Stahlgeschichte(n) im HOESCH-Museum

160 Jahre Stahlgeschichte sind in Dortmund fest verankert und haben hier schon lange ihren Platz im HOESCH-Museum. Das historische Portierhaus der Westfalenhütte ist ein lebendiges Zentrum und Forum für Industrie-, Technik- und Stadtgeschichte. Ab dem 11. August gibt es nun die neue Sonderausstellung "Hoesch maritim" zu sehen.

Hoesch-Museum, Foto: Hoesch-Museum Dortmund [ruhr-guide] "Die Namen HOESCH und Dortmund sind untrennbar miteinander verbunden", freute sich Jörg Stüdemann, Dezernent für Kultur, Sport und Freizeit der Stadt Dortmund wenige Tage vor der Eröffnung des neuen Museums im Jahr 2005. Vielen ehemaligen Stahlarbeitern ist das Gebäude an der Ecke Eberhard-/ Stahl- werkstraße noch gut in Erinnerung. Tausende Hoeschianer passierten täglich das heute denkmalgeschützte Gebäude auf ihrem Weg ins Werk oder nach getaner Arbeit – bis zur Stilllegung von Hochofen 7 im April 2001. Doch ganz verschwunden ist der Stahl nicht aus Dortmund, und so entstand auf den vorhandenen Anlagen der Standort Westfalenhütte, das so genannte Kompetenzzentrum für kaltgewalzten und oberflächenveredelten Stahl von ThyssenKrupp. Zusammen mit dem HOESCH-Museum besteht für Besucher die Möglichkeit Vergangenheit und technische Innovationen im 21. Jahrhundert hautnah zu erleben.

Das Portierhaus als Highlight

Das Portierhaus selbst ist mehr als sehenswert. Der ehemalige Werkseingang zur Westfalenhütte wurde von der Anfang des 20. Jahrhunderts in Dortmund renommierten Architektengemeinschaft Hugo Steinbach und Paul Lutter entworfen und zwischen 1912 und 1914 errichtet. Seither galt die Architektur des Portierhauses als Vorbild für weitere Werkszugänge. In erster Linie wurden hier die Marken der Stahlarbeiter, und somit die Anwesenheit kontrolliert. Darüber hinaus beherbergte das Portierhaus die Räume der Werkspolizei samt Arrestzelle, ein Lohnbüro und einen Speisesaal. 1937 wurde das Gebäude um eine Etage für technische Büros aufgestockt und um einen Anbau im Erdgeschoss erweitert. Der heutige Bauzustand wurde in den 1950er Jahren hergestellt und von Verwaltungsbüros der Hoesch-Walzwerke genutzt. 1988 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Schon Ende der 80er Jahre wurde im ehemaligen Portierhaus das HOESCH-Museum und das HOESCH-Archiv eingerichtet. Mit der Fusion der Fried. Krupp AG, Essen, und der HOESCH AG, Dortmund, zur Fried. Krupp AG HOESCH-Krupp im Jahr 1992 wurde der Museumsbetrieb jedoch eingestellt, lediglich das Archiv bestand weiter.

Stahlwerk Hoesch, Foto: Hoesch-Museum Dortmund

Stahlgeschichte zum Anfassen

Nunmehr ist das Portierhaus I Mittelpunkt von 160 Jahren Stahlgeschichte in Dortmund und setzt mit seiner Dauerausstellung der industriellen Epoche vom ersten Abstich Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Erlöschen der Hörder Fackel ein Denkmal. Gleichzeitig schlägt es den Bogen zu den aktuellen städtebaulichen Herausforderungen wie dem Phoenix-See und dem Gründer- und Forschungszentrum MST.factory. In der Dauerausstellung erwarten die Besucher Exponate aus 160 bewegten Jahren. Einige wichtige davon wurden von Mitarbeitern und Auszubildenden im Dienstleistungszentrum Dortmund der ThyssenKrupp Stahl AG restauriert und auch produziert. Darunter werden Objekte zum Anfassen das Museum in einen spannenden Erlebnisort verwandeln, wie die Versuchsanordnung von oberflächenbehandelten Blechen, die bei Berührung sehr schwache elektrische Ströme erzeugen.

Die Stahlzeit in Dortmund

Die acht Ausstellungsbereiche der Dauerausstellung "Stahlzeit in Dortmund" tragen die Titel:
- Gebäude erzählen. Repräsentative Bauten der Firma Hoesch
- Frühe Gründungen. Eisen- und Stahlindustrie im Dortmunder Raum
- Ein Konzern entsteht
- Vom Erz zum Stahl
- Arbeit auf der Hütte
- "Hoeschianer"
- Stahl - Produkte - Handel
- Phoenix aus der Asche. Visionen und Konzepte für das "neue Dortmund".
Das HOESCH-Museum verknüpft nicht nur Geschichte und Erlebnis, es ist auch ein gelungenes Beispiel einer Public Private Partnership, wie es so schön heißt. Denn für die Abteilung "Das neue Dortmund" erhält das HOESCH-Museum finanzielle Förderung vom dortmund-project und der Dortmund-Stiftung, die die grundlegende Unterstützung des HOESCH-Museums durch die NRW-Stiftung und die ThyssenKrupp-Stiftung ergänzt. Seit 2009 gibt es nun zusätzlich eine neue Art das Stahlwerk zu entdecken und zwar in 3D. Das „3D Erlebnis Stahlwerk“ liefert ein echtes Abenteuer für Entdecker, die mal ein Stahlwerk von innen sehen wollten und sich dafür interessieren wie die Arbeit dort eigentlich abläuft. Natürlich ist dort alles sicher, auch für die kleineren Entdecker unter uns, denn das Feuer, das bleibt schön im virtuellen Hochofen und nicht zu uns. In einem virtuellen Stahlwerk kann man sich per Joystick und 3D-Brille mitten in die Stahlproduktion versetzen und sogar selbst einen Kran steuern.

Hall-Anker verschiedener Gewichte der Dortmunder Union, 1897. abgedruckt in „Werk und Wir“, Ausgabe 7/1967

"Hoesch maritim" - Die Sonderausstellung

Ab dem 11. August bis zum 27. Oktober kommt eine neue Sonderausstellung ins Hoesch. Begleiten Sie die 100 jährige maritime Partnerschaft zwischen der Firma Hoesch und seinen Partnern. Zentral bei dieser Ausstellung ist die starker Verbindung zwischen Hoesch und dem Dortmunder Hafen, der dieses Jahr seinen 120. Geburtstag feiert. Von Stahlwerken, Schiffsbau und Wasserwegen wird bei dieser Ausstellung wieder ein tiefer Einblick für die Besucher zugängig gemacht. "Hoesch maritim" hat für Marine- und Stahl-Fans alles was das Herz begehrt.

Hoesch-Museum

Eberhardstr. 12
44145 Dortmund
Tel: 0231 8625917

Öffnungszeiten:
Di + Mi 13.00 – 17.00 Uhr
Do 09.00 – 17.00 Uhr
So 10.00 – 17.00 Uhr

Eintritt: kostenfrei

Sonntagsführungen, 14.00 Uhr
Entgelt: Erwachsene 2,50 Euro/Pers., ermäßigt 1,25 Euro/Pers.

Informationen zu Führungen und Services:
Tel. 0231 862 59-17 oder 0231 844 58 56
E-Mail: fdhm-gs@web.de

(Stand: August 2019, Angaben ohne Gewähr)

Fotos: Hoesch-Museum Dortmund