: Verein Metamorphose e.V