Landschaftspark Duisburg-Nord

Kilometerlange Rohre führen durch endloses Grün und riesige Hochöfen ragen wie Kolosse in die Höhe: Wo einst die Schornsteine rauchten und der Himmel glühte - der Landschaftspark Duisburg-Nord ist der Prototyp unter den Industriedenkmälern im Ruhrgebiet!

Lichtinstallation, Landschaftspark Duisburg Nord, Foto: Thomas Berns Archiv: 25.11.2020 [ruhr-guide] In den 70er Jahren, wenn man Sonntags die Verwandtschaft in Duisburg-Meiderich besuchte, wurde es bald unangenehm im Auto, und kurz vor dem Ziel war es ratsam, die Fenster zu schließen und das Atmen einzustellen. Dies ist heute Geschichte, denn was noch vor 30 Jahren zur Identität des Duisburger Nordens zählte, hat sich in den letzten Jahren zum interessantesten Landschaftspark im Ruhrgebiet entwickelt. Industriegeschichte, Natur, Kultur und Sport gibt es hier ganzjährig und rund um die Uhr bei freiem Eintritt.

Die Natur eroberte sich ihren Raum zurück

Als nach über 80 Jahren härtester Arbeit im Hüttenwerk 1985 die letzte Schicht gefahren war, begann zunächst der Verfall und die Natur eroberte sich ihren Raum zurück. Die entstandene Industriebrache von über 200 Hektar verdankt seine Erhaltung und Nutzung als Erlebnispark engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die gegen einen geplanten Abriss der Anlage kämpften. Zwischen den Stadtteilen Meiderich und Hamborn entstand so von 1990 bis 1999 der Landschaftspark als Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA Emscherpark.

Am Eingang des Landschaftsparks empfängt den Industriefan ein kleines Pförtnerhaus aus der industriellen Zeit. Vor dem Rundgang empfiehlt sich ein Besuch des Besucherzentrums im Hauptschalthaus. Mit Kartenmaterial und Informationen zu den Freizeitmöglichkeiten bewaffnet und vielleicht gestärkt durch eine Tasse Kaffee kann das Abenteuer Industriekultur beginnen, denn in den verschiedenen Gebäuden und ehemaligen Werksanlagen wird die industrielle Vergangenheit des Ruhrgebiets erlebbar.

Landschaftspark Duisburg Nord von oben, Foto: Ruhr Tourismus / Achim Meurer (www.achimmeurer.com)

Atemberaubende Aussicht von Hochofen 5

Spannend und das ungeschlagene Highlight ist der Hochofen 5. Bei seiner Stillegung wurde er "besenrein und anblasefähig" zurück gelassen. Über verschiedene Treppen gelangt der Besucher ins Innere des Stahlriesen und kann in der Gießhalle mit dem Stichloch den früher bis zu 2.000° C heißen Ort der Arbeit voll und ganz einsehen. Immer noch zu sehen ist der so genannte Formsand, wodurch das Roheisen in die Torpedowagen floss. Einige Etagen weiter höher hat man von der Aussichtsplattform nicht nur einen phantastischen Blick über das ehemalige Industriegelände, sondern über den gesamten Duisburger Norden. Durch die angebrachten Infotafeln erfährt man hier alles über die einzelnen Arbeitsschritte in einem Hüttenwerk und die dafür erforderlichen Anlagen.

Natur im Landschaftspark Duisburg Nord, Foto: Ruhr Tourismus / Jochen Tack

Spiel, Spaß und Sport im Landschaftspark

Hinter dem Hochofen 5 ist der natürliche Wildwuchs aus den Zeiten nach der Stillegung gestutzt und man findet hier kleine Spieloasen für die ganze Familie sowie den Eingang in die Wildnis. Diese liegt in einer Geländemulde zwischen den Resten einer inzwischen unbewohnten Straße und einem Bahndamm und entstand durch den Bau der Autobahnen 42 und 59 lange vor der Stilllegung der Industrieanlagen. Heute ist die Wildnis ein wertvolles Biotop, in dem sich zahlreiche Vogelarten angesiedelt haben.

Vorbei an den zugewachsenen Bahngleisen und imposanten Möllerbunkern trifft man plötzlich auf mit langen Seilen und Helmen ausgerüsteten Sportlern, denn Klettern wird im Landschaftspark groß geschrieben. Während sich die Sektion Duisburg des Deutschen Alpenvereins einen eigenen Klettergarten verwirklicht hat, klettern Normalsterbliche stilecht in den steilen Wänden und den erhaltenen hohen Türmen der Industrieanlagen. Außerdem kann man sich in der Gießhalle 2 über wackelige Hängebrücken wagen, bei zuckenden Lichtern über Seile und schwebende Autoreifen balancieren. Denn statt von Baum zu Baum klettert man in diesem Hochseilparcour in und um die Halle herum. Es muss wohl nicht erwähnt werden, dass es für beide Varianten etwas Mut bedarf, aber es wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt.

