Die Abenteuer von Stanislav und Stanija Stankowski - Schicht mit Schmacht

Der gemeine Ruhrgebietler geht, so scheint es nach außen hin, einem ganz normalen Beruf nach und lebt anschließend sein Privatleben so vor sich hin. Aber ist dem wirklich so? Wir widmen uns auf der Suche nach Antworten der Familie Stankowski und ergründen dabei Tiefen, deren Existenz wir zuvor nicht einmal erahnen konnten.

Wat besseres gibtet nich als wie Currywurst, Foto - Richard Eisenmenger [ruhr-guide] Boah lass mich doch noch pofen ey, denkt Stanislav Stankowski, einer der Helden der Arbeit, wie sie nur das Ruhrgebiet hervorbringt, während seine Frau Stanija ihn durch unerwünschtes Anschmiegen weckt. “Ey Schatz, nimma deine Eismauken da wech, dat is ja wie Oppas Erzählungen ausse Kaschubei inn Winter!”, lässt er seine geliebte Stany wissen, die sich davon wenig beeindrucken lässt. “Jetz hab dich ma nich so, da stehße wenichstens ma pünklich auf”, überzeugt sie ihn von den positiven Aspekten eines gemeinsamen Bettes. Während Stanis sich und seinen leicht anwachsenden Kompressor aus dem Bett hievt, dreht sich Stanija noch einmal um: “Du mir is heut komisch, ich glaub ich geh lieba nich auf Maloche.” Wat für Maloche, du bis anne Kasse von Aldi Nord, denkt Stanislav Stankowski – macht sich aber widerwillig auf den Weg zur Morgentoilette, während Frida und Erik ihm schon vor den Füßen herumschawenzeln. “Hömma zu ihr Faxenheinis, die Mutti is heut plümerant, von mir aus macht euch euern Kelloggs inne Schüssel, ich schmier mir ma ne Stulle für die Arbeit!”

Abenteuer Arbeitsweg

Nachdem die Kinder sich autarker als jede Kommune selbst versorgt haben und Stanis erfolgreich einige Butterbrote fertiggestellt hat, ist es Zeit zum Aufbruch. “Schüß Stany, besser dich ma gut!” “Haha du Witzbold!” Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht macht sich Stanis auf den Weg zum Auto, wird aber von seinem Nachwuchs abgefangen.”Sachma Pappa, kannße uns bei dem Sauwetter nich eben zur Schule fahrn?” In der Tat plästert es mal wieder, und so sieht Papa Stankowski sich gezwungen, seine Ableger zur Zwangsbildungsinstitution zu kutschieren. “Ich sach euch wat, dafür gebt ihr dem Pappa aba n Eis aus dasser hier so durche Baustellen gurkt”, sagt Stanis und versucht dabei, den größten Schlaglöchern auszuweichen. “Ja siggi”, tönt es vom Rücksitz. “Und nimma ruhich die Senke da vorne mit, dat macht n Heidenspass!” In der Tat verlaufen die Schlaglöcher im Regen zu einer sauerlandartigen Berg- und Talkulisse, in deren Tälern Ölflecken von den Scheinwerfern angestrahlt verheißungsvoll regenbogenfarben glitzern. Folgerichtig merkt Frida an, dat sei ja wie bei ihre Ponyserie mit den Farbspektakel da.

Nach weiteren aufreibenden Minuten und waghalsigen Manövern sind die drei endlich an der Schule angelangt, wo Stanis sie schnellstmöglich ablädt, um noch rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen, ehe der Chef vor Wut wieder mit seiner Rotzbremse zu wackeln beginnt. In der Tat gelingt ihm das Kunststück trotz morgendlichen Hochbetriebs und er hechtet in die Montagehalle – pünktlich, da kann der Chef mit seinem Bergmannsjojo spielen wieer will, denkt Stanislav Stankowski. “Morgen Chef”, sagt er, und erhält das übliche genuschelte “Morgen Stanzoffki” zurück. “Sachma, Namen merken is dem echt nich seine Stärke ne?” “Ach hör mich auf ey”, mockiert sich Kalle Kampinski, “mich nennter immer Kandinsky, sehich aus wie wennich Zeit für Farbgeklatsche hab?!” Stankowski zwingt sein Gesicht zu einem wissenden Grinsen. “Ey Schrammi weiße wat der Kalle mit sein Kadenzki imma hat? Wat is dat für einer?” “Näh keine Ahnung, aba machma hinne mitn Beleuchtn, die Technik baut sich nich von alleine auf!” “Is ja gut du Bräskopp”, denkt Stanislav Stankowski. Bzw. er sagt es auch, dem Gesicht von Schrammi nach zu urteilen, jedenfalls sofern man das dem Gesicht noch ablesen kann. “Äh ich dampf ma los wa!” “Mhm, besser iset, sons gibt uns der BigMäc einen auffe Löffel wenn wir hier nur rumsülzen.” “Für wat machn wa hier eigentlich die Latüchten rein?” “Ach dat is son abgehobenet Kunstmoped wat die hier vaanstalten wollen glaubich”, meldet sich Bernhard von einem Gerüst, auf dem er bereits an der luminativen Ausstattung der Halle arbeitet. “Naja gut, dann sehich ma zu ne.” Mit diesen Worten schließt sich auch Stanis der arbeitenden Menge an.

Brunftschreie am Arbeitsplatz

Nach einigen Stunden beginnt sein Bauch zu röhren. Hannes Heisterkamp fällt fast vom Stuhl, auf dem er soeben pausiert: “Dat war doch n Elch sein Brunftschrei, dat hamwa in Schweden gehört, die Hilda und ich!” “Mensch Hannes, früha, da warße anders, die Kräuterhexe hat dich den Kopp verdreht glaubich”, analysiert Kalle mit gewohnt geschickter Wortwahl sein Verhältnis zu Hannes. “Ja und wat waret sonst?” “Mein Magen du Pannaskopp”, informiert ihn Stanis sachlichstmöglich und greift in seine Tasche. “Verdammich, wo isn meine Stulle?” Die hatte er wohl zu Hause liegen gelassen. Unterdessen hat das Magenknurren auch Friedrich Frisch, den Chef, auf den Plan gerufen, der überzeugt ist, dass Stanis bestimmt irgendwat an sein Magen hätte und normal würd dat aba nich klingen. Schultern zuckend macht sich Stanis also vorzeitig auf den Weg nach Hause – son Halbgott in Weiß sacht mir auch nix anderes wie dasich ma wat zu essen brauch, denkt er sich. Daher macht er auf dem Heimweg noch schnell inne Bude umme Ecke halt, wo er “eimma CPM bidde” ersteht, die er zu Hause in Ruhe genießen kann, denn anscheinend ist Stany gesund genug, um mit ihrn Putzlappengeschwader in Muttigrill einzukehren und Muckefuck zu trinken, jedenfalls sagt das die Notiz auf dem Küchentisch. Die ist vermutlich eigentlich für die Kinder gedacht, sinniert Stanis, während er es sich nach dem Essen auf dem Sofa bequem macht – aber dank G8 sind die bis nach 4 Uhr außer Haus. “Dat iset also, G8 is da um die Eltern zu entlasten, wattn feiner Zuch von Schulministerium”, resümiert Stanis Stankowski.

Foto: pixabay / Richard Eisenmenger

(fw)

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