Bürger wehren sich gegen neue Abfallanlage in Bochum-Gerthe

Auf dem Gelände des ehemaligen Dämmstoff-Produzenten Philippine in Bochum könnte bald eine Anlage zur Behandlung und zeitweisen Lagerung von Abfällen entstehen. Der Planungsausschuss der Stadt Bochum befasst sich derzeit mit dem Vorhaben der Firma Ecosoil. Die Soziale Liste Bochum rechnet mit 300 Lkw-Fahrten pro Tag. Diese Nachricht hat zahlreiche Anwohner der Stadtteile Bochum-Gerthe und Castrop-Merklinde aufgeschreckt. Nun wehren sie sich mit allen Mitteln gegen die Neuansiedlung des Betriebs auf dem etwa 33.388 Quadratmeter großen Grundstück am Bövinghauser Hellweg. Erste Protestaktion am 4. September erfolgreich verlaufen!

Auf dem Grundstück der ehemaligen Philippine GmbH soll eine Abfallanlage von Ecosoil entstehen [ruhr-guide] Die Firma Ecosoil will auf dem Grundstück der ehemaligen Philippine Gmbh eine Bodenaufbereitungsanlage errichten. Es sollen ausschließlich nicht gefährliche, mineralische Böden angenommen werden. Ob das auch auf Dauer so bleiben wird, bleibt abzuwarten. Das bestehende Bürogebäude auf dem Gelände soll erweitert werden und andere Gebäudeteile werden hingegen abgerissen. Zudem sind mehrere neue Hallen geplant, eine überdachte Bearbeitungsfläche, eine Werkstatt und eine Reifenwaschanlage für die zudem ein Reifenwasser-Recyclingtank aufgestellt werde, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Bochum. Ecosoil betreibt momentan eine Anlage in Bochum-Riemke und sucht einen neuen Standort.

Ecosoil plant Abfallanlage im Bochumer Norden

Das Unternehmen will auf dem Gelände der ehemaligen Philippine Böden in einer mechanischen Anlage mit Sieben aufbereiten. Dabei entsteht jede Menge Staub der mit Hilfe von Feinbedüsung und Berieselung minimiert werden soll. Der auf bearbeitete Boden werde anschließend in Boxen oder in der Lagerhalle untergebracht. Außerdem soll der Arbeitsbereich mit einer Überdachung und teils geschlossenen Wänden eingehaust werden.

Ein Geräuschgutachten und eine Vorabschätzung der Staubemissionen wurden der Stadtverwaltung vorgelegt. Laut Stadt Bochum werde die Verwaltung die Bauanfrage positiv bescheiden, wenn die Prüfung der Gutachten positiv ausfalle und keine naturschutzrechtlichen Bedenken bestehen würden.

Protestaktion am 4. September 2020 war erfolgreich

Erste Protestaktion gegen Bodenaufbereitungsfirma erfolgreich verlaufen

Die Wir sind Merklinde e.V. Bürgerinitiative hatte für den 4. September eine erste Protestaktion gegen das Vorhaben unter dem Motto „Lärm macht Krank“ ins Leben gerufen. Die 170 Teilnehmer ließen sich auch vom regnerischen Wetter nicht abhalten, ihren Unmut lautstark zu äußern. Mit Plakaten, Trillerpfeifen, Hupen und lautstarken Gesängen machten sie darauf aufmerksam, dass Lärm krank macht und niemand die Firma Ecosoil in einem Wohngebiet haben will. Bei der Abschlusskundgebung betonte auch Rajko Kravanja, Bürgermeister der Stadt Castrop, dass die Bedenken der Anwohner absolut ernst zu nehmen sind und die Stadt Castrop ihr Anliegen unterstützen wird.

Weitere Infos dazu unter www.wir-sind-merklinde.de.

Anwohner machen sich gegen Vorhaben stark

Der Unmut über das Vorhaben ist unter Lärm macht krank!den Anwohner in Gerthe und Merklinde inzwischen groß. Es wird Lärm und Dreck durch die zahlreichen Lkw-Transporte befürchtet. Bereits jetzt sei der Bochumer Norden sowie Merklinde durch die Remondis-Anlage und mehrerer Autoverwertungs-Betriebe erheblich belastet, so die Soziale Liste. Deshalb macht sich das Bündnis inzwischen auch in der Gerther Fußgängerzone gegen das Vorhaben stark, sammelt Unterschriften und verteilt Flugblätter. Die Forderung lautet: „Ich bin gegen die Betriebs-Umsiedlung der Ecosoil Nord-West GmbH nach Bochum-Gerthe.“

In einer Stellungnahme des Vereins „Wir sind Merklinde“ heißt es: „Die Gerther Straße ist schon heute durch ein erhebliches Verkehrsaufkommen durch das Industriegebiet in Bochum Gerthe schwer belastet.“ Daher sei die Fahrbahn jetzt schon ein holpriger Flickenteppich und sei auch gar nicht für so ein hohes Verkehrsaufkommen ausgerichtet. Neben dem „gesundheitsschädlichen Verkehr“ käme auch noch eine „Staubbelastung und Lärmbelastung für den gesamten Ortsteil dazu“, so der Verein.

