Firmengründung - Was Selbstständige beachten sollten

Den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, ist ein riskantes Unterfangen, das nur bei Wenigen von Erfolg gekrönt ist. Trotzdem erreichen viele Menschen irgendwann einen Punkt in ihrem Leben, an dem sie sich ganz bewusst mit dieser Möglichkeit auseinandersetzen. Immerhin bietet das Leben als selbstständiger Unternehmer viele Vorteile und Chancen.

Der Schritt in die Selbstständigkeit, Foto: pixabay, FotografieLink Außerdem bringt es nicht zuletzt den Luxus mit sich, sein eigener Chef, also niemandem unterstellt zu sein. Man trifft Entscheidungen, lebt mit ihnen und wenn man scheitert, kann man niemandem die Schuld geben außer sich selbst. Selbstständigkeit geht eben nicht zuletzt mit Verantwortlichkeit einher und dieser Punkt bietet vielleicht das größte Abschreckungspotenzial für den Durchschnittsbürger. Denn, sofern man sich nicht die Verantwortung mit einem Partner teilt, muss man mit den Konsequenzen der eigenen Fehlentscheidungen leben und sich im schlimmsten Falle eingestehen, dass man schlicht und einfach nicht das Zeug zum Unternehmer hat. Werden Selbstzweifel und Angst aber erfolgreich überwunden, folgt der Schritt hin zum Konkreten. Der Planungsphase. Einige Gedanken und Voraussetzungen, die Sie in diese Planungsphase einbeziehen sollten, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Soft Skills:

Neben dem notwendigen Know-how, also den Hard Skills, über die ein Firmengründer in dem jeweiligen Berufsfeld verfügen sollte, in dem er arbeiten möchte, spielen selbstverständlich auch weniger greifbare Eigenschaften, die Soft Skills eine Rolle. Gerade wenn es um die Zusammenstellung und Führung eines Teams geht, das die Vision des Chefs teilen und zu verwirklichen helfen soll, sind diese von unschätzbarem Wert.

• Kommunikation
Ein angehender Unternehmer sollte über Fingerspitzengefühl bei der Auswahl seiner Angestellten verfügen und das Kommunikationstalent besitzen, das nötig ist, wenn es gilt, Menschen von sich zu überzeugen und für sich einzunehmen. Neben Angestellten muss er nämlich auch Kunden gewinnen und für das jeweilige Geschäftskonzept begeistern. Denn egal wie lukrativ, innovativ und neu eine konzeptionelle Idee auch ist, sie muss im Rahmen von Gesprächen vermittelt und verkauft werden, ansonsten besitzt sie in wirtschaftlicher Hinsicht keinen Wert. Gutes Zeitmanagement, Zielstrebigkeit, Teamfähigkeit, sämtliche Eigenschaften, die das menschliche Miteinander betreffen, gilt es sich anzueignen und stetig auszubauen, da sie über den Erfolg eines Betriebs mitentscheiden. Dies kann auch ganz gezielt betrieben werden, indem man beispielsweise Seminare besucht oder Online-Kurse belegt. Dem aufgeschlossenen Menschen bieten sich im 21. Jahrhundert eine Fülle von Möglichkeiten zur Selbstoptimierung. Angehende Unternehmer sollten also eine objektive Bewertung ihrer Persönlichkeit durchführen, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Wenn eine solche Charakteranalyse zufriedenstellend ausgefallen ist, sollte der Businessplan folgen. Dieser umfasst sämtliche konkreten Zielpunkte der Firma und Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um diese zu erfüllen. Freilich ist es von Vorteil, erst den Unternehmenszweck und dessen Grundidee festzulegen und in einigen kurzen Sätzen zusammenzufassen.

Unternehmensform:

Dann folgen Überlegungen über die Unternehmensform. Jede hat nun Vor- und Nachteile. Das Einzelunternehmen ist die vielleicht gängigste, da sie einen einzigen Besitzer vorsieht, welcher mit seinem kompletten Privatvermögen haftet. Wer die Gründung mit Geschäftspartnern vornimmt, sollte eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) gründen, weil es schlicht die günstigste Rechtsform ist. Alle Gesellschafter haften hier zu gleichen Teilen, unabhängig von der Frage, wer wie viel zur Gründung beigesteuert hat. Will man Privathaftung vermeiden, bietet sich die Kapitalgesellschaft an, diese verlangt allerdings doppelte Buchführung, was enormen Kosten- und Arbeitsaufwand bedeuten kann. In jedem Fall sollte sich jeder, der in den Entscheidungsprozess involviert ist, Zeit nehmen, um sich intensiv mit den verschiedenen Unternehmensformen auseinanderzusetzen und die zweckmäßigste zu wählen.

Firmenstandort:

Falls Sie meinen, dass die Standortwahl hinter andere, drängendere Fragen zurücktreten sollte, liegen Sie wahrscheinlich falsch. Das Umfeld spielt nämlich nicht nur eine große Rolle, wenn es um infrastrukturelle Voraussetzungen geht, sondern hat einen massiven Einfluss auf die abzuführende Gewerbesteuer. Den Gewerbesteuerhebesatz, der sich aus dem Gewinn eines Betriebs errechnet, legt nämlich jede Gemeinde selbst fest. Dieser wird errechnet durch einen prozentualen Faktor, der auf die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer angewendet wird, welche immer 3,5 Prozent des Jahresgewinns eines Unternehmens beträgt. Genannter Faktor bewegt sich zwischen 200 und 900 Prozent. Der Mindestsatz von 200 ist dabei gesetzlich vorgeschrieben, die Höhe kann allerdings von den verschiedenen Gemeinden individuell angepasst werden. Fokussiert man sich auf NRW, so findet man beispielsweise einen vergleichsweise niedrigen Hebesatz in Monheim am Rhein. Dort liegt er bei nur 250 Prozentpunkten. In einer größeren Stadt wie Oberhausen liegt er dagegen bei 580 Prozent. Anhand von diesem Beispiel lassen sich gut die potenziellen Kosteinsparungen veranschaulichen:

• Wenn das Unternehmen 100.000 Euro Gewinn macht, führt es an Monheim 8.750 Euro als Gewerbesteuer ab. Bei Oberhausen dagegen fallen 20.300 Euro an.

Die Steuerlast variiert also teilweise erheblich, je nach Standort.

Marktanalyse:

Eine Marktanalyse rundet den Plan ab, indem sie das größere Spektrum – die Branche selbst –bewertet. Fragen treten in den Vordergrund, die Wettbewerber und potenzielle Partner betreffen und eine Zielgruppenanalyse wird durchgeführt. Welche Kunden wollen Sie mit Ihren Produkten oder Dienstleistungen erreichen? Welche Marketingstrategien funktionieren? Offline- oder Onlinemarketing? Es ist ebenfalls zu erörtern, ob das Unternehmen in einem lokalen oder globalen Markt agiert. Spätestens an diesem Punkt sollte auch ein erster Überblick über Kosten und Rücklagen erarbeitet werden, um zu klären, ob und wie viel Fremdkapital für die Gründung benötigt wird.

Fazit:

Der Businessplan bildet also zusammenfassend schlicht Dreh- und Angelpunkt Ihrer Gedanken und sollte alles umfassen, was wichtig und unwichtig ist sowie alle möglichen Faktoren beinhalten, die den Erfolg der Unternehmung beeinflussen können. Die genannten Schritte können selbstverständlich nur einen Ansatz bilden, sollten aber ausreichen, um angehenden Gründern, ein Muster für ihr Grundkonzept an die Hand zu geben.

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