Ruhrgebietsgeschichte in schwarz-weiß: „Mein Revier“ dokumentiert ein Vierteljahrhundert in Fotos. Der Fotojournalist Manfred Vollmer hat große Momente aber auch ganz alltägliche Szenerien auf Zelluloid gebannt – vom Papstbesuch bis hin zum Gespräch zweier Frauen an der Türschwelle einer Bergbausiedlung gewinnt man vielschichtige Einblicke. Der Betrachter taucht tiefgründig in den Zeitraum von 1965 bis 1989 ein, in dem Umbruch und Industriesterben die Gemüter bewegen.
[ruhr-guide] Fotografien in schwarz-weiß sind nicht nur nostalgisch oder weisen eine 
Manfred Vollmer auf den Spuren der Ruhrgebietskultur
Eigentlich ist er ja gar kein echtes Kind des Ruhrgebiets. Manfred Vollmer wurde 1944 in Sachsen geboren und wuchs in Baden auf. Ins Revier verschlug es ihn erst 1965, anlässlich seines Studiums der Fotografie an der Essener Folkwangschule. Er entwickelte in der Folgezeit eine enge Verbundenheit zur Region und seinen Bewohnern, die ihn bis heute bleiben ließ. Seit 1970 war Vollmer fortan als freier Fotojournalist quer durch das Revier unterwegs und ist bei vielen bedeutenden Ereignissen zugegen gewesen. Einige seiner Bilder mögen dem einen oder anderen bekannt vorkommen, wurden sie doch vielfach in Zeitungen und Magazinen abgedruckt. Besonders bekannt sind Vollmers Fotostrecken im Zusammenhang mit den protestreichen Stilllegungen der Henrichshütte in Hattingen und des Krupp Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen. Aber auch den Papstbesuch auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop und viele weitere Großereignisse hat der Fotograf mit der Kamera begleitet. Die ausdruckskräftigsten Bilder finden sich im neuen Fotoband „Mein Revier“.
Kultur- und Sozialgeschichte in „Mein Revier“
Der Bildband „Mein Revier“ von Manfred Vollmer beschränkt sich aber keinesfalls auf Großereignisse in der Region. Der Alltag und die Lebensumstände der ganz „normalen“ Leute, des „kleinen Mannes“, werden porträtiert und für die Nachwelt dokumentiert. Fragen wie „Wie sah eine ‚gute Stube‘ aus, wie ein Gastarbeiterquartier?“, „Welche Hobbys hatten Jugendliche im Zeitraum 1965 bis 1989 und womit spielten die Kinder in dieser Zeit?“ oder „Welche Arbeitsbedingungen herrschten unter Tage und wie sah im Vergleich dazu die universitäre Ausbildung aus?“ geht der Bildband nach. Dabei sind die Fotos in „Mein Revier“ bestimmten Überschriften zugeordnet und bilden dadurch jeweils eigenständige Themenkomplexe ab. Mehr noch, durch die Vereinigung zum Teil sehr unterschiedlicher Fotografien unter einer Überschrift entstehen neue Erzählperspektiven zwischen den Bildern. Ein Beispiel: Unter dem Begriff „Oben“ findet sich auf einer Seite der Ruhrbischof Hengsbach, der auf der Fronleichnahmsfeier 1972 den Blick nachdenklich gen Himmel wendet. Mit ihm kombiniert ist auf der selben Seite ein Mann, der mittels langer Leiter auf das Dach eines Zechenhauses in Bergkamen klettert. Beide Bilder drücken „Oben“ gleichermaßen aus, wenn sie auch noch so verschieden erscheinen.
In „Mein Revier“ kann der Betrachter ein Stück Zeitgeschichte entdecken, gewinnt Einblicke in 25 Jahre voller Kultur und Umbrüche, voller Zechensterben und Arbeiterproteste. Ein spannendes Buch nicht nur für alle Ruhrgebietler!
Mein Revier – Ein Vierteljahrhundert im Bild.
Das Ruhrgebiet von 1965 bis 1989
Manfred Vollmer
Klartext Verlag
Essen 2012
128 S., Hardcover
ISBN: 978-3-8375-0866-6
19,95 EUR
Bild: Klartext Verlag / Manfred Vollmer





