Verkehrswende im Ruhrgebiet

Wie steht es um entsprechende Verkehrsangebote? Spätestens seit den Friday-for-Future-Demonstrationen ist die globale Klimakrise deutlich ins Bewusstsein der Bundesbürger gerückt. Auch im Ruhrgebiet, dem größten Ballungsraum Deutschlands, erwarten die Einwohner von der Politik in puncto Klimaschutz die passenden Konzepte. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die klimafreundliche Mobilität.

Die Verkehrswende soll auch im Ruhrgebiet Fahrt aufnehmen. Doch welche Projekte sind wirklich geplant und was können Einzelne dabei tun? Bildquelle: @ michabo19 –  291109310 / Adobe Stock Doch welche Initiativen gibt es im Ruhrgebiet dazu schon, was ist in Zukunft geplant und wie können die Bürger die bestehenden Angebote sinnvoll nutzen?

Wie steht es um alternative Antriebskonzepte in NRW?

Nordrhein-Westfalen gilt als Pendler-Hochburg: Rund 4,8 Millionen Einwohner pendelten 2019 von ihrer Wohngemeinde zum Arbeitsplatz – und das überwiegend im eigenen Auto. Insgesamt 58 Prozent der Verkehrsteilnehmer im Ruhrgebiet nutzen vorwiegend den PKW, damit liegt ihre Quote leicht über dem deutschen Durchschnitt von 57 Prozent. Aufs Fahrrad schwingen sich dagegen nur 9 Prozent der Ruhrgebiets-Einwohner regelmäßig, gegenüber 11 Prozent im Bundesdurchschnitt. Wo das Auto an erster Stelle steht, liegt es nahe, verstärkt auf alternative Antriebskonzepte wie den Elektromotor oder den Hybridantrieb zu setzen. Doch wie steht NRW bezogen auf die klimafreundlicheren KFZ-Varianten aktuell da?

• Die Anzahl der Elektro-PKW steigt: Von 5283 in NRW zugelassenen E-Autos im Jahr 2017 hat sich die Anzahl mit aktuell (Stand: 2019) 14.019 E-Autos binnen zwei Jahren fast verdreifacht. Gegenüber der Gesamtanzahl an jährlichen KFZ-Neuzulassungen von 673.898 (2018) bleibt diese Quote jedoch relativ gering. Pro 1.000 PKW fahren in NRW 1,39 elektrisch angetriebene Autos.

• Die Anzahl der Hybridfahrzeuge nimmt zu: Von 7.879 Fahrzeugen in 2018 auf 13.071 Fahrzeugen in 2019 hat auch die Anzahl der Plug-In-Hybride in jüngster Vergangenheit stark zugenommen. Insgesamt sind damit auf 1.000 PKW in Nordrhein-Westfalen 1,3 Plug-In-Hybride unterwegs.

• NRW hat in der E-Mobilität keine Vorreiterrolle: Als bevölkerungsreichstes Bundesland trägt NRW besonders stark zur bundesdeutschen Verkehrswende bei. Doch in puncto Elektro-Autos wird es von vielen bevölkerungsärmeren Bundesländern übertroffen. So fahren in Schleswig-Holstein pro 1.000 PKW rund 1,86 mit E-Antrieb, in Baden-Württemberg sind es bereits 2,41 und in Bayern 2,52. Daraus ergibt sich: Es gibt zwar deutliche Steigerungen bei Elektro- und Hybridfahrzeugen, aber ihre Gesamtzahl ist in NRW leider nach wie vor relativ gering. Das spiegelt sich auch im Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch des Verkehrssektors wider: Dieser beträgt in NRW lediglich 4,5 Prozent.

Wie sieht es mit der Ladeinfrastruktur aus?

Für ein E-Auto entscheiden sich viele Verkehrsteilnehmer nur dann, wenn sie in ihrer direkten Umgebung kurze Wege zur nächsten Ladestation haben. Beim Ausbau neuer Ladepunkte schneidet Nordrhein-Westfalen im Vergleich mit anderen Bundesländern sehr gut ab: Allein 2.122 halb-/öffentliche Ladestationen wurden im Land zwischen März 2019 und März 2020 geschaffen. Damit ergibt sich in NRW aktuell das folgende Bild:

1. Laut der Datenbasis von GoingElektric liegt Nordrhein-Westfalen mit seinen 7.706 halb-/öffentlichen Ladepunkten im Bundesdurchschnitt weit vorn. Berechnet man die Ladepunktdichte pro 1.000m² wird NRW nur noch von den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen übertroffen und belegt unter den Flächenstaaten Rang 1.

