Monumente der Industriekultur, Kunstwerke, weite Aussichten und ruhige Natur liegen im Ruhrgebiet oft nur ein paar Minuten voneinander entfernt, mit dem Auto ebenso wie mit Bus und Bahn. Wer also mit vollem Akku und leerer Speicherkarte im Revier loszieht, findet reichlich Motive direkt „umme Ecke“. Wo früher Kohle nach oben kam, glühen heute Hochöfen im Scheinwerferlicht, und Kunstwerke dienen als Aussichtspunkte. Wir haben die besten Fotospots im Ruhrgebiet für Sie gesammelt!

Industriekultur als Herzstück der Fotografie im Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet ist an Industriekultur, mit Betonung auf Kultur, kaum zu übertreffen. Kein Wunder, dass sich hier so viele Fotografen immer wieder neu inspirieren lassen. Ein Klassiker steht in Duisburg. Im Landschaftspark Duisburg-Nord, liebevoll nur LaPaDu genannt, taucht die Lichtinstallation des britischen Künstlers Jonathan Park das stillgelegte Hüttenwerk nach Einbruch der Dunkelheit in ein Spiel aus Licht und Farbe. Unser Tipp: Machen Sie einen ganzen Tag daraus und erkunden Sie den weitläufigen Park samt Umgebung. Ein besonders spannendes Motiv ist der Hochofen, der sich sogar begehen lässt. Wer mit Stativ zur blauen Stunde kommt, dem gelingen die Aufnahmen der Lichtinstallation besonders gut. Das volle Programm läuft freitags bis sonntags und an Feiertagen, in den NRW-Ferien sogar jeden Abend.
Es bleibt aber nicht beim Landschaftspark. Auch die großen Zechen des Reviers warten nur darauf, abgelichtet zu werden. Die Zeche Zollverein in Essen ist seit 2001 UNESCO-Welterbe. Ihr Doppelbock-Förderturm ist nicht nur Wahrzeichen des Zollvereins, sondern auch der Stadt Essen und weit darüber hinaus des ganzen Reviers. Wer es lieber ruhig mag, fährt zur Zeche Zollern im Westen Dortmunds. Mit ihrer Maschinenhalle samt gläsernem Jugendstilportal und der reich verzierten Backsteinfassade zählt das sogenannte Schloss der Arbeit zu den elegantesten Denkmälern der Industriekultur.
Stadtblicke und Landmarken über dem Revier
Für neue Perspektiven sorgen die Landmarken, die teilweise sogar begehbar sind. Tiger and Turtle in Duisburg sieht aus wie eine wilde Achterbahn, ist aber eine begehbare Skulptur. Heike Mutter und Ulrich Genth haben die gut 20 Meter hohe Konstruktion entworfen, die seit 2011 auf dem Magic Mountain steht. Früh am Morgen haben Sie die Treppen oft für sich allein, und die Industriekulisse liegt Ihnen bis zum Horizont zu Füßen. Sobald es dunkel wird, zeichnen 880 LEDs in den Handläufen die Windungen nach und sorgen für ein sehenswertes Nachtbild.
Auch der Tetraeder auf der Halde Beckstraße in Bottrop zählt zu den Ruhr Tourismus Must Sees. Die begehbare Stahlpyramide steht auf der rund 90 Meter hohen Halde, und von ihrer obersten Plattform in 38 Metern Höhe bekommen Sie fast das halbe Revier vor die Linse. Hoch hinaus geht es auch im Gasometer Oberhausen. Der ehemalige Gasspeicher misst 117 Meter und gilt als höchste Ausstellungshalle Europas. Ein gläserner Panoramaaufzug fährt durch die riesige Halle nach oben, ein zweiter Aufzug bringt Sie aufs Dach, zu Fuß sind es 592 Stufen. Von oben reicht der Rundblick bei klarer Sicht rund 35 Kilometer weit übers westliche Revier.
In Oberhausen finden Sie zudem die Fußgängerbrücke Slinky Springs to Fame, auch Rehberger-Brücke genannt. Die begehbare Skulptur des Künstlers Tobias Rehberger führt vom Kaisergarten über den Rhein-Herne-Kanal bis zur Emscherinsel und misst insgesamt 406 Meter. Mit ihren leicht schwingenden Aluminiumbögen und dem farbenfrohen Laufbelag gibt sie ein ergiebiges Fotomotiv ab, das zur Kreativität einlädt.
Grüne Oasen: Fotospots im Ruhrgebiet mit Natur pur
Bevor es richtig in die Natur geht: ein letzter Nachhall der Industrie, wenn auch begrünt. Auf der Halde Rheinpreußen in Moers krönt Das Geleucht den Gipfel, eine gut 30 Meter hohe Grubenlampe des Lichtkünstlers Otto Piene, die den Kumpeln unter Tage ein Denkmal setzt. Sobald es dämmert, glüht die Lampe rot auf und mit ihr eine große Fläche der Halde.
Wie sich Schwarz zu Grün verwandelt, zeigt der Nordsternpark in Gelsenkirchen. Auf dem Gelände der früheren Zeche Nordstern entstand zur Bundesgartenschau 1997 eine weite Parklandschaft am Rhein-Herne-Kanal. Mittendrin führt die knallrote Doppelbogenbrücke übers Wasser, ein Hingucker in jedem Foto. Über allem thront der Herkules von Gelsenkirchen auf dem alten Förderturm, eine 18 Meter hohe Skulptur von Markus Lüpertz. Der Turm selbst trägt in rund 83 Metern Höhe eine Aussichtsterrasse, wie geschaffen für Panoramaaufnahmen.
Genauso fotogen liegt der Baldeneysee im Essener Süden. Der größte der Ruhrstauseen wurde nach dem nahegelegenen Schloss Baldeney benannt und zieht sich wie ein blaues Band durch die grünen Ruhrhänge. Der Legende nach stimmte der Industrielle Gustav Krupp dem Aufstau erst zu, als man ihm zusicherte, dass er den See von seiner Villa Hügel aus sehen würde. Wer die Segelboote vor den Hügeln und die Villa hoch über dem Ufer bei tiefstehender Sonne einfängt, versteht schnell, warum ihm der Ausblick so lieb war. Auf dem Wanderweg Baldeneysteig warten weitere Motive, und wer lieber vom Wasser aus fotografiert, geht an Bord der Weißen Flotte, deren Schiffe in den Sommermonaten am Südufer liegen.
Das ist längst nicht alles, was das Revier fotografisch hergibt. Unser Geheimtipp: Wer die Spots samt Anfahrt und Fototipps gebündelt dabeihaben will, ist mit dem Foto-Reiseführer „Fotografieren im Ruhrgebiet“ bestens beraten.
Bei so vielen Motiven sammelt sich auf der Speicherkarte schnell einiges an. Schade wäre es, die Aufnahmen dort verstauben zu lassen. Fotobücher sind die neuen Coffee Table Books und holen das Ruhrgebiets-Feeling direkt ins Wohnzimmer. Wer sich die Suche nach dem passenden Anbieter erleichtern möchte, findet im großen Fotobuch Test des Fotobuchmagazins eine ausführliche Übersicht mit Bewertungen und Beispielen.
Foto: unsplash, justin




