Öl- und Gasheizungen im Ruhrgebiet immer noch in der Mehrzahl

Die Energiewende in Deutschland schreitet in großen Schritten voran – bis 2050 soll unser Land laut Klimaschutzplan der Bundesregierung weitgehend klimaneutral werden. Dennoch heizt die Mehrheit der Menschen im Ruhrgebiet noch immer mit fossilen Energieträgern. Öl- uns Gasheizungen sind noch sehr häufig zu finden. Doch welche Alternativen gibt es und wie können Hausbesitzer die nötigen Investitionen schultern?

Im Ruhrgebiet wird noch immer viel mit fossilen Energieträgern geheizt, Foto: stock.adobe.com @ Yannic Niedenzu Im Ruhrgebiet ist Heizen immer noch zu einem großen Teil Sache fossiler Energieträger. Die Ölheizungen (16,6 Prozent) und Gasheizungen (68,7 Prozent) haben im Regierungsbezirk Arnsberg insgesamt einen Anteil von über 85 Prozent.

Öl- und Gasheizungen: Ein Auslaufmodell?

Im Bereich Neubau spielen Ölheizungen mit 0,6 Prozent kaum mehr eine Rolle, während rund 41 Prozent der neuen Gebäude noch Gas als Energiequelle nutzen. Damit gilt die Ölheizung als Auslaufmodell und die Gasheizung als Brückenlösung nur Nachhaltigkeit. Die unterschiedliche Bewertung der Techniken hat ihre Gründe.

Ölheizungen nur noch bis 2025

Um die Abkehr von fossilen Brennstoffen zu fördern, untersagt die deutsche Gesetzgebung den Einbau neuer Ölheizungen ab 2026. Geleichzeitig macht die CO2-Abgabe den Brennstoff Heizöl sukzessive teurer und für ökologisch engagierte und kostenbewusste Nutzer unattraktiver: Ab 2021 werden 25€ CO2-Aufschlag pro Tonne Kohlendioxid-Ausstoß fällig; bis 2025 steigt diese Summe auf 55€. Dadurch erhöht sich der Heizölpreis aktuell um 7,9 Cent pro Liter im Vergleich zum Vorjahr – 2022 müssen Ölheizungsbesitzer mit einer Steigerung von 9,5 Cent pro Liter rechnen. Gleichzeitig wird der Austausch einer alten Ölheizung mit einer Heizung, die erneuerbare Energien nutzt, stark gefördert: Bis zu 27.000 Euro Zuschuss können Hausbesitzer dafür vom BAFA erhalten, wenn sie die maximale Förderungssumme von insgesamt 60.000 Euro erreichen.

Gasheizungen heute effizienter und als Hybrid förderfähig

Moderne Gasheizungen erreichen eine hohe Effizienz von 95 bis 98 Prozent, weshalb der CO2-Aufschlag von 0,46 Cent pro KWh (2021) nicht so sehr ins Gewicht fällt. Im Vergleich mit einer alten Gasheizung sparen die neuen Geräte rund ein Drittel der Heizkosten ein. Eine rund 11 Prozent höhere Ausbeute an Heizwärme erreichen die Brenner heutzutage zusätzlich durch einen Wärmetauscher, der auch die Abwärme der Abgase zur Energiegewinnung nutzt. Doch die Gasheizung als Einzellösung wird hierzulande nicht mehr gefördert: Wer die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) in Anspruch nehmen will, muss eine Gas-Hybrid-Heizung einbauen, die mindestens zu 25 Prozent erneuerbare Energiequellen nutzt, oder ein „Renewable Ready“-Modell, dass innerhalb von 2 Jahren an eine erneuerbare Energiequelle angeschlossen wird.

