Das schönste Museum der Welt

Kaum könnte es eine bessere Wahl für die erste Ausstellung im neuen Museum Folkwang in Essen geben. Hinter dem Titel "Das schönste Museum der Welt" verbergen sich Schätze aus der Sammlung des Museum Folkwang, bevor es im Nationalsozialismus durch Enteignung einen herben Rückschlag erleiden musste. Das damals in Europa beeindruckenste Museum für moderne und aussereuropäische Kunst erlangte Weltruhm. Zur Ausstellung wurden Teile der Sammlung wieder "nach Hause" geholt und können vom 20. März bis zum 25. Juli besucht werden.


Archiv: 23.03.2010 [ruhr-guide] Anfang des 20. Jahrhunderts begann Karl Ernst Marc_weidende PferdeOsthaus mit Hilfe eines beträchtlichen Erbes eine Kunstsammlung, die in dieser Zeit in Europa seines Gleichen suchte. Nicht nur Exponate von modernen Künstlern wie Kirchner, van Gogh oder Gauguin waren unter den Werken, sondern auch Kunsthandwerk aus fernen Kulturen, die Osthaus von seinen Reisen in den Orient oder Asien mitbrachte. Sein Ansinnen war es, ein Museum für die Allgemeinheit zu gründen und er nannte es aus der germanischen Mythologie entlehnt "Folkwang", was eine Halle des Volkes umschreibt. Dieses Museum, welches erst in Hagen seinen Standort hatte, wurde nach Osthaus Tod von Essener Kunstinteressierten an seinen heutigen Standort im Herzen Essens geholt.

Entartete Kunst - Die Zwangsenteignungen im zweiten Weltkrieg

Als 1932 der amerikanische Kunsthistoriker Paul J. Sachs, der unter anderem auch Mitbegründer des Museum of Modern Türkei
Fliese, zweite Hälfte 16. Jh. Art in New York war, dem Museum Folkwang in Essen einen Besuch abstattete, war er so begeistert, dass ihm in spontaner Entzückung der Titel des schönsten Museums der Welt entwich. Jedoch hielt der Glanz des so umfangreichen Museums nicht lange an. Innerhalb der Politik des Nationalsozialismus war es gang und gäbe, Kunst als entartet zu deklarieren und unzählige von kunsthistorisch wichtigen Werken seinen Besitzern zu entreißen. So geschah es auch mit einem Großteil der Sammlung des Museum Folkwang. Unter den sogenannten entarteten Gemälden waren, Werke von Oskar Kokoschka, Henri Matisse, Wassily Kandinsky, Edvard Munch oder Lovis Corinth, um nur einige zu nennen. Glücklicherweise war auch den Nazis klar, dass diese Werke von ungeheurem Wert sind und so stellten sie sie fortan als Mahnmale aus – natürlich nicht ohne wirtschaftlichen Hintergedanken. Dies hatte zur Folge, dass die Bilder nicht gänzlich verloren gingen.

Das Museum Folkwang erlitt unter dieser Zwangsenteignung einen beträchtlichen Schaden. Die Sammlung war weniger vollkommen, nahezu winzig geworden und musste mit vielen Mühen nach Beendigung des Krieges neu aufgebaut werden. Einige Werke konnten zurück gewonnen werden, viele kamen neu hinzu. Erst Jahre später genoss das Museum wieder einen ähnlich guten Ruf wie vor 1933.

Ein altes Museum strahlt in neuem Glanz

Nach mehrfachen Erweiterungen und Neubauten des Museumsgebäudes ist 2010 nun das Jahr, in dem das Museum Java
Kumbakarna, undatiert Folkwang in einem völlig neuen Glanz erstrahlt. Das erfolgreiche Architektenbüro David Chipperfield Architects konzipierte ein modernes Museum, welches schon ohne Bilder ein Meisterwerk darstellt. Getreu der Idee Karl Ernst Osthaus, einen Ort für das Volk zu schaffen, birgt Essen seit dem Beginn des Jahres als Kulturhauptstadt Europas ein neues Zentrum der Begegnung mit der Kunst. Welchen besseren Zeitpunkt kann es also geben, die Werke, mit denen alles begann, wieder in heimische Gefilde zu holen und mit ihnen und den im Archiv Verbliebenen die erste Ausstellung im Neubau Museum Folkwang zu konzipieren. Und welch besseren Titel gibt es für eben diese Ausstellung als das Zitat Paul J. Sachs: "Das schönste Museum der Welt"

Wer einen Blick in besagte Ausstellung wirft, wird schnell eine solche Äußerung verstehen. Zwar sind nur Teile des damaligen Kontingents für den Besucher sichtbar, dennoch ist die Vielfalt überwältigend. Es sind die Klassiker der Moderne, japanisch Theatermasken, ägyptische Skulpturen, ozeanische Zeremonialobjekte und Bilder des Expressionismus, die den Eindruck erwecken in dieser Ausstellung entdecke man die Schönheit der Welt.

Das schönste Museum der Welt


Museum Folkwang bis 1933

20. März bis 25. Juli 2010

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
www.museum-folkwang.de


Fotos: 1. Rick Stafford, 2. & 3. Hans Hansen
(de)

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