Schönheit und Provokation: Vom 21. Mai bis zum 4. September 2005 zeigte das NRW-Forum in Düsseldorf eine wirklich beeindruckende und umfassende Retrospektive der französischen Fotografin Bettina Rheims. Erstmals in Deutschland wurde hier auch ihre jüngste Serie „Shanghai“ vollständig gezeigt, das Ergebnis eines sechsmonatigen Aufenthaltes in der chinesischen Metropole.
[ruhr-guide] Eine ausgestopfte Gans schaut den Betrachter ebenso lebendig an wie die blutjunge und nackte Kate Moss. Eine blonde Schönheit entpuppt sich bei näherem Hinsehen nicht als Femme Fatal, sondern als zur Frau 
Die Aufnahme „Sibyl Buck la joue écrasée sur un lit“ der Reihe „Pourquoi m’as tu abandonnée“ (Warum hast du mich verlassen) zeigt eine auf einem Bett inszenierte Frau in lakonischer Pose. Ihr Blick schweift ins Leere. Ohne eine Spur von Gefühlsregung drückt sie eine Art Traurigkeit der Verlassenen aus. Damit versprüht sie gleichzeitig puren Sex. Niemals zwingt die Fotografin ihren Modellen eine Pose auf, sondern sie erarbeitet mit ihnen gemeinsam eine Art der Darstellung, die das bestmögliche Ergebnis hervorbringt. „Ich fotografiere nicht das wirkliche Leben; alle meine Fotos sind verfälscht, unreal. Sie sind inszeniert und präzise organisiert…“ sagt die Fotografin über ihre Arbeit.
Bettina Rheims, heute Anfang Fünfzig, hat als Mannequin angefangen, bevor sie 1978 selbst zur Kamera griff. Die Tochter des Pariser Star-Auktionators und Schriftstellers Maurice Rheims porträtierte Stripteasetänzerinnen und Akrobaten; die Veröffentlichung in „L’Egoïste“, dem 
Die Shanghai-Serie führt Rheims konsequenten Stil zwischen Unzucht und Reinheit fort. Hier heißen die Modelle Chen Wen Li, Zhou Ling oder Guan Xin, und als Miss China oder Äbtissin eines Buddhistenklosters spiegeln sie das weibliche Antlitz von Shanghai wider.
Auch hier hat Bettina Rheims die Frauen in den gewohnt provokanten und herausfordernden Posen aufgenommen. Da ist beispielsweise Jin Xing, die in der Befreiungsarmee als Oberst diente, sich zur Frau operieren ließ und heute eine bekannte Künstlerin ist.
Die Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum war eine Retrospektive, eine in opulenten Farben schwelgende Sammlung von über 200 meist farbigen Photographien berühmter, prominenter und unbekannter Frauen und anderer Themen. Und zum ersten Mal in Deutschland wurden die „Shanghai“-Bilder komplett gezeigt. Einmal mehr erweist sich Rheims sensitive und delikate Visualisierung weiblicher Erotik als unerschöpfliches Thema. Ihre Stilsicherheit und ihr Gefühl auch für die subtilsten Nuancen der weiblichen Ausstrahlung garantieren faszinierend beunruhigende Einblicke auf hohem ästhetischem Niveau.
Bettina Rheims – Die Retrospektive
21. Mai – 4. September 2005
NRW-Forum Kultur und Wirtschaft
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
© Bettina Rheims. Courtesy Galerie Jérome Noirmont, Paris
(sl)





