Die nächste Ruhr-Hitzewelle kommt bestimmt

Durch die vielen Städte mag das Ruhrgebiet ein Hort der Mehrfamilienhäuser sein; 1,76 Millionen Ruhr-Wohnungen befanden sich laut der Regionalstatistik des Jahres 2018 in solchen Gebäuden. Aber: immerhin 30 Prozent aller Wohnungen, knapp 800.000 Stück, befinden sich in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Hitzewelle in der Stadt, Foto: © stock.adobe.com, hepasoft Durch den damit häufig einhergehenden Eigenbesitz haben deren Bewohner natürlich ganz andere Möglichkeiten, ihr Wohnumfeld auf den Sommer vorzubereiten. Denn der wird mutmaßlich auch künftig ähnlich heiß und trocken wie die Rekordsommer der vergangenen Jahre. Doch was tun, bevor alles, was sommertauglich ist, wieder in den Bau-, Garten- und Einrichtungsmärkten ausverkauft ist?

1. Vordächer, Sonnensegel und Markisen installieren

Der beste Hitzeschutz ist der, der Sonneneinstrahlung schon reduziert, bevor sie auf Mauern und Fenstern trifft und deren Wärmetransmissionswerte einem Beweistest unterzieht. An diesem Punkt sollte bedacht sein, dass im Sommer zwar auch die Luft erhitzt ist, aber der kräftigste Hitzeeintrag über die Strahlungswärme der Sonne geschieht – ähnlich wie ein starker Laser, der noch in einiger Entfernung Papier ankokelt. Das bedeutet, jedes Bisschen Schatten macht es im Haus kühler, weil es den Faktor Sonne aus der Erwärmungsgleichung herausnimmt. In wärmeren Ländern gibt es deswegen umlaufende Verandas, breite Vordächer und dergleichen. Nur sind die schon in die Gebäudestruktur integriert. Bei normalen Ruhr-Häusern müssen sich Besitzer anderweitig helfen. Das geschieht durch lichtundurchlässige Vor- und Terrassendächer, gespannte Sonnensegel und bei Nichtbedarf einrollbare Markisen.

Wichtig: Zwar sollte vor allem die Südseite des Hauses abgedeckt sein, allerdings sollten auch Ost und West nicht unbedeckt bleiben. Und natürlich bringen auch diese Helfer nur wenig, wenn die Fenster und Türen nicht geschlossen bleiben. Apropos:

Fenster- und Türdichtungen reparieren, Foto: © stock.adobe.com, New Africa

2. Fenster- und Türdichtungen auf Vordermann bringen

Meist sind es nur schmale Gummilippen, die Dichtungen zwischen Rahmen und Fensterflügel bzw. Türblatt. Dennoch spielen sie eine wichtige Rolle, um Temperaturunterschiede zwischen innen und außen beizubehalten. Nicht nur im Winter, wohlgemerkt.

Doch Dichtungen altern, werden spröde und kommen so ihrer Aufgabe nicht mehr nach. Wer sich den Tausch der häufig herstellerspezifischen Dichtungen nicht zutraut, sollte lieber einen Fensterbauer hinzuziehen; die Arbeit dauert höchstens einen Tag. Doch auch wenn die Gummis neu sind, kann es sich noch lohnen, zusätzliche Dichtungen anzubringen – das wiederum geht wirklich in Eigenregie.

3. Ventilatoren wieder fit machen

Spätestens wenn der Wetterdienst dauerhafte Temperaturen über 25°C ankündigt, schmelzen die Vorräte der Baumärkte an Ventilatoren und mobilen Klimageräten ähnlich schnell dahin wie das köstliche Produkt aus Giovanni Martinis Handkarren. Das heißt: Wer jetzt noch Lücken hat, sollte sie rasch stopfen.

Und für alle anderen gilt, was da ist, sollte fit gemacht werden. Das kann sich auf einen simplen Funktionstest erstrecken, ebenso ist es jedoch auch die Gelegenheit, die Luftverwirbler gestalterisch zu optimieren – sei es durch bunte Stoffstreifen am Gitter von Tischventilatoren oder beklebte bzw. bemalte Deckenventilator-Flügel.

Tipp: Idealerweise wird schon jetzt alles auf die Räumlichkeiten verteilt. Das erspart das Klettern auf den hitzedurchglühten Dachboden, wenn es soweit ist.

4. Sinnvoll Fliegengitter installieren

Während der Tagesstunden sollten wie erwähnt Türen und Fenster konsequent geschlossen bleiben. In den Nacht- und frühen Morgenstunden allerdings müssen sie geöffnet werden, um einerseits Frischluft ins Haus zu bringen und andererseits die kühlsten Tagesphasen auszunutzen. Allerdings ist klar, dass diese Offenheit auch eine Einladung an sämtliche fliegenden Plagegeister ist. Schon ihretwegen sollten zumindest die Fenster in Schlaf- und Kinderzimmern mit Fliegengittern versehen werden.

Doch es gibt noch einen weiteren, ziemlich physikalischen Grund: Verdunstungskälte. Werden die Fliegengitter bei offenem Fenster, etwa per Sprühflasche, mit Wasser benetzt, wird der sie umgebenden Luft durch Verdunstung Wärme entzogen. Bedeutet, jene kühle Nachtluft, die hineinströmt, wird dadurch noch ein bisschen kälter. Tipp: In der Spülmaschine gereinigte Sprühflaschen von Fensterreinigern eignen sich dafür hervorragend. Soll der Wassernebel aber auch direkt auf den Hausbewohnern landen, sollten zur Vermeidung etwaiger Reinigungsmittelrückstände Sprühflaschen aus dem Gartenbedarf verwendet werden.