2. Das Förderprogramm „Emissionsarme Mobilität“ erleichtert sowohl Kommunen als auch Unternehmen und Privatnutzern die Einrichtung von Ladepunkten. Insgesamt wurden seit dem Start des Programms im Jahre 2017 rund 9.300 nicht öffentliche Ladestationen genehmigt. Welche Projekte sollen die Verkehrswende im Ruhrgebiet vorantreiben? Von der Förderung für Ladepunkte, über den Ausbau des ÖPNV bis hin zur Initiative einzelner Unternehmen – so schafft das Ruhrgebiet im Bereich Mobilität den Sprung in eine nachhaltigere Zukunft:

1. NRW erhöht die Förderung für Ladestationen
Statt maximal 1.000€ erhalten Privatpersonen, die sich für ihr E-Auto eine eigene Ladestation einrichten wollen, künftig maximal 2.500€ als Zuschuss vom Land. Die Voraussetzung: Es handelt sich um eine „smarte“ Ladestation, die per Smartphone oder Computer gesteuert werden und deren Ladevorgänge analysiert werden können. Zudem müssen die Ladepunkte mit erneuerbaren Energien oder lokal erzeugtem Strom betrieben werden, z.B. aus der hauseigenen Photovoltaik-Anlage. Wer dafür eine neue Photovoltaik-Anlage plus Batteriespeicher installiert, erhält ebenfalls Fördergelder aus Landesmitteln.

Wie viel Förderung gibt es für den Autokauf?
Für Privatkäufer gelten hier die Bundesfördersätze von 4.500€ für einen Plug-In-Hybrid und 6000€ für ein E-Auto. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug bei der BAFA als förderfähig gelistet ist und der Händler zusätzlich einen Rabatt gewährt. Für Unternehmen bietet die Kaufprämie NRW bis zu 8.000€ Zuschuss pro Elektro-Fahrzeug.

2. 11 Punkte-Plan für besseren ÖPNV im Ruhrgebiet
Der öffentliche Nahverkehr, der eigentlich als Säule der Verkehrswende fungieren soll, hat im Ruhrgebiet keine gute Bilanz: Im Jahre 2012 nutzten ihn noch 16 Prozent der Verkehrsteilnehmer, 2019 nur noch 10 Prozent und die Tendenz ist fallend. Neben den hohen Fahrkartenpreisen nennen viele Bürger die lange Fahrtdauer als Grund für den seltenen Gebrauch des ÖPNV. „Eine Fahrt mit dem ÖPNV dauert im Ruhrgebiet doppelt bis dreimal so lange wie mit dem Auto“, betont Michael Roos, Makroökonomik-Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Fahrzeiten von über 60 Minuten sind vor allem im nördlichen Ruhrgebiet die Regel, wenn man die nächsten Oberzentren Essen, Duisburg, Hagen, Bochum und Dortmund erreichen will. Um diese Missstände zu beheben, unterzeichneten die Oberbürgermeister des Ruhrgebiets Ende Mai 2020 ein gemeinsames ÖPNV-Konzept:

„1 Metropole – 11 Punkte – 12 Unternehmen!“
Das Programm soll die „Kooperation östliches Ruhrgebiet“ (KöR) hin zur „Kooperation Metropole Ruhr“ (KMR) ausdehnen und damit alle Verkehrsunternehmen des Ruhrgebiets zusammenfassen. Für die Fahrgäste soll es in Zukunft folgende Vorteile geben:

• Ein einfacher Tarif aus zwei kostengünstigen Preisklassen plus einen entfernungsunabhängigen Tarif.

• Alle Mobilitätsangebote der Region werden in einer App gebündelt.

• Zusätzliche Metrobuslinien sollen das bestehende Angebot ergänzen.

Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler fasst zusammen, wie die Reform des ÖPNV-Netzes die Region verändern könnte: „Dadurch, dass Stadtgrenzen verschwimmen, können alle Städte integriert als vernetzte Metropolregion wahrgenommen werden. Das wird sowohl die Städte als auch die Region voranbringen.“

3. Der Rhein-Ruhr-Express soll innovativer werden
Kernstück des Bahnlinienausbaus zwischen Ruhrgebiet und Rheinland ist seit 2018 der Rhein-Ruhr-Express (RRX). Seine neuen Züge vom Typ Siemens Desiro HC sollen auf zukünftig 7 Linien die alten Regionalbahnen ersetzen und dabei eine höhere Taktfrequenz ermöglichen sowie mehr Komfort schaffen. Dafür bieten die Waggons mehr Sitzplätze, freies WLAN, Steckdosen am Platz und moderne Fahrgastinformationen. Innerhalb des aktuellen Vorlaufbetriebs wurden die Regionalbahnen folgender Linien sukzessive durch Züge des RRX ausgetauscht:

• Der RE 11 von Düsseldorf nach Kassel seit Dezember 2018.
• Der RE 5 von Wesel nach Koblenz seit Juni 2019.
• Der RE 6 von Köln/Bonn (Flughafen) nach Minden seit Dezember 2019.
• Der RE 1 (RRX) von Aachen nach Hamm seit Ju­ni 2020.
• Der RE 4 von Aachen nach Dortmund ab De­zem­ber 2020.

Parallel zum Vorlaufbetrieb werden Gleisstrecken vierspurig ausgebaut und die Bahnhöfe modernisiert. Wenn der Ausbau der Infrastruktur abgeschlossen ist, soll die Taktung der RRX-Verbindungen deutlich erhöht werden. Schlussendlich soll zukünftig alle 15 Minuten ein Zug zwischen Köln und Dortmund fahren. Perspektivisch sollen auf diese Weise 24.000 bis 31.000 Autofahrten täglich auf die Schiene verlagert werden.

4. Weitere spannende Projekte
Auch Unternehmen und Vereine beteiligen sich in der Region an Initiativen zur Verkehrswende:

Amazon liefert im Ruhrgebiet elektrisch

Im August 2020 teilte Online-Versandriese Amazon mit, das Verteilerzentrum in Essen mit 150 neuen Elektrolieferwagen und 340 Ladepunkten ausstatten zu wollen. Diese Offensive ist bislang der größte Einsatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst bezeichnete die Initiative als guten Anfang für Essen und das Ruhrgebiet. Schließlich sei „wie wir Güter und Waren transportieren, ein entscheidender Faktor dafür, wie gut unsere Städte funktionieren."

Tennisclubs als ideale Ladepunkte?

Wer mit dem Auto zum Tennis fährt, lässt es in der Regel einige Stunden auf dem Vereinsparkplatz stehen. Diese Tatsache macht die hiesigen Tennisclubs nach Urteil des Deutschen Tennis Bundes (DTB) zum idealen Standort für neue Ladesäulen. „Der Mensch powert sich auf dem Tennisplatz aus, das Fahrzeug tankt derweil auf dem Parkplatz neue Energie“, so beschreibt das Projekt „Lade-Infrastruktur im Tennisclub“ die Vision, der sich aktuell auch Tennisvereine aus Castrop-Rauxel anschließen. Für die Verantwortlichen sind die Vorteile vielfältig: Für die Mitglieder besteht der Mehrwert in einer effizienten Zeitnutzung, während der Verein durch die zusätzliche Einnahmequelle auch finanziell profitieren kann. Doch nicht nur das Auto steht im Mittelpunkt: Die Tennis-Abteilung des RV Rauxel und der TC GW Frohlinde fassen aktuell ins Auge, Ladestationen für E-Bikes einzurichten. Denn schließlich bevorzugen es viele Sportler, per Zweirad zum Training zu fahren anstatt mit dem Auto.

Wie können Bürger die Verkehrswende vorantreiben?

„Was kann ich als Bürger aktiv für die Verkehrswende tun?“ – diese Frage stellen sich viele Verkehrsteilnehmer, die nicht in politischen Entscheidungsgremien sitzen. Mit diesen vier Grundsätzen kann jeder zum Wandel beitragen:

1. ÖPNV mehr nutzen
Hier besteht reichlich Potenzial nach oben: Immerhin nutzen nur noch 10 Prozent der Verkehrsteilnehmer im Ruhrgebiet Bus und Bahn – in Bottrop sind es sogar nur 8 Prozent. Hier kann man nur hoffen, dass der 11-Punkte-Plan für einen besseren ÖPNV im Ruhrgebiet den Bedürfnissen der Fahrgäste entgegenkommt und die Nutzungsrate steigern kann. Doch neben den Ticketpreisen und der Fahrdauer hindert noch ein weiterer Faktor viele Menschen daran, einfach mal das Auto stehenzulassen und den Bus zu nehmen. Denn gerade in den urbanen Randgebieten fragen sich viele: „Wie komme ich eigentlich zur nächsten Haltestelle?“ Zu den aktuellen Initiativen, den ÖPNV attraktiver zu machen, gehört deshalb auch der Ausbau des Park-and-Ride-Angebots. Das bezieht sich nicht länger nur auf den Privat-PKW der ÖPNV-Nutzer, sondern bezieht längst andere, nachhaltigere Verkehrsmittel mit ein.

