Man sollte eigentlich kein Konzert von Angelika Express verpassen, schon gar nicht, wenn man mal wieder seinen Hormonspiegel hochpegeln lassen muss.
Jetzt weiß ich, 
Als Vorgruppe hatten sie sich „Einen Sommer“ engagiert. Eine noch (!) unbekannte Band aus Köln, die auf eine sehr zurückhaltende und entspannte Art den Abend mit ihren Midtempo-Relaxrock-Nummern einleiteten. Manchmal klang es fast ein wenig nach lässiger Südstaaten-Attitüde, manchmal etwas nach melancholischem Noise-Pop, meist jedoch nach „Einen Sommer“, mit intelligenten deutschen Texten über die Befindlichkeit halbverlorener Großstadtseelen. Damit korrespondierte die scheuschüchterne Art von Sänger Tim Talent, der sich ganz offensichtlich lieber über seine Gitarre und seine sorgfältig auskomponierten Gedanken mitteilt als in lästigen Zwischenansagen. Angelika-Bassist Jens Bachmann ließ es sich nicht nehmen, eigens ein paar Fotos der Band zu schießen, während seine Bandkollegen sich unters Publikum mischten und dem Sommerkonzert aufmerksam folgten. Ein guter Support und zumindest hinsichtlich der Performance ein Kontrast zu dem, was folgte. Angelika Express.
Bisher hatte ich mir 
Das Tempo, in dem die drei durch ihr Repertoire branden, ist atemberaubend: „Selbsthypnose“, „Das ist Verrat“, „Radio“, „Feierabend of Destruction“, „Geh doch nach Berlin“, „Pornographie“, „Nico Päffgen“, „Rock Fucker Rock“, „Nimm mich mit“, „Es wird böse enden“, „Antonia“, „Teenage Fanclub Girl“, „Paul muss sterben“, „Sexueller Punkrock“ usw. usw. Und doch wirkt es nie überhetzt oder gar lieblos abgespult, sondern einfach nur glückshormonisierend und mitreißend. Alex Jezdinsky am reduzierten Minimalschlagwerk und Jens Bachmann spielen einen treibenden Powerpunkbeat und singen gelegentlich – Jezdinsky zu „Verkaterter Dienstag“ (auf dem Album von Peter Hein gastbesungen) und Bachmann zu seiner Eigenkomposition „Jetzt“. Robert Drakogiannakis‘ eigentümlich naiv-erfrischender Gesang und sein mal rooaarendes, mal schnurriges Gitarrenspiel fahren bis in das nach Erfrischung lechzende Gemüt. Nur selten hält der Angelika Express, um etwas Adrenalin entweichen zu lassen. „Francois Truffaut“ gestaltet sich etwas ruhiger, weil Drakogiannakis mal allein zur Gitarre singt, und zum Schluss darf man bei „Cocktail für eine Leiche“ durchatmen, wenn Bachmann den Bass gegen eine Melodika eintauscht. Aber man ahnt schließlich, dass noch Zugaben bevorstehen, darunter mit „I want you to want me“ eine Hommage an Cheap Trick.
Irgendwann beschleicht 
Angelika Express sind nahezu permanent auf Tour. Ein Konzert folgt dem nächsten und keine Halle ist ihnen zu klein, kein Städtchen zu fern, um es nicht im musikalischen Notensturm zu erobern. Umso mehr Hochachtung muss man dieser Dynamik zollen. Der Ruf, der ihnen als gute Live-Band im Lande vorauseilt, wird vor Ort noch übertroffen. Sie lieben ihre Fans, sie lieben ihre Musik, sie lieben es, auf der Bühne zu stehen und zu spielen – auch vor nur 100 Leuten. Das spürt man und das macht Spaß. Man sollte eigentlich kein Konzert dieser Band verpassen, schon gar nicht, wenn man mal wieder seinen Hormonspiegel hochpegeln lassen muss. Und bloß nicht von der Bahnsteigkante zurücktreten…immer schön nah ran.
(MatsB)
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