Alte Brennöfen müssen nach 30 Jahren raus

Ganz gleich, ob Öl oder Gas – einen Heizkessel, der älter als 30 Jahre ist, müssen Hausbesitzer laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) austauschen. Die Austauschpflicht entfällt, falls das Gebäude maximal zwei Wohnungen umfasst und es die Eigentümer bereits seit vor 2002 selbst nutzen. Wer ein größeres Gebäude besetzt bzw. sein älteres Eigenheim erst nach 2002 gekauft hat, der muss sich innerhalb von 2 Jahren um eine Alternative zur alten Heizung bemühen.

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Neubau planen: Zukunftsfähige Heizung nutzen

Aktuell werden 34,3 Prozent der Neubauten mit Heizungen geplant, die erneuerbare Energiequellen nutzen. Über das KfW-Programm zum energieeffizienten Bauen fördert auch die Bundesregierung diese Entwicklung. Dabei hat der Bauherr die Wahl zwischen verschiedenen klimafreundlichen Heiztechniken. Welche sich im individuellen Fall eignet, entscheiden die Investitionssumme und die gebäudetechnischen Gegebenheiten:

1. Pelletheizung: CO2 im Heizkreislauf
Eine Holzpelletheizung ist zwar rund 30 Prozent teurer in ihrer Anschaffung als eine Gasheizung, allerdings kostet der Brennstoff im Anschluss weniger. Nach 7 bis 8 Jahren amortisiert sich die Investition deshalb für den Eigentümer eines Einfamilienhauses, zusätzlich zu den Pluspunkten in Sachen Nachhaltigkeit: Holzheizungen sind CO2-neutral, da sie im Verbrennungsprozess nur so viel Kohlendioxid freisetzen, wie der Baum in seiner Wachstumsperiode gebunden hat. Als Brennstoff nutzt man Pellets, die aus industriellen oder forstwirtschaftlichen Holzabfällen gepresst werden.

2. Solarthermie: Die Kraft der Sonne nutzen
Parallel zur Photovoltaik ist hierzulande in den vergangenen 20 Jahren auch die Beliebtheit von Solarheizungen rasant gestiegen: Nutzten 1999 noch lediglich 270.000 Heizanlagen die Sonne als Energiequelle, waren es 2020 bereits 2,5 Millionen. Ein kleines Manko der Technik für den Nutzer: Die Sonne über deutschen Dächern kann die Warmwassergewinnung und das Heizen in einem Einfamilienhaus lediglich teilweise abdecken. Im Sommer sichert eine Solarthermie-Anlage den Warmwasserbedarf zu 100 Prozent – im Winter schafft sie deutlich weniger. Falls sie an den Pufferspeicher einer bestehenden Heizanlage angeschlossen wird, kann sie im Jahresdurchschnitt rund 20 Prozent des Gesamtwärmebedarfs beisteuern. Dafür ist auf dem Dach eine Solar-Kollektorenfläche von 1 Quadratmeter pro 10 Quadratmetern Wohnfläche nötig. Innerhalb der Kollektoren zirkuliert Flüssigkeit, die durch Sonneneinstrahlung erwärmt wird und ihre Temperatur an den Pufferspeicher der Heizung weitergibt.

3. Wärmepumpen: Der Könisgweg?
Die Wärmepumpenheizung gilt als Ideallösung für Passivhäuser – das sind Gebäude, die pro Quadratmeter und Jahr weniger als 15KWh Heizenergie benötigen. Ihre Energiequelle ist die Wärme des Erdreichs, des Grundwassers oder der Luft, die sich am Gebäude befinden. Mithilfe einer elektrischen Wärmepumpe „verdichtet“ die Heizung dabei die natürlichen Temperaturen: Aus 7 Grad Erdwärme können dabei im Heizungsvorlauf 45 Grad erreicht werden. Damit die Wärmepumpenheizung klimaneutral arbeitet, sollte auch der Strom für die Pumpe aus erneuerbaren Energiequellen stammen und die Technik effizient arbeiten. Erdwärmepumpen haben meist die beste Bilanz, jedoch können sie aufgrund tiefer Bohrungen oder großflächiger Kollektoren in der Fläche auch die größten Investitionen nötig machen. Gleichzeitig müssen die Gegebenheiten des Gebäudes auf die Wärmepumpen-Technik abgestimmt sein: Eine gute Leistung erreicht die nachhaltige Heizung nur innerhalb einer gut gedämmten Gebäudehülle mit großflächigen Heizkörpern bzw. einer Fußbodenheizung.