Park-and-Ride im modernen Format
Ein vorbildliches Beispiel ist die neue Mobilstation in Essen-Rüttenscheid. Hier haben Pendler die Möglichkeit, ihr Verkehrsmittel zu wechseln, und können dazu zwischen Car-Sharing und E-Rollern wählen. Zusätzlich gibt es überdachte Radständer und Fahrradboxen. Die Stadt Essen will, indem sie den ÖPNV besser mit weiterführenden Verkehrsmitteln vernetzt, bis 2030 den Anteil ihres privaten Autoverkehrs auf insgesamt 25 Prozent senken. Für dieses Ziel müssten die Bürger doppelt so oft auf die Fahrt im eigenen Auto verzichten wie bisher.

2. Elektrofahrzeug erwerben
Der E-Golf für 32.000€ gegenüber dem günstigsten Verbrennermodell für 20.000€ - da fällt der Vergleich auf den ersten Blick nicht schmeichelhaft für das E-Auto aus. Wer sich für einen Stromer interessiert, sollte jedoch darauf achten, was er gegenüberstellt: Der E-Golf mit seiner Motorleistung von 100 kW und seiner stufenlosen Automatik ist laut ADAC eher mit dem 29.000€ teuren VW Golf 1.5 eTSI Life DSG zu vergleichen, beansprucht bei gleicher Leistung also keinen so großen Preisaufschlag mehr für sich. Hinzu kommen die laufenden Kosten. Die fallen mit 40,8 Cent pro Kilometer gegenüber dem Benziner (47,6 Cent) deutlich niedriger aus. Auf seine Lebensdauer hochgerechnet wird das E-Auto für seinen Besitzer dann deutlich günstiger als der klassische PKW.

Doppelte Umweltprämie fördert den E-Auto-Kauf

Wem diese Argumente noch nicht ausreichen, der sollte die aktuelle Umweltprämie der Bundesregierung miteinkalkulieren. Seit dem 3.6.2020 wird diese nämlich in doppelter Höhe ausgezahlt – zusätzlich profitieren Käufer bis zum 31.12.2020 vom gesenkten Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent. Im Detail heißt das:

• Elektroautos mit einem Listenpreis bis zu 40.000 Euro werden mit einer Umweltprämie von 6.000€ und einem Herstellerrabatt von 3.000€ gefördert.

• E-Autos, die zwischen 40.000€ und 65.000€ kosten, erhalten eine Prämie von 5000€ und einen Herstellerrabatt von 2500€.

• Plug-In-Hybride bis 40.000€ Listenpreis werden durch den Bund mit 4.500€ gefördert und vom Hersteller mit 2.250€ rabattiert.

Zusätzlich können auch Käufer von gebrauchten E-Autos eine Umweltprämie von 5000€ beantragen. Die Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug bei der Erstanschaffung nicht gefördert wurde. Junge Gebrauchte, die ab dem 5.11.2019 ihre Erstzulassung erhielten und weniger als 15.000 km Laufleistung haben, haben in diesem Fall Anspruch auf die volle Umweltprämie von 6000€. Für die Wertbestimmung setzt man hier 80 Prozent des ehemaligen Listenpreises an.

Finanzierung auch per Kredit möglich

Alle Interessenten, die aktuelle Förderangebote zwar verlockend finden, aber den Kaufpreis dennoch nicht in einer Summe aufbringen können, haben die Möglichkeit einer Finanzierung. Die Angebote für Autokredite lassen sich bequem online vergleichen und überzeugen aktuell mit historisch günstigen Zinssätzen. Wer zudem eine E-Bike oder einen E-Roller erwerben möchte, findet auch für herkömmliche Privatkredite ohne festen Verwendungszweck entsprechende Vergleichsmöglichkeiten, die die wichtigsten Merkmale unter die Lupe nehmenn. Dazu gehören neben den Zinsen auch Optionen wie kostenfreie Sondertilgungen oder Ratenpausen.