Kühlschränke rechtzeitig enteisen, Foto: © stock.adobe.com, fotoduets

5. Kühlschränke und Tiefkühler enteisen

Bei jeder Öffnung der Kühlschranktür gelangt etwas frische Luftfeuchtigkeit ins Innere. Zusammen mit der Feuchtigkeit, die durch einen weiteren physischen Begriff, Kältetrocknung, dem Kühlschrankinhalt entzogen wird, bedeutet das: Eis.

Dieses Eis, das sich vorzugsweise dort bildet, wo die Kühlrippen installiert sind, sorgt für mehrere Probleme:

1. Der Kühlschrankinhalt wird nicht mehr so kalt wie das Gerät eingestellt ist, da die Kälte des Eises dem Temperaturfühler Fehlwerte vorgaukelt.
2. Der Kühlschrank verbraucht mehr Energie, das treibt die Stromrechnung hoch.
3. Das Kühlsystem, welches dem Inhalt Wärme entzieht, muss schwerer arbeiten – der Kühlschrank stößt deshalb nach außen mehr Abwärme aus; es wird also am Aufstellort wärmer.
Das Eis muss also weg. Normalerweise verrät die Betriebsanleitung, wie es für das exakte Gerätemodell geht. Ist die nicht auffindbar, gibt es jedoch auch eine sichere, universelle Vorgehensweise.

6. Wasserbehälter beschaffen und befüllen

Während der vergangenen Sommer verboten auch in NRW viele Städte, Gemeinden und teils ganze Landkreise allen unnötigen Wasserverbrauch – das traf vor allem jene Hausbesitzer hart, die einen Garten haben. Zwar war praktisch immer das Gießen von Nutzpflanzen erlaubt, Rasen und Zierpflanzen blieben jedoch außen vor.

Tatsache ist, derartige Verbote können uns auch in kommenden Sommern immer wieder ereilen. Gut, wer dann auf üppige Wasservorräte zurückgreifen kann – die sind selbst dann nicht betroffen, wenn sie vor dem Verbot aus der Leitung befüllt wurden.

Ob es nun ein Design-Fass aus dem Baumarkt ist oder ein schnöder IBC-Tankwürfel, spielt dabei keine Rolle. Wer sich absichern will, sollte ebenfalls jetzt Wasserspeicher beschaffen. Zum einen, weil sie natürlich noch durch diverse Regengüsse gefüllt werden können. Zum anderen aber, weil sie bei angekündigten Hitze- und Dürreperioden vor etwaigen Verboten rasch mit dem Gartenschlauch gefüllt werden können – bei einem Ruhrgebiets-Durchschnitt von etwa 3,75 Euro für 1000 Liter / 1 Kubikmeter Wasser ist das wesentlich günstiger als potenzielle Strafzahlungen während eines Verbots.

Tipp: Jeder Quadratmeter von Haus und Anbauten, der Regenwasser auffängt und in die Tanks leitet, nicht mehr in die Kanalisation, sollte bei der Kommune angemeldet werden. Dafür sinken nämlich die zu zahlenden Niederschlagswassergebühren.

7. Dachfenster vorbereiten

Dachfenster sind bei großer Hitze vor allem deshalb ein Problem, als dass sie durch die Neigung oft vollflächig der Sonne entgegengeneigt sind. Die grundständigste Nachrüstlösung dagegen wäre es, „richtige“ Rollladen außen anbringen zu lassen – das ist aber auch die mit Abstand teuerste Option. Wesentlich günstiger sind jene außen anzubringenden Markisen, die viele Schrägfensterhersteller im Angebot haben. Sie bestehen aus Kunstgewebe, dämmen deshalb zwar nicht so gut wie ein massiver Rollladen, aber sie hemmen Sonneneinstrahlung, bevor sie das Fenster und den Innenraum trifft. Wird dies noch mit Rollos auf der Innenseite kombiniert, kann das von Hitzewellen immer besonders betroffene Dachgeschoss merklich kühler gehalten werden.

8. Pflanzen innen und außen aufstellen

Pflanzen geben über ihre Blätter enorme Mengen an Feuchtigkeit an die Umgebungsluft ab. In subtropischen Gebieten, wo die Sommer feuchtheiß sind, rät man deshalb dazu, sie aus der Wohnung zu verbannen. Umgekehrt jedoch bei uns. Da sind nicht nur die jüngsten Sommer auch durch trockene Luft gekennzeichnet. Da funktionieren die Pflanzen dann tatsächlich als Helfer, denn abermals tritt hier die genannte Verdunstungskälte auf.

Sie sollte Grund sein, das Innere des Hauses jetzt noch mit einigen großflächigen Zimmerpflanzen zu versehen. Dabei gilt: Je größer die Blätter, desto mehr Wasserabgabe an die Umgebungsluft. Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, kann sogar größere Pflanzen dicht an der Fassade aufstellen. Auch sie helfen nach dem gleichen Prinzip. Allerdings: Die langfristig beste Lösung, zumindest wenn keine Gefahr besteht, dass dadurch kostbare Dämmungen beschädigt werden, ist eine Fassadenbegrünung – etwa mit wildem Wein, Geißblatt oder Blauregen (bitte kein Efeu, das beschädigt den Putz). In dem Fall steckt das ganze Haus in einer Art „lebendem Kühlmantel“.

Zusammengefasst

Die nächste Hitzewelle kommt auch bei uns bestimmt. Wer ein eigenes Haus hat, sollte die damit einhergehenden Freiheiten frühzeitig nutzen, um es dagegen zu wappnen. Nicht nur mit während der Hitzewelle ausverkauften Geschäften im Hinterkopf, sondern auch mit langfristigem Schutz vor derartigen Temperaturextremen, wie sie Forscher für die Zukunft als immer häufiger voraussagen.

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