Das Parkhotel Bernepark in Bottrop-Ebel

Ein Bett, eine Ablage und ein kleines Nachttischlämpchen, mehr gibt es nicht. Das Parkhotel auf dem Gelände einer ehemaligen Kläranlage auf der Emscherinsel im Bernepark ist ein Rückzugsort. Hier können sich gestresste Stadtbewohner eine Ruhepause von der ständigen Reizüberflutung gönnen, oder Durchreisende für wenig Geld ein Bett für die Nacht buchen. Die Betonzylinder sind zwar nicht schalldicht, aber man fühlt sich dennoch wie in Abrahams Schoß.


[ruhr-guide] Keine Rezeption, keine Dienstmädchen, nicht die typische Hotelaussicht auf die Innenstadt – einfach anders. Das Konzept Das Parkhotel, Foto: Pixerbay, wdietzvon Andreas Strauss geht dennoch auf. Im Bernepark in Bottrop stehen seit 2011 fünf nicht ganz gewöhnliche Kanalröhren, die Strauss gemeinsam mit einigen Hotel-Visionären zu gemütlichen Schlafräumen umfunktioniert hat. Minimalistisch, spartanisch, kuschelig und 9,5 Tonnen schwer sind die Zimmer. Der österreichische Künstler hat bereits 3 dieses Kunstobjekte in Ottensheim an der Donau aufgestellt. Wie auch im Bernepark, ist die Standortwahl abhängig von der Infrastruktur, denn die Sanitäranlagen und die Verpflegung sind in der näheren Umgebung gelegen. Unweit der Schlafröhren befindet sich ein Restaurant und ein öffentliches Schwimmbad, hier kann gefrühstückt und geduscht werden. Allerdings können die Gäste nur zwei Tage bleiben. Das Parkhotel ist also nichts für einen langen Urlaub und das ist auch nicht Sinn der Röhren.

Der Raum im Raum

Andreas Strauss beschäftigt sich in vielen seiner Werken mit der Nutzung des Öffentlichen Raumes. So stehen einige Kunstobjekte direkt auf dem Bürgersteig und wecken die Neugier der Passanten, die zur Nutzung aufgefordert werden. An der Künstlerhauspassage in Wien lud 2013 ein Gemeinschaftsprojekt (tremmel & strauss ts_002_lux) des Künstlers zu einer Lichtdusche unter 15. 000 Lux starken Neonlampen, die das Sonnenlicht simulieren ein. Das Antidepressivum mit geringen Nebenwirkungen, wird Allen empfohlen, die die kalte Jahreszeit nicht ohne psychische Frostphasen überstehen oder einfach nicht aus dem Tal kommen. Ein weiteres Merkmal des Künstlers ist die Zweckentfremdung. Müllcontainer werden zu kleinen, mobilen Küchen umfunktioniert, oder ein Anhänger zum Pizzaofen ausgebaut. Die Nutzung fertiger Gegenstände ist fast schon sein Markenzeichen geworden.

Schlafen wie im Bauch der Bärin

Bei dem Bau des Hotels im Bernepark in Bottrop wurden ebenfalls handelsübliche Kanalrohre ihrer neuen Bestimmung angepasst und liebevoll gestaltet. Die Rückwand des Zylinders zieren handgemalte Wandbilder. Jede Schlafröhre hat so ein ganz individuelles Element, denn ansonsten ist die Inneneinrichtung gleich. Es gibt weder Fernseher noch Radio, für eine zuverlässige Stromversorgung sind in der Röhre Steckdosen angebracht. Hier endet aber auch schon der Hotelluxus. Die Gäste haben so die Möglichkeit fern vom Rummel der Stadt und der überlaufenen Cafés in der Natur zu entspannen. Fast wie ein Kokon aus Beton bietet die Schlafröhre Schutz und Geborgenheit. Man ist zwar immer noch im öffentlichen Raum, mitten auf dem Parkgelände, aber man fühlt sich wie im Bauch der Bärin. Durch das Bullauge an der Decke kann man nachts in den Himmel sehen und die Ruhe genießen. Der künstlerische Aspekt wird weiterhin durch die Preise für die Übernachtung hervorgehoben. Die Buchung erfolgt ausschließlich online, anschließend wird ein Schlüsselcode per Mail oder SMS verschickt, die Bezahlung ist dem Gast selbst überlassen. Das „pay as you wish“-System scheint auch zu funktionieren. Ca. 20 € decken die Kosten für die Nutzung ab. Die Betreiber sagen aber ausdrücklich, jeder soll soviel in der Paybox seiner Suite hinterlegen, wie ihm das einzigartige Erlebnis wert ist.

dasparkhotel BernePark

Ebelstraße 25 a
46242 Bottrop

Weitere Infos zur Buchung und über die Idee auf:
www.dasparkhotel.net

Foto: Pixerbay, wdietz

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