3. Carsharing nutzen
Wer das Auto nur sporadisch braucht, kann gerade in den Metropolregionen gut auf einen Car-Sharing-Anbieter zurückgreifen. Bekannte Anbieter sind u.a. Stadtmobil Rhein-Ruhr, Ruhrauto oder Willmobil. Laut Anbieter sparen hier alle Kunden, die mit einem eigenen PKW weniger als 15.000 Kilometer im Jahr zurücklegen. Die Tarife setzen sich zusammen aus einer einmaligen Registrierungsgebühr von rund 20€, Monatsbeträgen zwischen 5 und 10 Euro sowie Kilometer- bzw. Stundenpauschalen. Das Buchen funktioniert bequem über eine App. Das Fahrzeug holt der Nutzer entweder bei einer der festgelegten Stationen ab oder er nutzt ein nahegelegenes stationsungebundenes Auto, das sich per GPS-Tracking finden lässt. Die Sharing-Cars gibt es bislang nur in urbanen Regionen In kleineren Kommunen setzt sich das Konzept nur schleppend durch, wie das Beispiel der Gemeinde Ascheberg zeigt. Hier beschloss der „Arbeitskreis Mobilität“ bereits 2019, dass man durch ein Car-Sharing-Angebot und elektrisch betriebene Lastenfahrräder zur Verkehrswende beitragen wolle. Allerdings fanden sich in der ersten Befragung in der 14.000-Einwohner-Gemeinde nur 13 Interessenten für die Gemeinschaftsautos – laut den Verantwortlichen sei das Echo auch durch die Corona-Pandemie bedingt schwach ausgefallen. Für sein neues Mobilitätskonzept konnte Ascheberg von der Bezirksregierung Münster zwar eine Förderung in Höhe von 14.700 Euro erwirken. Bis hier die ersten Car-Sharing-Anbieter starten könnte es jedoch noch einige Zeit dauern.

4. Fahrrad und E-Bike als Alternative entdecken
Das Fahrrad müssen die Bürger Nordrhein-Westfalens nicht nur persönlich wiederentdecken, sondern ihm aktiv einen Platz als Verkehrsmittel der Zukunft erstreiten – das zeigen die zahlreichen Bürgerinitiativen rund ums Zweirad. Nachdem über 200.000 Menschen die Initiative „Aufbruch Fahrrad“ mit ihrer Unterschrift unterstützt hatten, wurde beschlossen, dass NRW als erstes Flächenland sein eigenes Radverkehrsgesetz bekommen soll. Auch seitens der Politik gibt es konstruktive Bestrebungen: So will Verkehrsminister Wüst den Fahrradfahrer-Anteil in der Region von 13 auf 25 Prozent anheben. Das Land schuf dafür 50 neue Stellen, die schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse für die Fahrrad-Infrastruktur garantieren sollen. Doch funktioniert das in der Realität?

Große Lücken im Radnetz werden auf Druck der Bürger geschlossen

Obgleich Essen bereits seit 23 Jahren sein Hauptroutennetz für Fahrräder ausbaut, bleiben aktuell Lücken in einer Gesamtlänge von 60 Kilometern. Dieser Missstand motivierte Essens Bürger dazu, über 23.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln. Dem „Radentscheid Essen“ schloss sich im August schließlich auch der Stadtrat an und sorgte dafür, dass in den kommenden Jahren 200 Millionen Euro für den Ausbau des Radnetzes aufgebracht werden und jährlich 8 Kilometer Fahrradweg dazukommen sollen. Zusätzlich spielen auch E-Bikes eine durchaus sinnvolle Rolle, da sie das Auto gerade für kürzere Strecken sinnvoll ersetzen können.

Dem Fahrrad soll im Verkehr wieder eine größere Bedeutung zukommen. Dies betrifft vor allem den Ausbau von Radwegen. Bildquelle: @ Sebastian – 146263446 / Adobe Stock

Fazit: Die Verkehrswende nimmt leichte Formen an

Ob Politik oder Privatbürger – die Verkehrswende stellt alle vor große Herausforderungen. Im Ruhrgebiet zeigen viele Projekte den politischen Willen, in puncto Verkehr zukunftsfähig zu werden, einige wichtige Initiativen wurden jedoch ausschließlich auf Druck der Bürger realisiert. Schließlich kann jeder einzelne mit seiner Stimme und seinem täglichen Mobilitätsverhalten ein Stück zu einem klimafreundlichen Verkehrssystem beitragen.

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