Eine ganz besondere Art der Umnutzung stellt der ehemalige Nass-Gasometer dar. Mit seinem Fassungsvermögen von 21 Millionen Liter Wasser entstand hier ab Mitte 1996 das größte Tauchtrainings- und Tauchausbildungszentrum Europas. Das Tauchbecken ist 13 Meter tief und auf dem Grund liegt ein 11 Meter langes Schiffswrack. Daneben gibt es zwei versunkene Autowracks und ein künstliches Riff zu entdecken.

Spektakuläre Lichtinszenierung

Richtig interessant, wenn nicht gar romantisch wird es im Landschaftspark Duisburg-Nord immer mit Anbruch der Dunkelheit. Die spektakuläre Lichtinszenierung des Künstlers Jonathan Park taucht die Hochöfen in bunte Farben. Während von Montags bis Donnerstags nur die drei Kamine der Anlage beleuchtet werden, wird das Vollprogramm Freitags, Samstags, Sonntags und an Feiertagen eingeschaltet. Dazu gibt es eine Nachtlichtführung durch das illuminierte Hüttenwerk.

Landschaftspark Duisburg Nord bei Nacht, Foto: Ruhr Tourismus / Ralph Lueger

Die Gebläsehalle als Kulturzentrum

Zum ehemaligen Hüttenwerk gehören neben Hochöfen, Bahn- und Bunkeranlagen zahlreiche Hallen zur Stromerzeugung wie die Kraftzentrale und der architektonisch bemerkenswerte Komplex der Gebläsehalle. Dass für die Produktion von 1.000 Tonnen Roheisen am Tag drei Millionen Kubikmeter Wind benötigt wurden, wird in der Gebläsehalle des Dampfgebläsehauses durch die erhaltenen vier Elektroturbogebläse demonstriert. Beide Hallen, Kraftzentrale und Gebläsehalle, dienen heute als Veranstaltungsorte für unterschiedlichste Großevents. Die Besonderheit der überdimensionalen Kraftzentrale liegt beispielsweise in ihrer modernen Ausstattung. Für die Ruhr-Triennale wurde die Halle im Dampfgebläsehaus bereits zu einem Schauspielhaus mit fester Bühne ausgebaut. Für Konzerte, Theater und das im Sommer stattfindende Open-Air-Kino steht die Gießhalle des Hochofen 1 zur Verfügung. Sie ist mit einer großen Tribüne und einer ausfahrbaren Überdachung ausgestattet.

Landschaftspark App, Foto: Lennart Jung

Die Landschaftspark App

Sie wollen bei Ihrem Besuch alles über den Landschaftspark Duisburg Nord erfahren? Dann laden Sie sich jetzt die kostenlose Landschaftspark App herunter! Die App führt Sie informativ durch den spannenden Industrieort, von der Vergangenheit bis hin zur Gegenwart voller Natur und Kultur. Sobald Sie sich in der Nähe eines interessanten Ortes befinden, werden Sie benachrichtigt. So können Sie Orte erkunden, die Sie sonst womöglich gar nicht bemerkt hätten. Insgesamt können ganze 17 Exponate mit der App entdeckt werden. Sie ist nicht nur ein zusätzlicher Wegweiser, sondern bietet Ihnen viel interessantes Material rund um den Park. So können Sie eine individuelle Besichtigung gestalten, bei der Klein und Groß den Landschaftspark auf spielerische Weise erkunden können. Mit dem interaktive Lageplan finden Sie sich schnell und einfach zurecht. Zudem zeigt die App Ihnen eine Beschreibung zur Anfahrt, Sicherheitsmeldungen und das aktuelle Wetter an. Sie kann mit dem Veranstaltungskalender Duisburg Live verbunden werden, um Ihnen alle aktuellen und späteren Veranstaltungen zu melden. Diese können in Ihren persönlichen Kalender übertragen werden. Die App ist sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache verfügbar und die Inhalte können Sie bereits zu Hause downloaden, um die Orte später im Landschaftspark zu entdecken. Aktuell ist die App nur für IOS erhältlich, doch sie wird regelmäßig weiterentwickelt.

Insgesamt ist der Landschaftspark Duisburg-Nord eines der ungeschlagenen Highlights im Ruhrgebiet und das perfekte Ausflugsziel für die ganze Familie. Wer gar nicht genug bekommt vom Landschaftspark, kann sich in der Alten Verwaltung einmieten: Hier betreibt das Deutsche Jugendherbergswerk ein Jugendgästehaus mit rund 140 Betten.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Emscherstraße 71
47137 Duisburg
Tel.: 0203-4 29 19 19

Fotocredit
1. Thomas Berns
2. Ruhr Tourismus / Achim Meurer (www.achimmeurer.com)
3. Ruhr Tourismus / Jochen Tack
4. Ruhr Tourismus / Ralph Lueger
5. Lennart Jung