Die Anwohner haben Angst vor dem LKW-Verkehr

Eigentümer fürchten um Ihre wirtschaftliche Existenz

Gunter Arndt betreibt einen Reiterhof in unmittelbarer Nähe des Geländes und sieht seine Existenz bedroht: "Als Eigentümer eines Bauernhofes, der direkt an das Gelände der geplanten Bodenaufbereitungsanlage angrenzt und im Namen der gesamten benachbarten Bauernschaft, sprechen wir uns klar gegen die Ansiedlung von Ecosoil aus. Eine solche Entscheidung zeugt nicht nur von umweltpolitischer Inkompetenz, sondern richtet auch wirtschaftlich großen Schaden an.

In den letzten Jahren haben sich im Landschafts- und Naturschutzgebiet direkt neben dem Firmengelände einige Rote-Liste-Arten angesiedelt. Hierunter die Schleiereule, der Turmfalke sowie etliche Fledermausarten, um nur einige zu nennen. 6 Reiterhöfe in direkter Nachbarschaft auf den Stadtgebieten von Castrop-Rauxel, Dortmund und Bochum mit insgesamt knapp 200 Pferden und einer entsprechenden Anzahl an Reitern und dessen Angehörigen wären in ihrer Freizeitgestaltung betroffen. Durch die hohe Lärm- und Staubbelastung sind die (Bio)höfe und zwei Reitvereine in Ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Die Lärmbelastung geht dabei nicht nur von den rund 300 LKWs / Tag aus, sondern auch von den riesigen Boden-Siebanlagen, dessen Lärm durch unsere Tallage noch verstärkt wird. Ebenso werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, da die Arbeitsplätze der bereits auf dem Firmengelände angesiedelten Firmen aus der Region verlagert werden.

Auch im Namen der benachbarten Höfe darf ich sagen, dass wir uns massiv zur Wehr setzen, sollten die Pläne zur Ansiedlung einer Bodenaufbereitungsanlage weiterverfolgt werden!"

Ein Landschafts- und Naturschutzgebiet liegen direkt in unmittelbarer Nähe

Castrop-Rauxel äußert Bedenken

Auch die Stadt Castrop-Rauxel äußert Bedenken. Dort bestehe noch „erheblicher Klärungsbedarf“ aus immissionsschutzrechtlicher Sicht, heißt es in einem Brief der Stadt: soziale-liste-bochum.de. Bei einer Sitzung des Ausschusses für Bauen,Verkehr und Sport wurde das Vorhaben klar abgelehnt, wegen der negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung in Castrop-Rauxel.

Diese Auswirkungen erläutert die Stadt Castrop-Rauxel in ihrem Schreiben vom 27. Juli genauer. Es werde befürchtet, dass sich die Verkehrsbelastung auch auf das Straßennetz der Stadt auswirke. Auch ein Schallgutachten legte die Verwaltung dem Schreiben bei, dem 200 Lkw-Fahrten pro Tag zu Grunde liegen.

Die Gerther Straße ist bereits jetzt erheblich belastet

„Lärm macht krank“

Zum Thema Lärmimmission wird erklärt: „Die Gerther Straße ist bereits jetzt erheblich mit Lärm beaufschlagt. Den Lärmaktionsplänen der Stadt Castrop-Rauxel kann entnommen werden, dass die Lärmbelastung hier nicht nur rechnerisch nachweisbar, sondern auch durch die Anwohnerinnen und Anwohner stark wahrgenommen wird.“

Zudem äußerte Castrop-Rauxel Zweifel daran, ob das Gelände überhaupt ausreichend erschlossen sei bzw. unwirtschaftliche Aufwendungen für Straßen NRW erfordere.

Zufahrtstraße nicht dafür ausreichend

„Der derzeitige Zufahrtsweg (Bövinghauser Straße) würde auch keinesfalls ausreichen, um die Menge an anliefernden LKW aufzunehmen. Schon zu Zeiten der Philippine haben sich die LKW teilweise bis auf die Gerther Straße zurück gestaut, den fließenden Verkehr beeinträchtigt und Lärm und Abgase verursacht,“ das berichten weitere unmittelbare Anwohner unserem Magazin.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass sich ausnahmsweise die Vernunft im Rat der Stadt Bochum durchsetzt und nicht einmal mehr der Natur- und Anwohnerschutz hinter wirtschaftlichen Interessen zurück stecken muss – und das kurz vor der Kommunalwahl.

Wer sich aktiv beteiligen möchte, kann sich gerne hier informieren:
Wir sind Merklinde e.V.
Soziale Liste Bochum