Zukunftsfähige Heizung nutzen, Foto: stock.adobe.com @ photo 5000

Hilfe bei der Finanzierung: Staatliche Förderungen nutzen

Eine neue Heizung zahlt kaum ein Hauseigentümer einfach so – hier müssen sich Interessenten vorab einen Überblick über die eigenen Finanzen und die potenziellen Förderprogramme verschaffen. Diese Schritte sind dabei besonders wichtig:

1. Die Baufinanzierung klug auswählen
Nachhaltigkeit auf lange Sicht erfordert manchmal hohe Anfangsinvestitionen. So kann eine Wärmepumpenheizung inklusive Erschließung der Wärmequelle nicht selten das Dreifache einer simplen Gasheizung kosten. Wer dieses Volumen mit seiner Baufinanzierung abdecken will bzw. einen Kredit für die Umrüstung aufnimmt, der sollte die Konditionen genau vergleichen. Denn: Je höher die absolute Kreditsumme ausfällt, desto stärker fallen auch kleine Unterschiede im Zinssatz in der Summe ins Gewicht. Als erste Anlaufstelle dienen Onlineportale, die persönliche Voraussetzungen miteinbeziehen und anhand dessen die Angebote zahlreicher Banken einander gegenüberstellen können.

2. Förderprogramme des BAFA
Wer eine alte Heizung austauschen will, kann die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Anspruch nehmen. Es bezuschusst den Einbau einer Brennwert-Gasheizung, die das Zertifikat „renewable ready“ trägt, mit 20 Prozent der Investitionssumme, Gas-Hybridheizungen und Solarthermieanlagen sogar mit 30 Prozent der Kosten. Mit 35 Prozent an der Anschaffungssumme beteiligt sich das BAFA an Wärmepumpen und Biomasseanlagen. Erhöhte Sätze gelten, falls Hauseigentümer eine alte Ölheizung durch die entsprechenden Technologien ersetzen: Eine Gas-Hybridheizung ist dann mit 40 Prozent förderfähig, beim Einbau einer Wärmepumpe oder Biomasse-Anlage erhält der Eigentümer sogar 45 Prozent der Investitionssumme vom BAFA zurück.

3. Kredite der KfW
Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau können Eigentümer und Bauherren zinsgünstige Darlehen beantragen, falls sie ihr Haus energietechnisch sanieren wollen oder einen Neubau mit entsprechenden Eigenschaften planen. Hausbesitzer können hier zwischen einem Kredit für eine Sanierung (Produktnummer 151,152) wählen und einem Ergänzungskredit (Produktnummer 167), der nur den Einbau einer neuen Heizung betrifft. Letzterer kann mit den entsprechenden Fördermaßnahmen des BAFA kombiniert werden. Wer neu bauen will, kann den Förderkredit „Energieeffizient Bauen“ beantragen. Das geplante Gebäude muss hier den Standards „KfW-Effizienzhaus 55, 40 oder 40Plus“ entsprechen.

Fazit: Nachhaltige Heizungen sind die Zukunft

So kann es in puncto Heizung nicht weitergehen – dieser Gedanke trifft so manchen Hauseigentümer, wenn er seine jährliche Öl- und Gasrechnung öffnet. Neben Abgasnormen und CO2-Steuer drängt dann auch das ökologische Gewissen zur Wahl einer neuen Heiztechnik. Förderprogramme und zinsgünstige Kredite unterstützen glücklicherweise aktuell die Ambitionen von Hausbesitzern, die ihre vier Wände heiztechnisch fit für die Zukunft machen wollen.

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